“Vollkorn ist ein Fremdwort”: Minister klagt über Qualität des Schulessens

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ERFURT. Thüringens Verbraucherschutzminister ist unzufrieden mit der Qualität des Essens in den Schulen. Am liebsten würde Lauinger die Schulverpflegung mit Landesmitteln bezuschussen. Zunächst einmal sollen Mensen in seinem Bundesland schöner werden.

"Die normalste Reaktion der Welt, dass Eltern anrufen": Dieter Lauinger, Thüringer Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz. Foto: Tino Sieland / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Sieht Mensa-Essen kritisch: Dieter Lauinger, Thüringer Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz. Foto: Tino Sieland / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mehr Bio-Zutaten, häufiger frisch zubereitete Gerichte: Beim Mensa-Essen schneiden Schulen in freier Trägerschaft laut Verbraucherschützer besser ab als die staatlichen. Die Experten von der Verbraucherschutzzentrale Thüringen berufen sich auf Ergebnisse von Befragungen, die sie 2017 und in diesem Jahr durchgeführt haben. «Je länger Essen warm gehalten wird, desto mehr Geschmack und Nährstoffe gehen verloren», sagte Katharina Berg von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung am Montag in Erfurt. Doch auch bei den freien Schulen stehe auf den Speiseplänen zu wenig Gemüse, Obst und Fisch – dafür aber zu viel Fleisch. «Vollkorn ist im Prinzip ein Fremdwort», sagte Berg.

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Aus den Umfragen der Vernetzungsstelle geht auch hervor, dass drei Viertel der freien Schulträger keine Qualitätsstandards in ihren Ausschreibungen bei der Suche nach einem Essensanbieter heranziehen. Nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums soll sich das mit dem geplanten neuen Schulgesetz ändern. Im bisherigen Entwurf ist formuliert, dass «die Versorgung der Schüler mit Mittagessen den aktuellen ernährungswissenschaftlichen Qualitätsstandards für eine ausgewogene, altersgemäße, vollwertige und gesundheitsfördernde Mittagsmahlzeit in den Schulen zu entsprechen hat.»

Verbraucherschutzminister Dieter Lauinger (Grüne) sieht bei der Schulverpflegung dringenden Handlungsbedarf. In Studien schneide Thüringen regelmäßig schlecht ab. «Mir ist klar, dass das mit Preissteigerungen beim Essen verbunden ist», sagte Lauinger.

Sein Ministerium will in Modellprojekten gesundes Essen an 23 Thüringer Schulen bezuschussen. Dafür stehen 6,8 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr bereit. Pro Portion gibt das Land 1,30 Euro dazu, werden ausschließlich Bio-Produkte verwendet, sind es 1,80 Euro. «Ziel ist es, das in der nächsten Legislaturperiode flächendeckend einzuführen», sagte Lauinger am Montag.

Die Kosten dafür lägen nach seinen Angaben allein für die Grundschulen bei rund 20 Millionen Euro. «Schulverpflegung ist ein Bereich, für den es sich lohnt, mehr auszugeben», so Lauinger.

Die Schulen im Freistaat – auch das gehe aus der Befragung der Vernetzungsstelle hervor – wünschten sich für die Verpflegung der Kinder und Jugendlichen finanzielle Hilfe vom Land, sagte Berg.

Zugleich startete sie den Wettbewerb «Thüringens next Top-Mensa». Bis Ende des Jahres können Schulen Konzepte und Ideen einreichen, die helfen, ihre Schulmensen mit einfachen Mitteln zu verschönern. Für die besten drei winken Preisgelder von 2000, 1000 und 500 Euro. Bewerbungsschluss ist der 31. Dezember 2018.

Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung ist ein Projekt der Thüringer Verbraucherzentrale. dpa

Von einem bis zu fünf Sternen – Schulen auf dem Weg zum besseren Schulessen

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2 KOMMENTARE

  1. Leider genügt nicht, dass das Essen gesund ist. Die Schüler müssen es dann auch essen, d.h. mögen.
    Ein erfolgreicher Ansatz dazu (Food@ucation von Johann Lafer) wurde in Bad Kreuznach vor zwei Jahren vom Landkreis wieder zunichte gemacht; das Essen war 0,50 € zu teuer. (oder war der Grund, dass es ungerecht ist, wenn die einen gutes Essen kriegen und die anderen nicht?)

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