Studie: Konfirmation fördert ehrenamtliches Engagement

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HANNOVER. Christlich geprägte junge Menschen engagieren sich häufiger ehrenamtlich als ihre religionslosen Altersgenossen. Das ergab jetzt eine Studie im Auftrag der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Das oft in der Konfirmandenzeit angelegte Engagement werde aber noch nicht in allen Gemeinden ausreichend gefördert.

Ehrenamtliches Engagement ist unter jungen Christen weit verbreitet. Sie wollen aktiv an der Gestaltung von Kirche und Gesellschaft mitwirken. So lauten zwei zentrale Ergebnisse der Engagements-Studie “Jung – Evangelisch – Engagiert”, die jüngst die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vorgestellt hatte.

Junge Christen wollen aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft teilhaben. Foto: Robert_z_Ziemi / Pixabay (CC0)
Junge Christen wollen aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft teilhaben. Foto: Robert_z_Ziemi / Pixabay (CC0)
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“Jeder zweite junge Mensch mit christlicher Prägung ist heute aktiv in der Sozialarbeit engagiert” (56 Prozent gegenüber 38 Prozent bei Religionslosen), hob der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hervor.

Das liege zum einen daran, dass Protestanten Ehrenamtlichkeit besonders häufig in ihrem Elternhaus erleben, das Vorbild also eine große Rolle spiele. Zum anderen zeige die Studie, dass Schule sowie pädagogische Angebote der Kirche wie Jugendarbeit und Konfirmandenarbeit zur Motivation für ehrenamtliches Engagement beitragen.

“Die Konfirmandenzeit und eine verstärkte Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen aus der Jugendarbeit bieten eine enorme Chance für die Förderung des Ehrenamts”, zeigte sich der Ratsvorsitzende überzeugt. Er sehe die Studie als Ermutigung für das Bemühen, mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche in der Kirche zu schaffen.

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Der Tübinger Theologe und Religionspädagoge Friedrich Schweitzer, der die Untersuchung leitete, rief angesichts der Ergebnisse der Studie zu einer stärkeren Wertschätzung des Ehrenamtes junger Menschen auf. “Die Erfahrungen, die junge Menschen bei ihrem Engagement machen, sind für sie selbst, für die Kirche und für die Gesellschaft insgesamt von hoher Bedeutung. Sie tragen bei zur Persönlichkeitsentwicklung und stärken prosoziale Wertorientierungen. Ehrenamtliches Engagement ist Bildung für die Zivilgesellschaft.”

Noch immer seien es aber zu wenige Gemeinden, in denen etwa die ehrenamtliche Mitarbeit bei der Konfirmandenarbeit gepflegt werde. Es sei an der Zeit, dass das Engagement junger Menschen gesellschaftlich, aber auch kirchlich eine deutlichere Förderung und Anerkennung findet.

Die Studie “Jung – Evangelisch – Engagiert”, die die Universität Tübingen im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und mit dem Comenius-Institut erstellt hat, umfasst eine repräsentative Befragung von 3000 18- bis 26-Jährigen, qualitative Interviews sowie eine längsschnittliche Befragung Jugendlicher vier Jahre nach ihrer Konfirmation.

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5 KOMMENTARE

  1. Hat man eigentlich berücksichtigt, dass sehr viele Konfirmanden in erster Linie der (Geld-) Geschenke wegen konfirmieren? Auch die evangelische Kirche sollte aus dünnen Korrelationen keine Kausalitäten machen.

    • Wieso “dünne Korrelation”? Auch wenn es vielen ums Geld geht, ist die Basis von 3000 Personen doch mehr als ausreichend, zumal nach der Motivation der Konfirmation vermutlich garnicht gefragt wurde und diese für das Ergebnis unerheblich ist. Auch wenn die Standardabweichung nicht genannt wird, kann man sie doch abschätzen und die Unterschiede im Ergebnis (56:38) lassen nicht den Schluss zu, dass es sich um ein vom Zufall beeinflusstes Ergebnis handelt.

      • Na ja, ich finde 56% bei ehrenamtlichen Engagement zu wenig, um die Aussagen “Ich engagiere mich ehrenamtlich, _weil_ ich konfirmiert bin” und “Ich engagiere mich ehrenamtlich, _obwohl_ ich _nicht_ konfirmiert bin” akzeptieren zu können. Eine gewisse Tendenz für die erste Aussage gibt es zweifellos, müsste aber weiter untersucht werden.

        Ihr Einwand ist berechtigt, bewegt sich aber genauso wie mein ursprünglicher Beitrag nur auf der Ebene der Korrelation. Die Erhebung halte ich im Übrigen für unseriös, wenn die Motivation zur Konfirmation und die generelle Einstellung zum evangelischen Glauben bzw. zur evangelischen Kirche nicht befragt und bei der Auswertung berücksichtigt wird.

        Ich habe daher gute Gründe zu glauben, dass die Studie lediglich ein im Vorfeld festgelegtes Ergebnis bestätigen sollte.

        • Die Aussage ist einzig und allein: Wer konfimiert ist, engagiert sich häufiger!

          Und das ist auf Grund der Daten nicht anzweifelbar.

          • Damit kann ich leben, das ist die gefundene Korrelation. Mich stören die Folgerungen, die die evangelische Kirche daraus zieht. Das ist die von ihr begangene Identifikation einer Korrelation mit einer Kausalität.

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