Niedersachsen: Rund 2000 Lehrkräfte müssen an anderen Schulen aushelfen

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HANNOVER. Rund 2000 Lehrkräfte müssen zum Start des neuen Schuljahres in Niedersachsen an anderen Schulen als ihrer Stammschule unterrichten. Die Unterrichtsversorgung stelle ihn angesichts eines höheren Bedarfs nicht zufrieden, erklärt Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Einige Lehrer arbeiten nun zwar weiter an ihrer Schule, betreuen aber im neuen Schuljahr auch Kurse an einer anderen Schule.

In immer mehr Bundesländern begehren Grundschullehrkräfte auf. Foto: Tony Webster / flickr (CC BY 2.0)
400 Gymnasiallehrkräfte wurden mit 2660 Stunden an Grundschulen abgeordnet, um dort die Unterrichtsversorgung sicherzustellen. Foto: Tony Webster / flickr (CC BY 2.0)

Diese Abordnungen bewegen sich im Schuljahr 2018/2019 auf einem Niveau von 18.500 Stunden. Zum Vergleich: Zu Beginn des vergangenen Schuljahres 2017/2018 waren knapp 83.000 Stunden abgeordnet worden. Landesweit gibt es derzeit rund 70.000 Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen, von den Abordnungen sind somit knapp drei Prozent betroffen. Das Ministerium war Tonne zufolge zunächst von einer geringeren Zahl ausgegangen, doch die aktuelle Anzahl sei nötig, damit an allen Schulformen möglichst wenig Unterricht ausfalle. Vor allem in der Sekundarstufe 1 fehlen Lehrer.

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An Haupt-, Real-, und Oberschulen liegt die Unterrichtsversorgung bei etwa 95 Prozent. «Die Situation hat sich weiter verschärft», sagt Tonne. Am besten sei die Lage an weiterführenden Schulen. Die Gymnasien sind im Schnitt mit rund 100 Prozent Unterrichtsversorgung ausgestattet. Deshalb werden unter anderem rund 400 Gymnasiallehrer mit rund 2660 Stunden an Grundschulen abgeordnet. 4700 Stunden wandern vom Gymnasium an Haupt-, Real- und Oberschulen, 2300 vom Gymnasium an Integrierte und Kooperative Gesamtschulen im Land.

Einstellungsverfahren läuft noch
Im neuen Schuljahr beginnen nach aktuellem Stand 1883 neue Lehrer ihren Dienst, ausgeschrieben sind 2000 Stellen. «Das ist ein gutes Zwischenergebnis», so Tonne. Etwa zwölf Prozent der neuen Lehrer, rund 230, sind Quereinsteiger. «Dieses Potenzial müssen wir auch in Zukunft nutzen», betont der Minister. Das Einstellungsverfahren läuft bis Ende August. Es könnte zum ersten Mal verlängert werden, falls zum Ende des Monats noch Bewegung im Bewerbungsverfahren ist.

Die Unterrichtsversorgung in den Grundschulen habe sich gegenüber dem Schuljahr 2017/2018 kaum verbessert, bemängelt der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VBE). «Und dies trotz Kürzung der Förderstunden, trotz Wegfalls von Sprachlernklassen und trotz Einkassierens der Stunden für die Sprachförderung vor der Einschulung», kritisiert VBE-Landesvorsitzender Franz-Josef Meyer.

«Ich bin noch lange nicht an dem Punkt angekommen, wo ich hin möchte», gesteht Tonne ein. Ziel sei, dass der Beruf des Lehrers wieder attraktiver wird. Um Nachwuchspädagogen zu gewinnen, ist unter anderem eine Imagekampagne geplant. Zudem will der Kultusminister es pensionierten Lehrern leichter machen, künftig statt bisher im Schnitt sieben bis zu 15 Stunden pro Woche zu unterrichten. «Schon jetzt gibt es eine ordentliche Resonanz der Pensionäre», so Tonne.

Freut sich auf „eine der spannendsten Aufgaben, die man auf Landesebene haben kann“: Niedersachsens designierter Kultusminister Grant Hendrik Tonne Foto: SPD in Niedersachsen / flickr (CC BY 2.0)
Kultusminister Tonne will das gesellschaftliche Ansehen des Lehrers verbessern. Foto: SPD in Niedersachsen / flickr (CC BY 2.0)

Entlastungen gefordert
Das Kabinett beschäftige sich zudem mit der Besoldungssituation. Das unterschiedlich hohe Gehalt steht schon länger in der Kritik. Während Gymnasial-, Förder- und Berufsschullehrer in Niedersachsen einen Beamtensold in Höhe von A13 bekommen, werden Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen nach A12 bezahlt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert «A13 für alle». Einige Politiker sprechen sich für eine stärkere Entlastung der Lehrer aus: Mareike Wulf, die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, fordert, Lehrkräfte schnellstmöglich von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit sie mehr Zeit für Unterricht bekommen. Für Lehrer ab 55 Jahren müsse es künftig die Möglichkeit geben, die Arbeitszeit zu reduzieren, fordert Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. So könne man den zahlreichen Früh-Pensionierungen entgegenwirken. Auch die Grünen-Fraktion übt Kritik: Es fehlten «Konzepte, um die Herausforderungen bei der Inklusion zu bewältigen, der Überlastung der Lehrkräfte zu begegnen und die Qualität des Unterrichtes zu verbessern».

Im Land Bremen ist die Situation zum Schuljahresstart weniger angespannt. Dort beginnen 308 neue Lehrer ihren Dienst. 50 Stellen bleiben unbesetzt. Sie sollen zunächst durch Kooperationen und Vertretungen zwischen den einzelnen Schulen gedeckt werden, formale Abordnungen gibt es nach den Worten der Bildungssenatorin es nicht. dpa

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