Cannabiskonsum gestiegen – Kiffen scheint dem Schulerfolg zu schaden

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KÖLN. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt sich besorgt. Nach einer rückläufigen Entwicklung in den 2000er Jahren nimmt der Cannabiskonsum von Jugendlichen wieder zu. Den Einfluss des Kiffens auf den Schulerfolg zu ermitteln ist allerdings schwierig.

Cannabis ist die am häufigsten von Jugendlichen genutzte illegale Droge. Um Aufschluss über die Verbreitung von Cannabis unter jungen Menschen zu gewinnen befragt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung regelmäßig Jugendliche von 12 bis 25 Jahren nach ihrem Konsumverhalten, zuletzt im Rahmen des Alkoholsurveys im Jahr 2016.

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Die Hinweise auf die negativen Auswirkungen des Kiffens sind deutlich, aber die Einflüsse auf den Schulerfolg sind nur schwer isolierbar. Foto: Heath Alseike / flickr (CC BY 2.0)
Die Hinweise auf die negativen Auswirkungen des Kiffens sind deutlich, aber die Einflüsse auf den Schulerfolg sind nur schwer isolierbar. Foto: Heath Alseike / flickr (CC BY 2.0)

Laut der Untersuchung ist der Konsum von Cannabis bei 12- bis 25-jährigen in Deutschland in den vergangenen Jahren angestiegen. 16,8 Prozent von ihnen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Im Jahr 2008 waren es noch 11,6 Prozent.

Insbesondere bei den männlichen Jugendlichen und jungen Männern habe sich die rückläufige Entwicklung der 2000er Jahre umgekehrt und der Cannabiskonsum nehme gegenwärtig wieder zu. Aktuell gab etwa jeder Vierte (22,9 Prozent) junge Mann zwischen 18 und 25 Jahren an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal gekifft zu haben (2008: 14,8 Prozent). Auch bei den 12- bis 17-jährigen männlichen Jugendlichen hat sich der Cannabiskonsum erhöht. 9,5 Prozent betrug der Anteil derjenigen in dieser Altersgruppe, die in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis konsumiert hatten. Im Jahr 2011 waren es 6,2 Prozent.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung sieht die Gründe auch in der gesellschaftlichen Entwicklung: „Dieser Anstieg ist keine gute Nachricht und verdeutlicht mal wieder, dass Cannabis nicht weiter verharmlost werden darf. Gerade mit Blick auf diese Droge brauchen wir mehr Prävention. Die ständige Debatte um die Legalisierung führt in die falsche Richtung. Sie suggeriert gerade den Jüngeren, Cannabis sei eine ungefährliche Substanz – das ist schlicht und einfach falsch! Das Cannabis von heute hat mit der vergleichsweise schwachen Droge von vor 20 Jahren wenig gemein.“

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Bleibt es bei den meisten Jugendlichen beim episodischen Konsum, gebe es dennoch einen bedeutenden Anteil junger Menschen, die regelmäßig kiffen. 5,4 Prozent der jungen Erwachsenen hatten nach eigenen Angaben in den letzten zwölf Monaten wenigstens zehnmal zum Joint gegriffen. Bei den 12- bis 17-jährigen waren es 1,5 Prozent. In beiden Fällen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Befragten. So gehören 8,1 Prozent der jungen Männer zu den regelmäßigen Konsumenten, von den Frauen dagegen nur 2,6 Prozent (Jugendliche: 2,2 gegen 0,8 Prozent).

Waren die individuellen Gründe des Konsums nicht Teil der Befragung, liefert eine Umfrage des Arbeitskreises Kommunale Kriminalprävention (KKP) Rottweil Aufklärung. Befragt waren 713 Schüler ab der achten Klasse. Auch hier war der Anteil der Einmalkiffer aus Neugier oder unter Gruppenzwang hoch. Doch rund 7 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal wöchentlich zu kiffen um zu entspannen und ihre Laune zu verbessern.

Knapp 30 Prozent der Rottweiler Jugendlichen gaben an, das Ihnen der Konsum von Freunden Sorge bereite. Insgesamt zwei Drittel wünschten sich, dass das Thema im Unterricht behandelt werde. Auch aus Sicht der KMK stellt Präventionsarbeit keine Zusatzaufgaben der Schulen dar, sondern gehöre zum Kern eines jeden Schulentwicklungsprozesses. Dabei ist die schulische Prävention durchaus umstritten: „Es wird viel in Sachen Prävention gemacht. Aber ob das alles nachhaltig und wirksam ist, dahinter steht ein großes Fragezeichen“, meint etwa die Psychologin Eva Hoch von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Wir wissen zum Beispiel nicht, ob die Risiko-Bereitschaft nach der Thematisierung in der Schule steigt.“

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Doch auch die Schule selbst ist kein cannabisfreier Raum. Zahlen der Landeskriminalämter hatten Anfang 2017 für Aufsehen gesorgt. So habe sich die Zahl der Drogendelikte – in den meisten Fällen Besitz oder Handel von Cannabis – in Nordrhein Westfalen wie in Sachsen zwischen 2011 und 2015 nahezu verdoppelt. In Baden-Württemberg und in Sachsen Anhalt haben sich die von den Landeskriminalämtern erfassten Fälle in dieser Zeit nahezu verdreifacht.

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Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, verwies auf die Gesundheitsgefahren des Kiffens: „Die Risiken des Cannabiskonsums werden nach wie vor unterschätzt – insbesondere von jungen Menschen. Als psychoaktive Substanz kann Cannabis die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und zu Persönlichkeitsstörungen führen, insbesondere, wenn bereits in jungen Jahren regelmäßig konsumiert wird.“ Hinzu komme die Gefahr, dass viele Cannabissorten heutzutage sehr hohe THC-Konzentrationen aufwiesen wodurch die schädigende Wirkung potenziert werde.

Trotz jahrelanger Forschung sind die Auswirkungen des Cannabis-Konsums immer noch umstritten und es halten sich zahlreiche Mythen. Eine bereits 2003 erschienene neuseeländische Längsschnittstudie weist darauf hin, dass Cannabis tatsächlich den Bildungserfolg junger Menschen verringert – umso stärker, je früher sie mit dem Drogenkonsum begonnen hatten. Von 16-Jährigen, die schon mehr als 100-mal gekifft hatten, brachen 82 Prozent die Schule vorzeitig ab. Unter den 16-Jährigen, die noch nie gekifft hatten, betrug die Abbruchquote lediglich 14 Prozent.

Auch nach „Herausrechnen“ der sozialen Verhältnisse ergab sich für die Jugendlichen, die schon häufiger gekifft hatten, eine 3,7-fach höhere Wahrscheinlichkeit, die Schule ohne Abschluss zu verlassen. Nichtsdestoweniger vermuteten die Forscher der University of Otago in Christchurch, einen starken Einfluss des sozialen Umfelds in dem Cannabis konsumiert werde. Dieses befördere einen alternativen Lebensstil, bei dem die schulischen Leistungen weitgehend unwichtig seien.

Spätere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass ein niedriger sozialer Status den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und schlechten Schulleistungen nicht vollständig erklären könne. Eine Meta-Studie aus dem Jahr 2014 ergab, dass Jugendliche, die schon vor dem Alter von 17 Jahren täglich gekifft haben, eine rund 60 Prozent geringere Chance auf einen Schulabschluss hatten als ihre abstinenten Altersgenossen. Viele Studien weisen mittlerweile darauf hin, dass ein früher Einstieg in den Cannabis-Konsum zu neurokognitiven Störungen führen könne.

Hinsichtlich des Schulerfolgs, scheint es allerdings kaum möglich, den Effekt von Cannabis völlig isoliert zu untersuchen. Zwar seien die Hinweise auf die negativen Auswirkungen des Kiffens deutlich, betont etwa Madeline Meier, Leiterin einer Studie der Arizona State University, doch da Jugendliche, die Cannabis konsumieren auch mehr Alkohol tränken und mehr Zigaretten rauchten als Gleichaltrige, sei es nahezu unmöglich, einen signifikanten Effekt des Kiffens zu isolieren. (zab)

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5 KOMMENTARE

  1. “Hinzu komme die Gefahr, dass viele Cannabissorten heutzutage sehr hohe THC-Konzentrationen aufwiesen wodurch die schädigende Wirkung potenziert werde.”

    Was völlig irrelevant ist, da erst um die Jahrtausendwende herum der Marktanteil an Cannabisblüten den von Haschisch überholt hat.
    Selbst 1961 wurden schon Haschischsorten mit einem Gehalt von über 20% gefunden, Cannabisblüten erreichten diesen THC – Anteil erst Jahrzehnte später.
    Der durchschnittliche Gehalt blieb insgesamt aber über einen Zeitraum von fast 60 Jahren stabil bei ca. 10-12 %. Erst als Cannabisblüten beim Gehalt aufholten, wurde deren Marktanteil höher.

    Diese ganze Getöse um die höheren Gehalte ist reine Panikmache. Es gibt diese extrem starken Sorten zwar, allerdings haben diese einen verschwindend geringen Anteil am Handelsvolumen.

    Ganz nebenbei : Eine Erhöhung der schädigenden Wirkung durch höheren THC Gehalt muss erst mal sauber nachgewiesen werden, bevor man mit solchen Argumenten Politik treiben will.

    MfG Mäßigkeit

    • Im ernst: die schädliche Wirkung muss erst mal nachgewiesen werden, bevor man etwas unternimmt??? Ich glaube und hoffe, dass Sie das bei anderen Giften anders sehen würden.

    • MfG
      Warum hat wohl der Gesetzgeber das Fahren von Fahrzeugen unter der Einwirkung von Rauschmitteln unter Strafe gestellt ? Weil die kognitive Leistungsfähigkeit Dosis abhängig beeinträchtigt wird.
      Und genauso negativ wirkt sich Cannabis auf die Leistungsfähigkeit von Schülern aus.
      Da spielt es keine Rolle , wie stark die Dosis der jeweiligen Muttersubstanz ist.

  2. “Cannabis ist die am häufigsten von Jugendlichen genutzte illegale Droge”… macht Cannabis legal, dann ist sie weder die am häufigsten genutzte illgeale Droge, noch die am häufigsten genutzte legale Droge -> zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

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