Kinderschutzbund und GEW forderm echte Lernmittelfreiheit für Schüler

2

KIEL. Taschenrechner, Atlas, Schulhefte und Stifte: Trotz Lernmittelfreiheit entstehen Eltern für Schulkinder Kosten. Damit muss Schluss sein, sagen Kinderschutzbund und Gewerkschaft. Sie fordern echte Lernmittelfreiheit. Die Kosten wären hoch.

Bei der Anschaffung von Schulmaterial kommt schnell einiges an Kosten zusammen. Foto: ora international / flickr (CC BY-SA 2.0)
Bei der Anschaffung von Schulmaterial kommt schnell einiges an Kosten zusammen. Foto: ora international / flickr (CC BY-SA 2.0)

Kostenlose Schulmaterialen für Schüler fordern der Kinderschutzbund, die Gewerkschaftschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Eltern- und Schülervertreter. «Allein die Ausgaben für die zur Teilnahme am Schulunterricht notwendige Grundausstattung, die Eltern zahlen müssen, liegen bei durchschnittlich 400 Euro pro Jahr», sagte die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns, am Donnerstag. Viele Kinder aus armen Familien würden dadurch auf ihrem Bildungsweg immer noch benachteiligt.

Anzeige


Zwar gibt es in Schleswig-Holstein wie in sieben weiteren Bundesländern bereits Lernmittelfreiheit. Die umfasst aber lediglich die Gegenstände, die ausschließlich im Unterricht eingesetzt werden. Taschenrechner, Atlanten, Hefte und Schreibmaterial fallen nicht darunter. Rechnet man die Forderung auf die rund 278.000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen hoch, die es laut Bildungsministerium in Schleswig-Holstein gibt, macht das 111,2 Millionen Euro im Jahr.

Laut einem Bericht der Landesregierung von 2016 gaben Eltern im Schuljahr 2015/16 im Durchschnitt für ihre Kinder sogar noch mehr Geld aus – knapp 1000 Euro. Dies beinhaltet aber auch Ausgaben für Sportkleidung, Klassenfahrten, Betreuung, Schulessen und Nachhilfe. «Unabhängig von der besuchten Schulart und Klassenstufe des Kindes investierten Eltern mit höherem Bildungsabschluss mehr als Eltern mit niedrigerem Bildungsabschluss», heißt es in dem Bericht. Diese Diskrepanz sei insbesondere bei Nachhilfe, Versorgung und Betreuung deutlich geworden.

Im Norden hätten rund 120.000 Kinder Ansprüche auf für die Schule vorgesehene Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets in Höhe von 100 Euro, sagte Johns. Rechne man nicht einbezogene Kosten für Sportschuhe, Ausflüge und Nachhilfe dazu, «sind wir aber schnell beim Zehnfachen» des Basissatzes. Die Verbände forderten deshalb, dass schleswig-holsteinische Schulgesetz zu ändern und zumindest «alle Materialien, die für den Schulalltag notwendig sind, kostenfrei zu Verfügung zu stellen».

Beschämte Kinder

Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers kritisierte die unnötige Bürokratie des Bildungs- und Teilhabepakets. «Zudem sind einzelne Leistungen viel zu niedrig und willkürlich festgesetzt, so wie der Schulbedarf von 100 Euro. Der wurde seit 2011 nicht mehr erhöht.» GEW-Landeschefin Astrid Henke sagte, «es muss Schluss damit sein, Kinder und Jugendliche zu beschämen, die das nötige Kleingeld nicht oder erst am nächsten 1. haben».

Schüler- und Elternvertreter unterstützen die Forderungen nach echter Lernmittelfreiheit. «Eltern stehen mit langen Listen, die ihnen von den Schulen ausgehändigt worden sind, oft ratlos vor der zahlreichen Auswahl an Schreibutensilien», sagte der Sprecher der AG Landeselternbeiräte SH Thomas Wulff.

Während im Landtag der SSW die Forderungen unterstützte, wies der CDU-Bildungspolitiker Tobias Loose auf bereits existierende finanzielle Hilfen für Problemfälle hin. Das Bestreben von Kinderschutzbund und Gewerkschaft sei ehrenwert. Aber: «Des Weiteren muss Eltern bewusst sein, dass sie selbst auch in die Verantwortung genommen sind, in die Bildung ihrer Kinder zu investieren», sagte Loose. dpa

Was Eltern alles bezahlen sollen – für Lernmittel, für Bastelmaterial, jetzt auch noch für Schulausflüge. Bündnis macht dagegen mobil

Anzeige


2 KOMMENTARE

  1. Wie soll das bezahlt werden? Natürlich! Mit den sprudelnden Steuereinnahmen. Wofür die inzwischen schon alles ausgegeben worden sind / wären!

    Grundsätzlich finde ich die Idee nicht schlecht, dass alles, was Kinder im Schulbetrieb brauchen, vom Staat gestellt wird. Dann allerdings muss das auch die Schule organisieren (kaufen). Ansonsten können sich “die Reichen” nur noch Teureres leisten und “die Armen” wieder nur das Billigste vom Billigen.

    Außerdem stellt sich auch dann die Frage, woher das Geld kommen soll. Steuern erhöhen? Ein spezielle Steuer einführen? Alle Löhne und Gehälter um 10% kürzen (wie jüngst in einer anderen Diskussion hier) und dann die andere Hälfte, die nicht der Altenpflege zugute kommt, dem Bildungswesen für die volle Lernmittelfreiheit zukommen lassen. Es geht also nicht zu allen Ausgaben noch oben drauf, sondern nur anstelle anderer Ausgaben bzw. infolge neuer Einnahmen.

    Das wäre zu überlegen!

  2. Lehrmittelfreiheit begrüße ich auch. Finanzieren würde ich sie durch folgende Maßnahmen:
    1. Keine nichtfunktionierende oder unbrauchbare Technik wie Whiteboards mehr anschaffen
    2. Lehrern als Einstiegsgehalt E9 bezahlen, Rektoren E13.
    3. Keine teuren Geräte für den Sport mehr anschaffen. Geräteturnen schadet eh den Knien. Gymnastik und Liegestütze sind gesünder und lehren den Schülern, sich im Alter gesund zu halten.
    4. Abschaffung der Lehrerfortbildungen, die eh nur unrealistische Inhalte haben und nicht für den Unterricht bringen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here