“Schule am Limit”: Lehrer protestieren gegen ihre schlimmen Arbeitsbedingungen

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SAARBRÜCKEN. Viele Lehrer sehen sich an der Belastungsgrenze. Im Saarland schreiten sie nun zur Tat: Hunderte von ihnen fordern auf einer Demonstration Verstärkung – und kleinere Klassen. Ministerpräsident Hans sichert den Pädagogen zu, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Immerhin.

Mit dem Brandbrief wollen die Schulleitungen aufrütteln. Foto: herval / flickr (CC BY 2.0)
Ein Feuer, das bald in vielen Kollegien brennt? Foto: herval / flickr (CC BY 2.0)

Aus Protest über Missstände an Schulen sind im Saarland mehr als 500 Lehrer auf die Straße gegangen. Unter dem Motto «Schule am Limit» versammelten sie sich am Dienstag zu einer landesweiten Protestaktion vor der Staatskanzlei in Saarbrücken. «Die Gegebenheiten in unseren Schulen sind so nicht mehr tragbar. Wir brauchen dringend Entlastung, die bei allen Kollegen spürbar ankommt», teilte die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, Lisa Brausch, mit.

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Der Verband fordert mehr Lehrerstellen, kleinere Klassen und «multiprofessionelle Teams» auch mit Sozialarbeitern und Psychologen für alle Schulen. «Die Lehrer sind an die Belastungsgrenze gekommen», sagte die stellvertretende Landesvorsitzende des Verbandes, Michaela Günther. Es habe schon etliche Hilferufe von Gemeinschaftsschulen gegeben. Zudem erreichten den Verband wöchentlich Schreiben, Mails und Anrufe, in denen Kollegen hohe Belastungen beschrieben, sagte sie. Es müsse jetzt dringend gehandelt werden.

Ein Lösungsansatz: Multiprofessionelle Teams

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zeigte im Gespräch mit den Lehrern Verständnis: «Die Landesregierung erkennt an, dass viele Lehrerinnen und Lehrer physisch und psychisch an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen müssen.» Die Regierung sei sich bewusst: Es gebe in den Schulen eine zunehmend heterogene Schülerschaft, eine wachsende Zahl von Schülern mit sozial-emotionalen Störungen – und das bei wachsenden Anforderungen durch bürokratische Vorgaben.

Ein Lösungsansatz bestehe beispielsweise im Aufbau multiprofessioneller Teams an Schulen oder der besseren Entlastung der Lehrer von Verwaltungsaufgaben, sagte Hans. Gerade mit Blick auf Schüler mit besonderen Herausforderungen habe man sich auf den Aufbau weiterer Sprachförderklassen und einer weiteren Förderschule geeinigt. Zudem sei man in der Vergangenheit vom «Personalabbaupfad» abgewichen. Hans sagte, die Landesregierung lasse die Lehrer auf der Suche nach Lösungen nicht alleine. «Deshalb hören wir genau zu, was Ihre Forderungen und Hinweise sind – und werden weiter gemeinsam mit Ihnen nach Lösungen suchen.»

Nach Angaben des saarländischen Bildungsministeriums sind bereits Maßnahmen zur Entlastung auf den Weg gebracht worden. Dazu gehöre, «dass wir den Stellenabbau gestoppt und stattdessen rund 300 zusätzliche Stellen aufgebaut haben», sagte Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). Zudem seien in Grundschulen Klassen verkleinert und die Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte gesenkt worden. Neueste Zahlen belegten sogar, dass das Saarland bei der Ausstattung seiner Grundschulen mit Lehrern die bundesweite Bestnote erreiche.

Commerçon betonte, er sei aber auch der Ansicht, dass die Teams in den Schulen breiter aufgestellt werden müssten: zum Beispiel mit Erziehern oder Sozialarbeitern. «Wir müssen diesen Prozess schnell vorantreiben. Es ist fahrlässig dies noch bis 2020, wie in der jetzigen Haushaltsplanung vorgesehen, herauszuzögern», sagte er. Nach Schätzung der GEW fehlen insgesamt 400 Planstellen für Lehrer sowie für Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen und Schulassistenten zur Unterstützung der Pädagogen. dpa

„Schule am Limit“: Lehrer demonstrieren aufgrund katastrophaler Arbeitsbedingungen – vorangegangen war ein Brandbrief…

 

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4 KOMMENTARE

  1. Zitat: “Zudem seien in Grundschulen Klassen verkleinert und die Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte gesenkt worden.”

    Na, bitte. Geht doch! Könnte man dazu mal Genaueres erfahren?

    Das wäre ja dann nach Sachsen das zweite Bundesland, das das Stundensoll gesenkt hat.

      • Siehe Artikel oben:

        “Nach Angaben des saarländischen Bildungsministeriums sind bereits Maßnahmen zur Entlastung auf den Weg gebracht worden. Dazu gehöre, «dass wir den Stellenabbau gestoppt und stattdessen rund 300 zusätzliche Stellen aufgebaut haben», sagte Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). Zudem seien in Grundschulen Klassen verkleinert und die Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte gesenkt worden. Neueste Zahlen belegten sogar, dass das Saarland bei der Ausstattung seiner Grundschulen mit Lehrern die bundesweite Bestnote erreiche.”

        Alles Lüge?

  2. ZDF Mediathek bietet heute 29 min. Bericht an. Bin gespannt auf weiteres. Bisher waren Hauptschule und Realschule im Fokus.
    Die Kollegin drückt es ricjtig aus….Integration etc. gehen nicht ohne Veränderung der gesamten Schullandschaft…

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