Gewalt an Schulen nimmt nicht ab – Anlaufstelle verzeichnet 145 Vorfälle

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HANNOVER. Sexuelle Belästigung und Gewalt bleiben ein Problem an niedersächsischen Schulen. Das zeigen die Zahlen der Opfer-Anlaufstelle des Kultusministeriums. Auf einer Fachtagung wollen Schulleiter und Experten über Präventionsarbeit beraten.

Über sexuelle Gewalt wird nicht offen gesprochen.                                             Foto: Sonya Mann / flickr / CC BY-SA 2.0

Bei der Anlaufstelle für Opfer von Diskriminierung und sexueller Gewalt an Schulen und Kitas sind im vergangenen Jahr 145 Hinweise auf mögliche sexuelle Übergriffe eingegangen. Nach Angaben des Kultusministeriums war dies die höchste Zahl an Kontaktaufnahmen zu dem Thema seit Gründung der Anlaufstelle im Jahr 2012. Im Jahr 2016 lag die Zahl der Hinweise bei 116, im Jahr davor bei 107.

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Als Ursachen für den Anstieg nannte ein Sprecher des Ministeriums den gewachsenen Bekanntheitsgrad der Anlaufstelle, aber auch eine Enttabuisierung des Delikts sowie eine höhere Sensibilisierung von Eltern, Schülern und Lehrern. Die statistische Erfassung der Hinweise unterscheidet nicht, ob es sich bei den gemeldeten Verdachtsfällen um sexuelle Übergriffe durch Lehrer auf Schüler handelt oder um Belästigungen von Schülern untereinander.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) informiert aktuell gemeinsam mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs, Johannes Wilhelm Rörig, über den Fachtag zum Thema «Schule gegen sexuelle Gewalt». Bei der Tagung, an der auch Schulleiter teilnehmen, soll es um Möglichkeiten der Prävention sexueller Gewalt an Schulen gehen.

Gefahr über soziale Netzwerke

«Es ist gut, dass mit der Anlaufstelle eine Einrichtung geschaffen wurde, die diese Verdachtsfälle von außen betrachtet. So muss es nicht innerhalb der Schule gemeldet werden», sagte der Vorsitzende des Landeselternrats, Mike Finke. Nach seiner Beobachtung nehmen anonyme Angriffe über soziale Netzwerke an Schulen zu. Dies gelte auch im Bezug auf sexuelle Belästigungen.

Wie sich aus der Statistik des Kultusministeriums ergibt, wandten sich auch in anderen Bereichen zunehmend mehr Hilfesuchende an die Anlaufstelle. So gab es 2017 insgesamt 137 Hinweise wegen Diskriminierung. Im Jahr davor waren es noch 24. Die Zahl der Beschwerden wegen Mobbings und Cybermobbings stieg im gleichen Zeitraum von 74 auf 86.

Auch die GEW bewertet die Arbeit der Anlaufstelle positiv. «Kinder und Jugendliche vor jeglicher Form von sexueller Gewalt zu schützen, ist genau das richtige Ziel», sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth. Jetzt müsse allerdings dafür gesorgt werden, dass in den Schulen noch stärker Gebrauch von diesem Service gemacht werde. Auch bräuchten die Lehrer ausreichend Zeit, um Anzeichen sexueller Gewalt erkennen zu können. Zudem benötigten die Schulen mehr Psychologen. dpa

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