Grüne in NRW fordern A13 für Grundschullehrer (was sie selbst nicht eingeführt haben)

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Die nordrhein-westfälischen Landtagsgrünen, die bis zur Wahl im vergangenen Jahr mit Sylvia Löhrmann an der Spitze das Schulministerium besetzten, wollen jetzt mit besserer Besoldung und Zeitkonten dem Lehrermangel an Grundschulen entgegenwirken.  Dummerweise sind sie nun in der Opposition.

Beer ist für eine bessere Bezahlung von Grundschullehrern. Foto: Bündnis 90/Die Grünen NRW / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Mitte September will die Oppositionsfraktion dem Plenum einen Antrag mit Vorschlägen vorlegen. Grundschullehrkräfte, die ihren Vertrag um mindestens eine Stunde pro Woche aufstocken, könnten danach rückwirkend zum 1. August 2018 in die höhere Besoldungsgruppe A13 aufsteigen, sagte Sigrid Beer, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.

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Die Mehrstunden sollen auf einem individuellen Zeitkonto gutgeschrieben werden. In Folgejahren könnten die Lehrer ihre Unterrichtsverpflichtung reduzieren, ohne dass dabei das Gehalt sinke. Das werde ohne Unterrichtslücken für die Schulen möglich, weil die Zahl der Absolventen für das Grundschul-Lehramt in den kommenden Jahren absehbar wieder ansteigen werde.

Auch wer als Lehrer der Sekundarstufe I oder Oberstufe an der Grundschule einsteigt, solle höher nach A13 besoldet werden und die Zusatzqualifikation für die Grundschule erhalten. Nach Berechnungen der Grünen würde das Programm etwa 135 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte vergangene Woche ein neues Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem Lehrkräfte angeworben werden sollen. Am stärksten sind Grundschulen vom Lehrermangel betroffen: Jede zweite offene Stelle ist dort nicht besetzt.

Schon 2017 hatte Gebauer Oberstufen-Lehrern die Möglichkeit eröffnet, an Grundschulen zu arbeiten. Doch nur 153 von etwa 2.400 angeschriebenen Lehramtsanwärtern nahmen das Angebot an. Wenn die Lehrer weiterhin mit A12 bezahlt würden, entstehe nicht der erhoffte «Klebeeffekt», sagte Beer. dpa

Viele Seiteneinsteiger: Auch Hesse liebäugelt jetzt mit A13 für Grundschullehrer

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21 KOMMENTARE

  1. Zitat: “Grundschullehrkräfte, die ihren Vertrag um mindestens eine Stunde pro Woche aufstocken, könnten danach rückwirkend zum 1. August 2018 in die höhere Besoldungsgruppe A13 aufsteigen, sagte Sigrid Beer, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.”

    Sag ich doch. Ohne Seiteneinsteiger und Kürzung der Stundentafel wird es mehr oder weniger freiwillig auf größere Klassen und höheres Stundensoll hinauslaufen – auch wenn man uns jetzt noch mit irgendwelchen “Geschenken” zu locken versucht.

    Was erstmal da ist, kriegt man nicht mehr so leicht wieder weg.

  2. Wie durchdacht das nun auch sein mag oder auch nicht- die Oppositionsbank S Heinz bei den Grünen Reformationskraefte freizusetzen, die auf der Regierungsbank nicht gewollt waren. Ist nur die Frage, ob einigen Grünen dabei nicht die Schamwangenroete einschiesst

  3. Grundschullehrkräfte arbeiten ohnehin die meisten Stunden UND absolut am Limit.
    Wenn man das Stundensoll reduzieren würde, aber dabei die Möglichkeit des Aufstockens für ein Arbeitszeitkonto zuließe, wäre das Angebot weitaus fairer.
    Die Arbeitszeitstudie der GEW hat deutlich gezeigt, dass es bei Vollzeit-Lehrkräften zum Deckeneffekt kommt. Dieser muss sich bei noch höherer Stundenverpflichtung verstärken und würde die Qualität weiter senken.

    Warum wollen Politiker die Zeichen der Zeit nicht sehen?
    Wo sind die Konzepte, die Grundschulen deutlich besser ausstatten: Therapeuten und Zweitkräfte im Unterricht zur Verfügung stellen und Lehrkräfte deutlich entlasten?

    Wo sind die Konzepte, dass andere Kräfte den Lehrkräften Aufgaben abnehmen:
    Administratoren für mediale Ausstattung, Netzwerke, Homepage, Datenschutz;
    Schulassistenten für Technik, Kopien u.a;
    Hausmeister, die zu den Schulen gehören;
    Sozialpädagogen für Schulen im Brennpunkt;
    feste Erzieherinnen o.a. Professionen, die am Vormittag mit in die Klassen und in die Pausen gehen, am Mittag Betreuung oder Hausaufgabenhilfe übernehmen – auch in Schulen, die nicht im Ganztag sind, dies aber in Stunde 5-7 anbieten könnten;
    Sekretärinnen, die auch Protokolle für Lehrkräfte und andere Schreibaufgaben übernehmen können und dürfen;
    Landesbedienstete, die sich um Arbeitssicherheit, Gesundheit, Strahlenschutz, Barrierefreiheit und all die anderen vielen Konzepte samt Umsetzung kümmern und die auch die Auseinandersetzung mit dem Schulträger übernehmen;
    Bestimmt gäbe es noch mehr Aufgaben zu verteilen, die zurzeit alle von den Lehrkräften ohne Ausgleich und unentgeltlich übernommen werden müssen.

    • Die meisten Stunden beziehen Sie sicherlich auf die Unterrichtsstunden. Dieselbe Anzahl haben die Sek I-Lehrer aber auch. Es wurde aber mal eine Studie veröffentlicht, dass die Gymnasiallehrer trotz 10% weniger Unterrichtsstunden pro Woche insgesamt im Durchschnitt am meisten arbeiten. Ob sich der effektive Stundenlohn, also ob A13/14 die Mehrarbeit kompensiert oder nicht, weiß ich nicht.

      • Insgesamt arbeiten alle Lehrkräfte aber weit mehr als die angesetzte 40-Std.-Woche bzw. die ferienbereinigte Wochenarbeitszeit der Studie. DAS sollte der Maßstab sein um über Deputatserhöhung zu entscheiden.

        Mit solchen Ergebnissen zu erwarten, dass Lehrkräfte darüber hinaus zusätzliche Stunden mit zusätzlichen Klassen, Konferenzen und zusätzlichen Aufgaben übernehmen, ist realitätsfern.
        Wenn das Deputat angesichts des Lehrermangels nicht reduziert werden kann, müssen weitere Aufgaben, für die es in der Grundschule keine Entlastungen und keine Funktionsstellen gibt, reduziert, also abgeschafft und von anderen Kräften übernommen, werden.
        Und wenn die Bedingungen für Schule und Unterricht so schlecht sind, wird man sich überlegen müssen, wie man die Arbeitsbedingungen zusätzlich verbessert, damit mehr junge (oder ältere) Menschen gewillt sind, Grundschullehrkraft zu werden.

      • Eigentlich komisch, Gymnasiallehrer sollen am meisten arbeiten, trotzdem gibt es tausende zuviel. Alle anderen Lehrer arbeiten demnach weniger, trotzdem gibt es durch alle anderen Schulformen hinweg tausende zu wenig.

        Wie ist das zu erklären??? Wo ist der Fehler?

        • Es gibt keinen Fehler, weil es eine freie Berufswahl gibt. Im Falle des Lehrers gibt es eigentlich nur zwei Alternativen:

          Man wird Grundschullehrer, wenn man mit kleinen Kindern arbeiten möchte oder (aufgrund der Klientel an den Sek I-Schulen) Gymnasiallehrer, wenn man mit Jugendlichen arbeiten möchte. Für das Geld braucht man auch nicht Gymnasiallehrer zu werden, weil 50-55000€ brutto im Jahr für Akademiker in der freien Wirtschaft zumindest im MINT-Bereich eher wenig sind.

          • Wenn es nur diese beiden Alternativen gibt, was machen wir dann mit “dem anderen Klientel” (schon ein schäbiger Ausdruck, meinen Sie nicht, immerhin sprechen wir hier von Kindern und Jugendlichen !)?

          • Ich habe eine sehr sachliche Antwort auf Ihre Fragen gegeben. Bei einer Umfrage unter Lehramtsstudenten werden Sie vermutlich solche Antworten erhalten. Studenten kriegen ja mit, was in Sek I-Schulen insbesondere in Großstädten so abgeht. Bei den Sek I-Lehrern halte ich die Antwort “keine Grundschule, aber das Sek II-Studium traue ich mir fachlich nicht zu” für möglich.

          • Die Sache hat nur einen Haken, im Vergleich zu anderen bereichen des ÖD gibt es keine Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Laufbahngruppe II. Der Aufstieg aus dem ersten Einstiegsamt in das zweite ist nicht vorgesehen. Es gibt keine Landesschulakademie an der lehrkräfte mit erstem Einstiegsamt eine Zusatzqualifikation erlangen könnten. Vergeleichen Sie das einmal mit den Möglichkeiten bei den Landespolizeien, wo sowohl der Laufbahnwechsel (Aufstieg aus dem mittleren in den gehobenen als auch der aus dem gehobenen in den höheren Dienst) möglich ist. Selbstverständlich bedarf es der Bestbeurteilungen und einer erlangten Zusatzqualifikation, die an eigenen Landesinstituten erworben werden kann. Rektoren von SekI-Schulen bleiben trotz Zusatzqualifikation in der Laufbahngruppe II, erstes Einstiegsamt.

          • “Rektoren von SekI-Schulen bleiben trotz Zusatzqualifikation in der Laufbahngruppe II, erstes Einstiegsamt.”
            Gilt das auch für Gesamtschulen, Gemeinschafts-, Sekundar-, Stadtteilschulen und wie sie alle heißen, mit oder ohne gymnasiale Oberstufe?

          • Ja, mein LGeD hat ein Lehramt für die SekI. Er erhält A16 als Schulleiter, muss aber einen Abwesenheitsvertreter mit Lehramt GY/GE haben, da er selbst dem Zentralen Abiturausschuss nicht vorsitzen kann und auch in der Oberstufe nicht unterrichten darf und somit auch keine Prüfungen in der GOSt abnehmen darf.

            Wenn das an GE in NRW so ist, dann gilt das auch für die GemS und die SekS – zumal die keine eigene Oberstufe haben. Die Besonderheit ist ja, dass die GE eine Schule der SekI+II ist.

          • Also eine Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe wird in dieser Hinsicht wie eine mit Oberstufe behandelt, auch in BaWü ? Dort haben ja nur sehr wenige eine Oberstufe. Das ist ja ein Besoldungs-Chaos mit Haken und Ösen.

          • Das habe ich so nicht gesagt. Ich beziehe mich auf NRW – und da gilt das entsprechende Landesbeamtengesetz. Der Rektor einer SekS oder GemS in NRW ist Beamter der Laufbahngruppe II, erstes Einstiegsamt – außer er hat eine Lehrbefähigung für die SekII.

            Abteilungsleitungen der SekI an GE werden als GeD zu A14 besoldet, wenn die persönlichen Bedingungen vorliegen. Nichts desto trotz sind sie der Laufbahngruppe II, erstes Einstiegsamt (gehobener Dienst) zugeordnet.

            Auch für BaWü wird mit Sicherheit unterschieden zwischen Schulen der SekI und der SekI+II; das ist schon an der Amtsbezeichnung der Schulleitungen zu erkennen, entweder Rektor (ghD) oder Direktor (höD).

          • Stimmt, wenn ich an meine Studienzeit denke, dann war das tatsächlich so. Das große Problem war meistens, dass die meisten Lehramtsstudenten selber ihr Leben lang auf Gymnasien waren und deshalb keine anderen Schulformen kennen, und nur die Geschichten aus den Medien kennen und deshalb denken, dass es sich bei allen anderen Sek-1 Schulen um den blanken Horror handelt.
            Praktika während dem Studium werden dann auch bevorzugt an der eigenen Schulform gehalten (obwohl man meist auch woanders dürfte), weil man will ja sowieso nur an ein Gymnasium.

            Viele der GHR-HR/Sek-1 Studenten waren häufig selbst nicht immer am Gymnasium. Viele waren an Gesamtschulen oder sind erst nach der Klasse 10 auf das Gymnasium gewechselt und wissen dadurch, wie es wirklich ist.

            Ich zum Beispiel habe mich bewusst für die Sek-1 entschieden, unter anderem weil ich auf die Eltern am Gymnasium keine Lust habe. 😉
            Wir haben zwar auch so ein paar “Gymnasialeltern”, aber zum Glück sind das nicht so viele.

  4. Na prima, wie soll denn das als Vollzeitkraft gehen? 29 Stunden pro Woche unterrichten und auch vorbereiten, wobei natürlich alle anderen Aufgaben drumherum nicht weniger werden, das kann ich auf keinen Fall. Damit werden also die Teilzeitkräfte bevorzugt bzw. gelockt, nachdem der krampfhafte Versuch, keine Tz mehr zu genehmigen, auf großen Widerstand stieß.

  5. Grandiose Idee. Jahrelang den Lehrern erzählen, wie sie bitte weltfremd ihren Unterricht halten sollen, sie zu jeder erdenklichen Möglichkeit mit sinnlosen bürokratischen Kontrollinstrumenten zubomben, ihnen womöglich sogar wörtlich sagen, dass sie faul seien und dann die Stundenanzahl (die sowieso schon deutlich über der Stundenzahl anderer Länder liegt) erhöhen … das ist doch lächerlich, ehrlich.

    Wann verstehen die Politiker endlich, dass Schulen einfach mal Ruhe brauchen? Warum entscheiden alle vier Jahre Leute über unsere Zukunft die keine Ahnung von der Materie haben? Ich lade gerne alle Politiker mal dazu ein, mal ein 1-2 wöchiges Praktikum an einer Schule zu machen, mit anschließendem selbstständigen Unterricht für 2-4 Stunden.
    Immer alles haben wollen, aber nichts dafür bezahlen. Es wird immer nur das von den Ländern, die gut in PISA-Studien abschneiden, abgeschaut, was den Politikern in den Kram passt. Die Lehrer sollen alles anders machen, dass die Lehrer in diesen Ländern aber auch vollkommen andere Möglichkeiten haben, da kleinere Klassen, Doppelbesetzung, weniger Wochenstunden, bessere Ausstattung, das wird verschwiegen.

    • Im Übrigen erinnere ich mich an wirklich keine einzige Maßnahme, die die letzte Landesregierung unter Löhrmann unternommen hätte, um den Job wirklich attraktiver für Studenten zu machen, da hat die jetzige Landesregierung mit ihrer zugegeben extrem peinlichen Werbekampagne bereits mehr gemacht (wenn auch zweifelhaft).

    • Bei den wirklich erfolgreichen PISA-Ländern (Südkorea, Singapur, Japan) gibt es riesige Klassen, was den Schulträgern genehm sein könnte, aber auch Frontalunterricht pur, Drill ohne Ende, extreme Nachhilfe, was niemand in Deutschland haben möchte. Allerdings sind die Lehrer dort auch hoch angesehene Menschen und nicht die Fußabtreter wie in Deutschland.

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