Von Eisenmann im Stich gelassen? GEW-Chefin fordert mehr Engagement für die Gemeinschaftsschule

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STUTTGART. Die Gemeinschaftsschule ist die jüngste Schulart in Baden-Württemberg. Ihre Einführung war einst umstritten. Die GEW fordert mehr politische Unterstützung vom Kultusministerium.

aut um: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Eisenmann verteidigt ihren Kurs.                                                                  Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz hat mehr Unterstützung für die Gemeinschaftsschule gefordert. Moritz sagte jetzt in Stuttgart, keine weiterführende Schule habe vergleichbar anspruchsvolle Aufgaben von Inklusion bis Begabtenförderung zu bewältigen. «Dafür brauchen sie mehr Unterstützung. Dazu gehört auch eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte und mehr Leitungsstellen.» Insgesamt gibt es aktuell laut Kultusministerium 302 öffentliche Schulen dieser Form mit rund 64.000 Schülern. Die Gemeinschaftsschule wurden einst unter Grün-Rot zum Schuljahr 2012/13 eingeführt.

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Moritz verlangte bei der Tagung der GEW erneut mehr Engagement des Kultusministeriums für die Schulart. Seit dem letzten Regierungswechsel erfahre sie vom Ministerium und der sie tragenden Fraktion keine Unterstützung mehr.

Die Gemeinschaftsschule habe mit ihrem eigenen pädagogischen Konzept ihren Platz in der Schullandschaft gefunden und werde von vielen Eltern nachgefragt, sagte Kultusministerin Eisenmann nach Angaben einer Sprecherin. «Die Landesregierung bekennt sich ausdrücklich zur Gemeinschaftsschule. Wir haben klare und verlässliche Rahmenbedingungen gesetzt, innerhalb derer sich die Gemeinschaftsschule weiterhin entwickeln kann. Die Gemeinschaftsschule kann mit Selbstbewusstsein in die Zukunft blicken.» Der Vertreter des Städtetags, Norbert Brugger, sagte, es seien zu schnell zu viele Schulen eingerichtet worden. Fernziel könne nur die Zweigliedrigkeit des Schulsystems sein.

Gegner und Befürworter

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz erklärte, man stehe nicht nur heute, sondern auch morgen hinter dieser Schulart. SPD-Fraktionschef Andreas Stoch, früher selber Kultusminister und heute in der Opposition sagte, es werde viel erzählt, wie toll die Schulart sei. «Ich frage mich, wo ich das in der Realpolitik erlebe.» Die Unterrichtsversorgung sei heute so schlecht wie noch nie.

Befürworter sehen in der Gemeinschaftsschule eine Möglichkeit, allen Kindern und Jugendlichen dieselben Bildungschancen einzuräumen. Sie besteht aus den Klassen 5 bis 10, kann aber auch die Grundschule und/oder eine dreijährige Oberstufe umfassen. Zudem sollte sie der zunächst rückläufigen Schülerzahl Rechnung tragen und insbesondere im ländlichen Raum eine Vielfalt der Abschlüsse ermöglichen.

Es können der Hauptschulabschluss und der mittlere Abschluss abgelegt werden. Wenn mindestens 60 Schüler zusammenkommen, kann auch eine gymnasiale Oberstufe eingerichtet werden. An zwei Schulen – in Konstanz und Tübingen – wurde das bereits genehmigt. dpa

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9 KOMMENTARE

  1. Die Gemeinschaftsschule ist so erfolgreich, dass an entgegen der Versprechungen im Vorfeld lediglich zwei Standorte mit Oberstufen existieren, weil die gymnasiale Klientel nach wie vor die Gymnasien auswählt. Faktisch ist sie also eine Art Gesamtschule ohne Oberstufe mit all ihren insbesondere sozialen Besonderheiten aka Schwierigkeiten. Das “gemeine Fußvolk” ist also doch nicht so ideologisiert wie die grüne Landesregierung hofft(e).

    • Gilt das für NRW?
      „Die Oberschule“ ist eines von vielen Sekundarschulmodellen, dabei gibt es in den BL nicht nur verschiedene Namen, sondern auch verschiedene Ausgestaltungen UND verschiedene andere weiterführende Schulformen, die dazu in Konkurrenz stehen… oder auch nicht, wenn es neben dem Gym nur eine weitere Schulformen gibt.
      Ebenso gibt es Länder mit Gesamtschulen, Länder, die Gesamtschulverbot hatten und deshalb landesweit erheblich weniger und vorwiegend jüngere Systeme haben, Gesamtschulen mit und ohne SekII und stets die Möglichkeit des Abiturs an berufsbildenden Systemen.
      Ob BW und NRW da vergleichbar sind?
      Die Forderung, dass Schulen, die hinsichtlich der Schülerschaft breiter aufgestellt sind, eine entsprechende Ausstattung benötigen, unterstütze ich. Ebenso müssen Schulen besser ausgestattet werden, deren Schüler mit mehr Aufwand lernen müssen, weil ihnen Begabung oder häusliche Unterstützung fehlen, gerade weil es gesellschaftlich wichtig sein sollte, diese zu fördern und zu integrieren.

      • In NRW ist die Gemeinschaftsschule (GemS) ein Schulversuch, der von B. Sommer angelegt und vopn S. Löhrmann weitergeführt worden ist. Bei der NRW-GemS um eine kooperative Schulform, bei der HS und RS unter einem Dach und einer gemeinsamen Leitung als eigenständige Schulzweige neben einander existieren.
        Als integrierte Schulform exixtiert daneben die unter s. Löhrmann installierte Sekundarschule (SekS), die quasi eine Gesamtschule (GE) “light” ist und von Klasse 5 bis 10 geht. Um den Übergang in die gymnasiale Oberstufe (GOSt) sicher zu stellen, müssen die SekS entweder mit einer GE, einem GY oder einem BK kooperieren. Dazu müssen feste Kooperationsvereinbarungen geschlossen werden. Die SekS werden entweder zweizügig oder max. dreizügig angelegt.
        GemS und SekS sind entstanden, da im ländlichen Raum der gravierende Rückgang der Schülerzahlen zu Schließungen von HS oder RS führen müssen. Um wenigstens ein Schulangebot im SekI-Bereich ortsnah vorhalten zu können, hat die damalige CDU/FDP Regierung (Rüttgers) die GemS auf Druck der zumeist CDU-angehörigen Bürgermeister als kooperative Schulform eingeführt.
        Das “Ding” durfte aber auf keinen Fall mit dem Begriff “kooperativ” in Verbindung gebracht werden, da die CDU den Kampfbegriff KOOP-Schule zu Zeiten der einstigen Kühn-Regierung (SPD), Anfang der 70er mit Nachdruck verbrannt hatte.

        Kommen dauerhaft vier Züge zusammen (Anmeldezahlen), kann der Schulträger anstelle der SekS eine GE errichten, die eine eigene GOSt hat. Der Sachgrund, der dahinter steht, ist, dass erwartbar ein Drittel der Schüler und Schülerinnen an SekS und GE den FOR-QE (Qualifizierungsvermerk) erhalten werden. Aus einer 3-zügigen SekS mit 27 SuS je Klasse erwüchsen also max. 30 SuS, die in die Oberstufe überwechseln könnten. Die Zahl der SuS der EF wäre somit zu gering, um in der Qualifizierungsphase entsprechende Kursangebote machen zu können.
        Ab einer 4-zügigen GE ist mit 40 bis 45 SuS mit Q-Vermerk zu rechnen, sowie weiteren 20 bis 40 SuS, die an anderen Schulen der Sekundarstufe I (HS Profiltyp B, RS, GemS, SekS) einen Q-Vermerk erhalten haben, so dass eine GOSt mit ausreichender Schülerzahl zustande kommen kann.

        • Haben Sie aktuelle Zahlen, ob diese Hoffnung für die Sek II erfüllt wird? Was passiert mit den Gemeinschaftsschulen, wenn die Gymnasien wieder neun-jährig sind? Das Argument “G8 ist doof” zählt dann ja nicht mehr.

          • Ist doch uninteressant für NRW. Die Gemeinschaftsschule hir in NRW ist nicht betroffen – G8 oder G9 kann ihr egal sein. Was derzeit für die sekundarschulen und Gesamtschulen noch nicht absehbar ist, ist die Frage, ob mit Wiedereinführung des G9 auch an SekS und GE der Beginn des Wahlpflichtfaches zurück auf den Beginn des 7. Jahrganges gelegt wird. Der Start im Jahrgang 6 war ja der Einführung von G8 an GY geschuldet.

            Die Zahl der SuS, die nach der Eingangsphase am GY abgeschult werden und in den sechsten und siebten Jahrgang an GE und SekS wechseln wird steigen. Das Problem ist aber, dass die “Schuen des längeren gemeinsamen Lernes” so gut wie keine freien Plätze haben, um Schulwechseler aufzunehmen.

            Es wird voraussichtlich schwieriger werden SekS ind GE umzuwidmen, wenn G9 erst einmal wieder gekommen ist. Die Zahl der bedingt gymnasial empfohlenen SuS, die direkt am GE angemeldet werden, wird steigen. Dies hat zur Folge, dass den SekS trotz wieder ansteigender Geburtenrate die erforderlichen Anmeldungen fehlen werden, um dauerhaft vierzügig zu werden. Ansonsten sind die SekS nur durch prallel existierende Realschulen gefährdet. Wenn aber in Ermanglung von Hauptschulen, diese ebenfalls Hauptschulempfohlene aufnehmen und beschulen müssen, da kein anderes Schulangebot der SekI in erreichbarer Nähe zum Wohnort mehr existiert, sind die realschulen de facto Sekundarschulen unabhängig von dem, was auf dem Briefkopf steht.
            Der Weg zum zweigliedrigen Schulsystem ist mMn unumkehrbar.. Wie der zweite Ast neben dem traditionell erstarrten Gymnasien heißt, ist Mumpe. Dieser zweig wird ebn am Ende der 10 alle Schulabschlüsse vergeben köönnen und darüber hinaus den Inhabern eines Q-Vermerkes eine eigene GOSt bieten. Ansonsten ist der Weg zurück zur Geschlechter getrennten Bildung absehbar. 70% der Mädchen eines Geburtenjahrganges gehen ans Lyzeum (GY) und 70% der Jungen an eine “Schule des längeren gemeinsamen Lernens” (GE;GemS;SekS).

            btw die GE ist dann die Schulform, die ohne Beschluss der schuKo weiterhin das G8 anbieten kann, ohne mit dem Schulgesetz zu kollidieren. Wer am Ende der 10 den FOR-QQ zugesprochen erhält, kann dierekt von der 10 in die Q1 (Jhg. 12) versetzt werden, ohne den “Schauspielunterricht” in der EF (Jhg. 11) besuchen zu müssen.

    • Die ältesten Schüler, die Geminschaftsschulen in BaWü besuchen befinden sich gerade in der 10. Klasse. Wo sollen da flächendeckend Oberstufen herkommen? Gemeinschaftsschulen gibt es erst seit dem Schuljahr 2012/13.

      • es geht ja um perspektivisch gymnasiale Klientel. Man merkt sehr schnell, ob Schüler etwas im Kopf haben oder nicht bzw. ob sie bereit sind, dafür Arbeit zu investieren.

  2. Die Gemeinschaftsschulen in NRW sind kooperative Schulen mit Hauptschul- und Realschulzweig. Ob es G8 oder G9 an den GY der Umgebung gibt ist für die irrelevant.
    Sekundar- und Gesamschulen werden in den Eingangsklassen einen Rückgang bei den Anmeldungen verspüren, der aber spätestens ab dem 7. Jahrgang wegen der vielen Abschuler aus den GY wieder ausgeglichen wird. Also auch keine Probleme, die Existenz gefährdend wären.

    Problematisch ist, dass die GY 70% weibliche Schülerschaft zum Abitur bringen während 70% der Jungen an “Schulen des längeren gemeinsamen Lernes” einen Abschluss anstreben.

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