Immer mehr Grundschulen ohne Rektor – VBE: Mindestens A13 für alle Leitungen

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STUTTGART. Schulleitungen für Grundschulen werden händeringend gesucht. Bundesweit bleiben immer mehr Rektorenposten unbesetzt. Jetzt hat auch Baden-Württemberg ein akutes Problem mit ausbleibenden Bewerbern für die Leitungspositionen – Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will Kandidaten mehr Geld und Unterstützung bieten.

Immer mehr Leitungspositionen an Grundschulen bleiben frei. Foto: Shutterstock

Zum neuen Schuljahr sind viele öffentliche Schulen in Baden-Württemberg noch ohne Rektor. 156 öffentliche Schulen sind betroffen, wie die «Schwäbische Zeitung» berichtete. Allein von den rund 2400 öffentlichen Grundschulen haben 112 demnach keinen Rektor – das entspricht fast fünf Prozent. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat ein Konzept erarbeitet, um die Schulleitungen zu stärken. Es liegt derzeit bei Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) zur Prüfung. Vorgesehen ist, dass insbesondere die Leiter kleiner Grundschulen mehr Geld und Unterstützung bekommen.

700 Lehrerstellen unbesetzt

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Am Montag hat nach den Sommerferien für rund 1,5 Millionen Kinder im Südwesten das neue Schuljahr begonnen. Darunter waren rund 94.200 Schulanfänger. Etliche der etwa 4500 Schulen müssen sich wieder auf eine knappe Personaldecke einstellen. Zuletzt waren 700 Lehrerstellen an den öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen noch nicht besetzt, weil für sie keine Lehrer gewonnen werden konnten. Besonders betroffen sind Grundschulen im ländlichen Raum.

Eisenmanns Sprecherin bestätigte am Montag die in der Zeitung genannten Details des Konzepts zur Stärkung der Schulleiter. Demnach ist der Rektor einer Schule mit bis zu 80 Schülern bislang in der Lohngruppe A12 eingruppiert, was einem Einstiegsgehalt von rund 3600 Euro brutto im Monat entspricht. Zudem erhält er eine Zulage von 200 Euro. Beispiel: Eine Leiterin einer Grundschule mit bis zu 80 Schülern, die seit sechs Jahren Beamtin, zudem verheiratet und Mutter zweier Kinder ist, kommt samt Zulagen auf 4536 Euro brutto im Monat.

Wer mehr Schüler verantwortet, wird bislang nach A13 bezahlt und bekommt – abzüglich der Zulage – rund 450 Euro mehr. Einen Konrektor zur Unterstützung bekommen Schulleiter bislang mit mehr als 180 Schülern. Eisenmann plant, beide Mindestschülerzahlen etwa zu halbieren, um die Hürden für ein Gehalt nach A13 und der Gewährung eines Konrektors zu senken und die Leitungsstellen somit ein Stück attraktiver zu machen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßte die Neuregelung, forderte aber, jeder Schulleiter solle mindestens A13 erhalten.

“Auch eine Schulleitung mit 39 Schülerinnen und Schülern an der eigenen Schule erledigt die gleichen Aufgaben wie eine Schulleitung, die für 40 Schülerinnen und Schüler zuständig ist”, erklärte VBE-Landeschef Gerhard Brand. „Ein Rektor oder eine Rektorin, egal wie groß die eigene Schule ist, sollte nicht weniger verdienen als eine Lehrkraft. Deswegen sollte jede Schulleitung mindestens A 13 erhalten. Natürlich ist aber mit zunehmender Schulgröße die Vergütung anzupassen, damit auch große Schulen attraktiv bleiben“, meinte Brand.

SPD-Bildungsexperte Gerhard Kleinböck hielt der grün-schwarzen Landesregierung vor, mit den Korrekturplänen spät dran zu sein: «Eine Stärkung der Schulleitungen wäre schon zu diesem Schuljahr bitter nötig gewesen.» Eisenmann sei immerhin seit rund zweieinhalb Jahren im Amt. «Es ist parteiübergreifender Konsens, dass an den Stellschrauben Leitungszeit und Besoldung mit Nachdruck gedreht werden muss. Ihr Auftrag war die Umsetzung und darauf warten die Schulen einfach schon zu lange», meinte Kleinböck, dessen Partei von 2011 bis 2016 selbst den Kultusminister stellte. dpa

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1 KOMMENTAR

  1. Dass ein Schulleiter – egal wie klein die Schule ist – nicht A13 bekommt, ist ein Witz bei den Anforderungen heute. Allerdings glaube ich nicht (sofawolf aufgepasst), dass die Schulleiterstellen in erster Linie auf Grund der unfassbar miesen Bezahlung nicht besetzt werden.
    Ich sage immer: So viel Schmerzensgeld kann man mir nicht zahlen, als dass ich jemals Schulleiter werde. Das gilt sowohl für kleine als auch für große Schulen.

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