Kretschmann: Digitalisierung zwingt uns, die Bildungsinhalte zu überdenken

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HEIDELBERG. Die Digitalisierung verändert die Bildung. Sie ist eine neue Technik – nicht mehr und nicht weniger, wie Ministerpräsident Kretschmann betont. Müssen die Bildungsziele nun angepasst werden?

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann forderte in seiner Rede die Eltern mit deutlichen Worten zu mehr konstruktiver Zusammenarbeit mit Lehrern auf. Foto: Die Grünen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Kretschmann möchte mit der Zeit gehen. Foto: Die Grünen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält es angesichts zunehmender Digitalisierung der Schulen für nötig, den Bildungskanon auf den Prüfstand zu stellen. «In der Vergangenheit haben wir immer gefragt, wo man noch etwas draufsatteln muss», sagte der Regierungschef am Mittwoch beim Festival für digitale Bildung in Heidelberg. Neue Fächer würden allenthalben gefordert. «Ich finde, in Zeiten des Internets müssen wir auch mal darüber nachdenken, ob man vielleicht etwas weglassen kann.»

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Allerdings dürfe die neue Technik nicht dazu führen, dass Lerninhalte vernachlässigt würden, betonte der ehemalige Ethiklehrer «Die Pädagogik bestimmt den Einsatz der Mittel – nicht andersherum.» Ziel der Bildung müsse es bleiben, jungen Menschen zu einem selbstbestimmten Leben und zu fundierter Urteilskraft zu verhelfen.

Digitalisierungsminister Thomas Strobl (CDU) hob die Chancen in der Medizin durch Digitalisierung hervor. Sie ermögliche individuell zugeschnittene Therapien auch gegen schwerste Krankheiten. «Wir werden den Krebs besiegen», sagte Strobl. Digitales Lernen und Studieren eröffne auch Menschen in Entwicklungsländern neue Perspektiven. Autonomes Fahren werde die Zahl von Verkehrstoten und Staus stark reduzieren.

Die Arbeitswelt wandele sich radikal. Zwei von drei Grundschülern werden nach Strobls Worten später in Berufen arbeiten, die heute noch gar nicht bekannt sind. Mit einer Digitalisierungsstrategie und einer Milliarde Euro in dieser Legislaturperiode wolle die Landesregierung sicherstellen, dass Baden-Württemberg bei den neuen Entwicklungen zur Avantgarde gehöre. «Wir wollen das mitgestalten, wir wollen nicht gestaltet werden.» Dazu habe der Südwesten als Wiege vieler Tüftler und Erfinder beste Voraussetzungen.

Die Leiterin des Instituts für Digitale Ethik in Stuttgart, Petra Grimm, sprach sich für einen Wertekompass für die Digitalisierung aus. Leitlinie dafür müssten die demokratischen Grundwerte sein. Eine humane Digitalisierung schütze die Privatsphäre und die individuelle Freiheit und lasse den Nutzer selbstbestimmt entscheiden und handeln.

Zu den Reden, Vorträgen, Workshops und Gesprächsforen unter dem Motto «Bildung ist Zukunft und Zukunft ist digital» kamen rund 1.200 Menschen. dpa

Pleiten, Pech und Pannen: Wie der Datenschutz die Digitalisierung der Schulen ausbremst (und warum Dienstrechner für Lehrer kommen müssen)

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1 KOMMENTAR

  1. “Zwei von drei Grundschülern werden nach Strobls Worten später in Berufen arbeiten, die heute noch gar nicht bekannt sind.”

    Das ist doch _der_ Grund den Einsatz elektronischer Geräte (um der Geräte wegen) aus dem Schulunterricht zu verbannen. In wenigen Jahren ist die Technik veraltet, die Bedienung der Nachfolgegeräte ebenfalls unbekannt und die Schulträger nicht in der Lage, die Neuanschaffungen (und Instandhaltung) zu finanzieren. Statt dessen sollten die Schüler in die Lage versetzt werden, sich eigenständig in solche komplexen Situationen einarbeiten zu können. Das bedeutet aber eine extreme Anhebung des Abstraktionsniveaus, das Kretschmann gerade in Baden Württemberg, das durch die Grünen komplett an die Wand gefahren wurde, wohl mit seinen Äußerungen nicht meinen kann.

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