Immer mehr Schulanfänger haben Sprachprobleme – ein Kita-Besuch kann helfen

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HANNOVER. Untersuchungen zur Einschulung von Kindern zeigen: Sprachprobleme haben zugenommen. Oft sollen Therapien helfen. Doch es gibt eine Möglichkeit, Schwierigkeiten früh zu erkennen oder gar zu verhindern – spielerisch und schon in den Jahren vor der Schule.

Vielleicht setzten sich die Elternhäuser nicht mehr mit Sprache auseinander.           Foto: Victor Solanoy / flickr / CC BY 2.0

ehr als 40 Prozent der Kinder haben bei Untersuchungen zur Einschulung Auffälligkeiten bei der Entwicklung der Sprache gezeigt oder sind bereits in therapeutischen Behandlungen. Das teilte ein Sprecher des Landesgesundheitsamtes mit. Grundlage ist der nun von der Behörde veröffentlichte Bericht zu den Schuleingangsuntersuchungen 2017. Bei den Untersuchungen im Jahr 2010 lag der Anteil von Kindern mit leichten oder stärkeren Auffälligkeiten noch bei 35 Prozent.

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Die gute Nachricht: Der Besuch eines Kindergartens kann helfen. Die Kinder sind dann laut Bericht häufiger altersgerecht entwickelt. Außerdem können Defizite im Kindergarten früher festgestellt werden. Kinder mit Problemen könnten dann bereits von einem Arzt oder Therapeuten behandelt werden. Auch beim Verhalten und der Koordinierung von Bewegungen dürfte ein Kita-Besuch hilfreich sein, hieß es in dem Bericht weiter.

Werden alle Bereiche der Eingangsuntersuchungen – also Sprache, Bewegung und Verhalten – berücksichtigt, so wurden bei 55,3 Prozent der untersuchten Kinder ausschließlich unauffällige Befunde oder nur leichte Auffälligkeiten festgestellt. In mindestens einem der Untersuchungsbereiche befand sich mehr als jedes vierte Kind bereits in Behandlung (26,1 Prozent). Bei einem knappen Viertel der Kinder wurde eine weitere ärztliche Abklärung empfohlen (24,9 Prozent).

Insgesamt wurden im Einschulungsjahr 2017 genau 68.815 Jungen und Mädchen von den Kinder- und Jugendärztlichen Diensten der Gesundheitsämter erstmalig zum Schuleingang untersucht. Mehr als ein Viertel von ihnen hatte einen Migrationshintergrund (28,4 Prozent).

Von den untersuchten angehenden Schulanfängern waren 51,6 Prozent Jungen und 48,4 Prozent Mädchen. Für den Bericht stellten die Landkreise, kreisfreien Städte und die Region Hannover ihre Daten der Schuleingangsuntersuchung zur Verfügung.

«Die Gesundheitsberichterstattung liefert die Basis für Planung und politisches Handeln», sagte Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Der Bericht zeige, wie wichtig es sei, einzelne Beobachtungen mit belastbaren Zahlen objektivieren zu können. «Es geht schließlich um das Wohl und die Zukunft unserer Kinder», betonte sie.

In Niedersachsen müssen alle Kinder vor der Einschulung mit Blick auf ihren Entwicklungs- und Gesundheitszustands ärztlich untersucht werden. Dabei sollen für den Schulbesuch relevante Stärken und Schwächen des Kindes ermittelt werden. Außerdem sollen die Eltern beraten und bei Bedarf Fördermaßnahmen für das Kind empfohlen werden. dpa

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10 KOMMENTARE

  1. “Von den untersuchten angehenden Schulanfängern waren 51,6 Prozent Jungen und 48,4 Prozent Mädchen.”
    Wo bleibt eigentlich die gendergerechte Auflistung des dritten, vierten usw. Geschlechts? Sind das so wenige, dass es sich in der Statistik gar nicht lohnt, das gesondert aufzulisten? Der Staat scheint seine eigenen Gender-vorgaben nicht recht ernst zu nehmen.

    • Ist es vielleicht einfach mal möglich, dass sie dieses Forum nicht mit rassistischem Scheiß oder sonstigen Blödsinn vollmüllen und sich einfach auf die Artikel und deren Kernintension beziehen? Oder sind sie schon so blind vor Hass?

  2. Erst durch den frühen Besuch von Kindergärten gelingt es Kinder zu identifizieren, die eine zusätzliche Sprachförderung benötigen. Je früher die Sprachförderung einsetzt , um so effektiver ist deren Wirkung und entsprechend niedriger fallen die Kosten für eine spätere schulische Förderung aus, während die Chancen auf eine bessere Schulbildung steigen. Es müssten aber auch Maßnahmen zu einer besseren Qualifizierung der Erzieherinnen erfolgen.
    Es geht vornehmlich um die zusätzliche Frühförderung der Risikogruppen, und da sind alle Nationalitäten vertreten. Irritierend ist immer wieder der Bezug zu Menschen mit Migrationshintergrund in den Kommentaren, der keine Lösungsansätze bietet, sondern eher die eigentlichen Problemfelder verschleiert und auf eine wenig sachbezogene Ebene absenkt.

  3. Erst durch den frühen Besuch von Kindergärten gelingt es Kinder zu identifizieren, die eine zusätzliche Sprachförderung benötigen. Je früher die Sprachförderung einsetzt , um so effektiver ist deren Wirkung und entsprechend niedriger fallen die Kosten für eine spätere schulische Förderung aus, während die Chancen auf eine bessere Schulbildung steigen. Es müssten aber auch Maßnahmen zu einer besseren Qualifizierung der Erzieherinnen erfolgen.
    Es geht vornehmlich um die zusätzliche Frühförderung der Risikogruppen, und da sind alle Nationalitäten vertreten. Irritierend ist immer wieder der Bezug zu Menschen mit einem Migrationshintergrund in einigen Kommentaren, der keine Lösungsansätze bietet, sondern eher die eigentlichen Problemfelder verschleiert und die Themen auf eine wenig sachbezogene Ebene absenkt.
    Hier hat jeder die Möglichkeit derartige, wenig sachdienlichen Kommentare, zu unterlassen.

  4. Weil diese Zahlen bekannt sind, ist Nds. dazu übergangen die sprachliche Überprüfung durch die Grundschulen zu streichen und die als Schulpflicht eingesetzte vorschulische Sprachförderung durch Lehrkräfte der Grundschulen, die es seit 2006 gab, zu streichen,
    bzw. ohne Vorlauf, Richtlinien und Personal in die Verantwortung der KiTa zu legen.

    Statt Förderung gibt es nun nur noch leere Beteuerungen.
    Die sind ja auch weitaus günstiger!

    Da zeigt sich doch, welchen Stellenwert die Bildung der Jüngsten erhält und wie wichtig die Förderung der Risikogruppen genommen wird.

    • Und dann wundert man sich über die Probleme der Schulen in der Vermittlung der Grundkenntnisse von Lesen und Schreiben, sowie die später nachfolgend schlechten Ergebnisse in den Vergleichsuntersuchungen.
      Eine strukturierte Frühförderung in den Kindergärten hat einen deutlich besseren Effekt, als eine zu spät einsetzende individuelle Förderung in den Schulen, die individualisiert überwiegend nur Material zentriert durchgeführt werden kann, durch das Entfallen der Förderstunden durch Inklusion eingeschränkt ist oder deren Ansetzen zusätzlich von den Eltern beantragt werden muss um diese für ihre Kinder zu erhalten.
      Ich spreche hier jetzt von NRW. Anderswo läuft das besser.

      • Die individuelle Förderung IN den Schulklassen erfolgt in der Regel bei Anwesenheit aller anderen SuS durch die einzige vorhandene Lehrkraft (mit oder ohne Ausbildung).
        Förderstunden tauchen in keiner Statistik auf, sind für die Unterrichtsversorgung nicht relevant und deshalb nur im Erlass genannt, in den Schulen aber selten existent. Sie waren schon vor der Einführung der Inklusion gestrichen.

        • Und deshalb muss dieses Vorgehen geändert werden, zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden, die in angegliederten Förderklassen die Kinder mit den Defiziten in den Kernfächern fördern um diese an jene mit den besseren Grundlagen und ohne kognitive Einschränkungen an diese heranzuführen. Das gelingt bei den Risikogruppen besser in kleineren Gruppen.

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