Zu wenig schwerbehinderte Mitarbeiter: Viele Betriebe zahlen lieber Ausgleichsabgabe

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BERLIN. Bei Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern, muss einer davon schwerbehindert sein. Andernfalls wird die sogenannte Ausgleichsabgabe fällig. In Berlin steigen die Einnahmen aus dieser Abgabe um rund 30 Millionen Euro.

Betriebe in Berlin mit zu wenigen schwerbehinderten Mitarbeitern haben im Vorjahr mehr als 30 Millionen Euro Abgaben bezahlt. Die Einnahmen aus der sogenannten Ausgleichsabgabe stiegen um 4,6 Millionen auf 34,9 Millionen Euro. Das geht aus dem neuen Jahresbericht 2017 des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) hervor. Grund für den Anstieg ist laut Präsident Franz Allert eine gestiegene Zahl an abgabepflichtigen Unternehmen in Berlin sowie eine Erhöhung der Abgabe bundesweit. Wie viele Unternehmen zahlen mussten, ging nicht aus den Daten hervor.

Grundsätzlich nützt die gute Arbeitsmarktlage auch Behinderten, doch viele Betriebe zahlen die Ausgleichsabgabe. Foto: Rebecca Wilson / flickr (CC BY 2.0)
Grundsätzlich nützt die gute Arbeitsmarktlage auch Behinderten, doch viele Betriebe zahlen die Ausgleichsabgabe. Foto: Rebecca Wilson / flickr (CC BY 2.0)
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Die Abgabe wird für Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen fällig, wenn nicht mindestens fünf Prozent der Belegschaft schwerbehinderte Mitarbeiter sind. Das sieht das Schwerbehindertenrecht vor. Ziel ist es, Arbeitgeber zur Einstellung von Menschen mit Schwerbehinderung zu motivieren. Je Monat und je Arbeitsplatz, der entgegen der Regelung nicht mit einem schwerbehinderten Kollegen besetzt ist, müssen Chefs laut Jahresbericht 125 bis 320 Euro zahlen.

Einnahmen aus der Abgabe fließen unter anderem in die Förderung von Inklusionsbetrieben, in technische Arbeitshilfen oder Hilfen zum Erreichen des Arbeitsplatzes.

Betriebe, die Menschen mit Schwerbehinderung «vorbildlich» beschäftigen oder ausbilden, könnten sich noch bis Ende Juli für den Berliner Inklusionspreis 2018 bewerben, erklärte Lageso-Präsident Franz Allert. Der Landespreis wird in den Kategorien Kleinunternehmen, mittelständische Unternehmen und Großunternehmen ausgelobt. Unter anderem gibt es für die Gewinner jeweils eine Geldprämie von 10 000 Euro. Der Preis wird am 12. November verliehen.

Grundsätzlich profitierten auch schwerbehinderte Menschen von der guten Arbeitsmarktlage, betonte Allert: Ihr Anteil unter den Arbeitssuchenden sank im Mai 2018 im Vergleich zum Vorjahresmonat von 7,5 auf 5 Prozent – auf 7830. Insgesamt sind laut Lageso knapp 52 000 schwerbehinderte Menschen in Berlin beschäftigt. Es gehe etwa um Menschen, die beim Gehen, Sehen oder Hören beeinträchtigt seien, aber zum Beispiel auch um Menschen, die durch die Folgen von Krebs oder eine psychische Erkrankung eingeschränkt sind.

Das Lageso selbst versucht, mit gutem Beispiel voranzugehen, wie Allert sagte. Bei 16 Prozent liege der Anteil der schwerbehinderten Beschäftigten in seinem Haus. In den sogenannten Inklusionsbetrieben sind es zwischen 30 und 50 Prozent – 37 solcher Unternehmen wurden 2017 vom Integrationsamt gefördert. (dpa)

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5 KOMMENTARE

  1. Vollkommen empathiebefreit muss man feststellen, dass die Ausgleichsabgabe viel zu niedrig ist, wenn man tatsächlich schwerbehinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren möchte.

    Rein betriebswirtschaftlich ist es günstiger, 300€ pro Monat an die Stadt zu zahlen, als für einen schwerbehinderten Menschen (mit eingeschränkter Produktivität und Einsetzbarkeit) zum vollen Einkommen einen weiteren nichtbehinderten Menschen zur Betreuung und Kompensation es Produktionsausfalls einzustellen. Dazu kommt der ggf. erforderliche barrierefreie Ausbau des Betriebs. Bei einer Abgabe von 3000€ pro Monat würden etliche Betriebe schon eher darüber nachdenken, selbst wenn die schwerbehinderte Person — erneut empathiefrei — für 1500€ brutto als Alibi eingestellt wird ohne festgelegte Aufgabe.

    Schließlich sind sehr viele Arbeitsplätze für Menschen mit geistigen Behinderungen nicht leistbar, Bürojobs zumindest für rein körperlich behinderte Menschen (die Rollis aus den Hochglanzprospekten zur Inklusion) möglich.

    @Anna & co: Bitte lesen Sie meinen Kommentar komplett emotionslos und rein aus der Sicht der Betriebswirte im Sinne der Gewinnmaximierung des Betriebs. Emotionen lassen Sie bitte in der Schublade.

  2. Bei uns wurden diese Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung leider alle von der mir so bezeichneten damaligen Obergeneralfeldmarschallpflegedirektorin entlassen. Die treibt heute ihr Unwesen in Ostfriesland, ist anders gepolt und voll im Mainstream.

  3. Quote auf 10 Prozent erhöhen das ist der Anteil Schwerbehinderter in der Gesellschaft Abgaben für Unternehmen erhöhen auf 3000 Euro alle Abschreibungsmöglichkeiten für die Abgabe abschaffen wer nicht zahlt wird nach Artikel 14 GG enteignet

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