Lust auf ein MINT-Studium? Bitte gerne, aber mit einem gewissen Grundverständnis und Lernbereitschaft

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STUTTGART/HANNOVER. Sie gelten als Studienfächer mit besten Berufschancen und der Option auf ein sehr gutes Einkommen: MINT-Studiengänge. Doch was müssen Interessierte mitbringen?

MINT-Fächer sind nicht für jeden geeignet.                       Foto: Chemie-Verbände Baden-Württemberg / flickr / CC BY 2.0

Wer bei Begriffen wie «Kurvenberechnung oder Standardverteilung» keinen kalten Schweiß auf der Stirn stehen hat, der ist unter Umständen für ein Studium im MINT-Bereich geeignet. Knapp 1,1 Millionen Studierende konnten sich im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland für MINT-Fächer begeistern. Vier von zehn Studierenden belegen demnach ein MINT-Studienfach. Die Abkürzung «MINT» steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Fächer, denen der größte Fachkräftemangel und die besten Berufsaussichten nachgesagt werden. Doch stimmt das? Uns was muss man für ein solches Studium mitbringen?

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«Sie müssen nicht genial sein für ein MINT-Studium, aber was Ihnen an Begabung für die Inhalte fehlt, müssen Sie mit Lernbereitschaft ausgleichen», sagt Norbert Röhrl vom MINT-Kolleg Baden-Württemberg. Er und seine Kollegen bereiten angehende Studierende auf die fachlichen Herausforderungen der MINT-Studiengänge vor. «Wir sehen immer wieder, dass manchen vor allem der Mittelstufenstoff, Elementares wie Bruchrechnen, fehlt», erklärt Röhrl. Wer keine Terme kürzen oder umformen kann, bekomme im Studium Probleme. Ob Informatik oder Maschinenbau – Mathe begegnet Studierenden in jedem MINT-Fach.

Wichtig für Quereinsteiger: Wer nach seiner Meisterprüfung ein MINT-Studium beginnen möchte, muss den Lehrstoff oft intensiv vorarbeiten. «Man sagt den Quereinsteigern häufig nicht, dass man im Studium, zumindest in der Mathematik, Abiturniveau von ihnen erwartet», beklagt Röhrl. Eine gewisse mathematische Begabung helfe. Viel wichtiger sei aber, dass man sich für das Ziel begeistern kann: «Wenn ich Maschinenbau studieren möchte, muss ich zum Beispiel das Konstruieren mögen und mich gerne mit Technik auseinandersetzen.»

Klassisch oder lieber anwendungsbezogen?

Maschinenbau ist ein eher klassischer MINT-Studiengang. Speziellere Fächer sind etwa Meteorologie, Medieninformatik, Nachrichten- und Informationstechnik oder Nautik. Das Spektrum ist breitgefächert. Es reicht von Kernfächern wie technische Mathematik oder Informatik bis hin zu solchen Fächern, die Ulrike Struwe vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit als «Bindestrich-MINT-Fächer» bezeichnet – also etwa Textil-Ingenieurwesen, Bio-Informatik, Medizin-Technik oder Wirtschafts-Informatik. Diese Fächer haben einen hohen Anteil der Grundfächer, sind aber laut Struwe deutlich stärker auf den Anwendungsbereich fokussiert. Häufig sei dies der Grund, warum sich junge Frauen für diese Studiengänge entscheiden.

Ob mit oder ohne Bindestrich, eines gilt immer: Wer ein MINT-Studium beginnen möchte, sollte Interesse an den Inhalten und dem Fach mitbringen. Eine Bioinformatikerin ohne naturwissenschaftliches Interesse oder ein Wirtschaftsmathematiker mit Angst vor Zahlen, das kann nicht funktionieren.

Abhängig von der Ausrichtung des MINT-Faches, variieren die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. «Für bestimmte Studiengänge, wie Bio-Informatik, stehen aufgrund der Spezialisierung nicht so viele Arbeitsplätze zur Verfügung wie für reine Informatiker und Informatikerinnen», erklärt Struwe.

Viel büffeln und dann – gute Karrierechancen

Die Berufsaussichten gelten aber als gut. Laut MINT-Frühjahrsreport 2018 des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen derzeit fast 315.000 Fachkräfte in MINT-Berufen – so viele wie noch nie zuvor. Früher gab es in MINT-Berufen den sogenannten Schweinezyklus: Sobald die Arbeitsmarktsituation schwierig wurde, gab es weniger Studienanfänger. «Ein paar Jahre später herrschte dann MINTler-Mangel, daraufhin stieg die Nachfrage wieder, und alle rannten erneut in die MINT-Fächer», erklärt Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).

Dieser Zyklus scheint durchbrochen: «Wir kommen von einem sehr niedrigen Niveau», sagt Briedis. Vor 15 Jahren gab es wenige Studienanfänger. In den konjunkturellen Abschwungphasen konnte man sonst beobachten, dass Ingenieure und Techniker Schwierigkeiten hatten. «In der letzten großen Krise blieb das aus, die Unternehmen versuchten, ihre Leute zu halten», sagt Briedis. «Ich würde davon ausgehen, dass die Nachfrage auch in nächster Zeit so bestehen bleibt.»

Auch Struwe bestätigt: «In einem Hochtechnologieland wie Deutschland haben Studierende der MINT-Studiengänge wirklich sehr gute Aussichten.» Das Thema Digitalisierung werde künftig alle Lebensbereiche berühren, ein hoher Bedarf an Fachkräften, die dieses Thema abdecken, bestehe weiterhin. dpa

Studie: Jungs begeistern sich weiterhin stärker für MINT-Fächer

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6 KOMMENTARE

  1. Vielen Dank für diesen Werbeartikel.
    Zusammengefasst kann man also sagen, dass das Studium eines MINT-Fachs sinnvoll ist, weil man gute Berufschancen hat. Man muss dazu entweder Spaß am Fach oder Fleiß mitbringen – und Mathe.
    Für NRW kann ich dafür nur sagen, dass ich mich gerade vor Lachen nicht mehr einbekommen.
    Neben der Einführung eines wissenschaftlichen Taschenrechners in Klasse 7 wird in der Oberstufe häufig ein CAS eingesetzt. Das heißt, dass die Kinder aber Klasse 7 nicht mehr rechnen und ab der Oberstufe mathematische Operationen nur noch grundlegend können. Viele Abiturienten beschweren sich bei uns, wenn sie dann im Studium per Hand rechnen müssen.
    In Physik hat man sich in NRW zumindest im Grundkurs fast vollständig von der Mathematik verabschiedet. Die Phänomene stehen im Mittelpunkt. Oder wie der Dezernet es nennt: “Wenn man zwei Augen, eine Nase und einen Mund richtig zusammenfügt, erkennt man ein Gesicht. So kann man die Grundzüge der Physik an zentralen Experimenten erfassen.”
    Mich würde mal interessieren, wie die Studentinnen und Studenten mit den unterschiedlichen Studiengängen zurecht kommen. Erscheinen dazu nicht regelmäßig Artikel, in denen böse Professoren über 90% eines Kurses durchfallen lassen? Mich würde bei einem solchen Artikel ein bischen mehr Substanz freuen.

    • Gut zusammengefasst, wobei ich allerdings nicht so viele Schulen kenne, die CAS einsetzen, um den Begriff “häufig” rechtfertigen zu können. In der Sache ändert sich das aber nicht.

      Bei einer Mathe-Fortbildung hat der Referent mal die gute Frage gestellt, weshalb der GTR mit oder ohne CAS im Abitur abgefragt wird (böse geschrieben an Stelle von mathematischen Kenntnissen), während in Deutsch niemand PowerPoint-Präsentationen verlangt. Man kann beides im Unterricht durchnehmen, wobei man den GTR durch GeoGebra im Computerraum ersetzt, und im Abitur selbst wenn überhaupt nur den einfachen Taschenrechner. Schon aus finanziellen Gründen ist das viel sinnvoller.

      Die Physikaufgaben aus dem Abitur sind ja alle materialgestützt, so dass kleveres Lesen zum Bestehen weitgehend ausreicht. Leider wurde der Physik-GK vom Niveau her an das der Biologie angepasst.

    • Was Sie für Physik beschreiben, wird hier hochoffiziell im Bericht zu PISA 2015 auf Seite 6 als Tugend erläutert:
      http://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/PISA_2015_Zusammenfassung.pdf
      Zitat: “Während eines Großteils des 20. Jahrhunderts zielten die schulischen Curricula im Bereich Naturwissenschaften, insbesondere im Sekundarbereich II, in erster Linie darauf ab, eine solide Grundlage für die Ausbildung einer kleinen Zahl von Wissenschaftlern und Ingenieuren zu schaffen. Dabei wurden die Naturwissenschaften zumeist in einer Form präsentiert, bei der der Fokus darauf lag, den Schülerinnen und Schülern grundlegende Fakten, Gesetze und Theorien aus den verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern zu vermitteln, während weniger darauf geachtet wurde, ein allgemeines Verständnis der wesentlichen Merkmale naturwissenschaftlicher Forschung sowie der Veränderlichkeit dessen zu vermitteln, was wir im naturwissenschaftlichen Bereich für gültig erachten.” […]
      “Es ist wichtig, ein positives und inklusives Bild der Naturwissenschaften zu fördern. Zu oft wird der naturwissenschaftliche Unterricht als der erste Abschnitt einer („undichten“) Pipeline betrachtet, die letztlich der Selektion der künftigen Naturwissenschaftler und Techniker dient.” […]
      “Deshalb sollte darauf hingearbeitet werden, dass der Naturwissenschaftsunterricht ein positiveres Image erhält, etwa indem er als Sprungbrett in neue Wissensbereiche präsentiert wird, die interessant sind und die Spaß machen.”
      Fazit: Man will mehr MINT-Studenten, aber in der Schule sollen solide Grundlagen dafür gerade nicht gelegt werden. “Selektion der künftigen Naturwissenschaftler und Techniker”, nein das darf es nicht geben, das ist sozial ungerecht und hat nicht das “positive Image”. Anders gesagt: “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.”

  2. Gut zusammengefasst, wobei ich allerdings nicht so viele Schulen kenne, die CAS einsetzen, um den Begriff “häufig” rechtfertigen zu können. In der Sache ändert sich das aber nicht.

    Bei einer Mathe-Fortbildung hat der Referent mal die gute Frage gestellt, weshalb der GTR mit oder ohne CAS im Abitur abgefragt wird (böse geschrieben an Stelle von mathematischen Kenntnissen), während in Deutsch niemand PowerPoint-Präsentationen verlangt. Man kann beides im Unterricht durchnehmen, wobei man den GTR durch GeoGebra im Computerraum ersetzt, und im Abitur selbst wenn überhaupt nur den einfachen Taschenrechner. Schon aus finanziellen Gründen ist das viel sinnvoller.

    Die Physikaufgaben aus dem Abitur sind ja alle materialgestützt, so dass kleveres Lesen zum Bestehen weitgehend ausreicht. Leider wurde der Physik-GK vom Niveau her an das der Biologie angepasst.

    • die Hochschulen merken das schon, weil noch nie mit Wasser in Berührung gekommene Erstsemester von jetzt auf gleich in sehr tiefes Wasser geworfen werden. Die Schwimmflügel aka Mathe-Tutorien reichen für viele Studenten längst nicht aus. Mit Mühe und Not können sie sich ans Ufer aka einen weicheren Studiengang oder gleich eine Ausbildung retten. Schwimmtraining in der Schule hätte das vermieden, notfalls durch Abraten dieses Studiums.

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