Unterrichtsversorgung sinkt – Tullner plant „effizienzsteigernde Maßnahmen“

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MAGDEBURG. Sachsen-Anhalt sucht händeringend mehr Lehrer. Zum neuen Schuljahr hat sich die Situation an den Schulen verschärft, Unterrichtsausfall scheint vorprogrammiert. Bildungsminister Tullner will mit neuen Maßnahmen gegensteuern. Welche genau dies sein sollen ließ Tullner allerdings offen.

Schüler und Eltern müssen auch in diesem Schuljahr mit häufigem Unterrichtsausfall rechnen. Trotz zahlreicher neueingestellter Lehrer verschlechterte sich die Situation an den Schulen in Sachsen-Anhalt deutlich. Die Unterrichtsversorgung sank auf im Durchschnitt 99,4 Prozent, wie Bildungsminister Marco Tullner (CDU) mitteilte. Vor einem Jahr hatte der Wert noch bei 101 Prozent gelegen. Bei einem Wert von 100 Prozent könnte rein rechnerisch aller geplanter Unterricht erteilt werden. Ein Puffer für Krankheit und andere Personalausfälle fehlt aber auch dann noch. Die Linke und die Bildungsgewerkschaft GEW reagierten entsetzt auf die neuen Zahlen.

 Die Unterrichtsversorgung in Sachsen-Anhalt ist auf unter 100 Prozent gesunken. Bildungsminister Marco Tullner  (CDU) rechnet dennoch mit einem stabilen Verlauf des Schuljahres. Foto: EvDa13 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
Die Unterrichtsversorgung in Sachsen-Anhalt ist auf unter 100 Prozent gesunken. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) rechnet dennoch mit einem stabilen Verlauf des Schuljahres. Foto: EvDa13 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
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Dass sich die Situation weiter verschärft, liegt auch an steigenden Schülerzahlen. Zum Schuljahresbeginn lernten an den allgemeinbildenden öffentlichen Schulen im Land nach Angaben des Ministeriums 176 995 Kinder und Jugendliche. Das waren 957 mehr als vor einem Jahr. Zwar fiel der Anstieg geringer aus als im Vorjahr, überstieg aber erneut die Prognose. Mehr Schüler gab es vor allem an Grund-, Gemeinschafts- und Förderschulen. An den Gymnasien sank die Zahl der Schüler dagegen um mehr als 500.

Tullner sagte, er rechne trotz der schlechteren Unterrichtsversorgung mit einem stabilen Verlauf des Schuljahres. Den Berechnungen des Ministeriums zufolge besteht derzeit ein Defizit von 1951 Lehrerwochenstunden, was 77 Lehrern entspricht. Tullner verwies auf eine laufende Ausschreibungsrunde, bei der 200 neue Lehrer gesucht werden. Vor den Klassen dürften die neuen Kollegen allerdings erst Anfang 2019 stehen.

Zumindest eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent lasse sich dann wieder erreichen. Die Zahlen würden stets zu einem Stichtag erhoben und könnten am nächsten Tag schon wieder anders sein, sagte Tullner. Allerdings hat sich die Landesregierung eigentlich eine Unterrichtsversorgung von 103 Prozent zum Ziel gesetzt. Dieser Wert soll sicherstellen, dass auch bei Krankheit und anderen Personalausfällen Unterricht erteilt werden kann.

Hinzu kommt, dass sich die Situation je nach Schulform erheblich unterscheidet. An Gymnasien lag die Unterrichtsversorgung zum Schuljahresbeginn bei 102,2 Prozent und erreicht damit fast das politisch gesetzte Ziel. Grundschulen kamen dagegen nur auf einen Wert von 99,5 Prozent, Förderschulen auf 98,3 Prozent und Sekundarschulen nur auf 96,8 Prozent. Insgesamt gab es den Angaben zufolge an rund jeder fünften Schule nicht genügend Lehrer, um alle geplanten Unterrichtsstunden zu erteilen.

GEW-Landeschefin Eva Gerth sprach von einer «skandalösen Entwicklung», die der Bildungsminister bislang höchstens ein bisschen bremsen konnte. Selbst ohne den zusätzlichen Bedarf durch steigende Schülerzahlen liege die Unterrichtsversorgung unter 100 Prozent. Die GEW rechnet damit, dass in diesem Schuljahr fünf Prozent des Unterrichts ersatzlos ausfällt. Linken-Bildungsexperte Thomas Lippmann sagte: «Das ist die schlechteste Unterrichtsversorgung, die wir in diesem Land je hatten.»

Tullner verwies darauf, dass sich deutlich mehr Lehrer in Mutterschutz oder Elternzeit befinden. Ihre Zahl hat sich den Angaben zufolge in den vergangenen fünf Jahren auf fast 400 verdoppelt. Die Tendenz sei weiter steigend.

Mehr Lehrer einzustellen wird aus Sicht des Ministers deshalb nicht reichen. Tullner kündigte an, auch über sogenannte effizienzsteigernde Maßnahmen sprechen zu wollen. Damit ist zum Beispiel die Abordnung von Lehrern an andere Schulen gemeint. Was er sich genau vorstellt, ließ Tullner offen. Es müssten zunächst Gespräche mit den Koalitionspartnern und der Volksinitiative geführt werden, die auf weitere Neueinstellungen dringt. Er wolle aber nicht auf Zwang, sondern auf Anreize setzen. Für besonders schwer zu besetzende Stellen gibt es zum Beispiel bereits eine Zulage. (Simon Ribnitzky, dpa)

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1 KOMMENTAR

  1. Wenigstens JETZT mal endlich anfangen, dass man eine gute Lehrerausbildung an den Unis und Hochschulen hinkriegt. Noch gibt es gut qualifizierte und promovierte Nachwuchswissenschaftlerinnnen, die händeringend (seit vielen Jahren) eine feste Stelle/Professur suchen. Aber es gibt keine neuen Professuren! Warum nicht? Eine Schande!

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