Lehrermangel weitet sich aus – KMK-Chef fordert: Bundesweit mehr ausbilden!

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BERLIN. Lehrer fehlen in vielen Bundesländern schon jetzt, doch gerade in Ostdeutschland könnte es noch schlimmer werden. KMK-Präsident Helmut Holter (Linke) fordert daher, dass alle Länder mehr Lehrer ausbilden.

Drängt die Kultusminister zum Handeln: Thüringens Bildungsminister Holter. Foto: By Martin Kraft (Own work) CC BY-SA 3.0 Wikimedia Commons

Vor Beginn der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin hat sich KMK-Chef Helmut Holter (Linke) für mehr Plätze in den Lehramtsstudiengängen ausgesprochen. «Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden», sagte Holter auf Anfrage. Wichtig sei dabei, dass alle Länder mitzögen. «Ansonsten bilden vielleicht wenige Länder aus und die anderen sind Nutznießer», sagte Holter. Zwar sei die Ausbildung von Lehrern in der Zuständigkeit der einzelnen Länder. «Aber alle haben eine gesamtdeutsche Verantwortung», betonte Holter, der in Thüringen Bildungsminister ist.

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Die Kultusminister der Länder kommen am Donnerstag und Freitag in Berlin zusammen, um sich in Bildungsfragen abzustimmen. Unter anderem will die KMK eine Prognose zum Einstellungsbedarf von Lehrern bis 2030 vorlegen.

Ostdeutschland stärker betroffen

Nach Holters Einschätzung gebe es in den nächsten Jahren einen «erheblichen Mehrbedarf an Lehrern». Der Mangel an Personal werde dabei die ostdeutschen Bundesländer härter treffen als die westdeutschen. Hauptursache sei der hohe Altersdurchschnitt in den neuen Ländern, sagte Holter. «Das hängt mit den Personalentwicklungskonzepten der 2000er-Jahre zusammen, als es einen Überhang gab und zu wenig Lehrer damals eingestellt wurden.»

Zugleich steigt Prognosen der KMK zufolge die Schülerzahl in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 278.000 auf 11,2 Millionen an, wie die KMK im Mai bekannt gegeben hatte. Laut Holter gebe es mehr Geburten, aber auch mehr Zuzug aus anderen Ländern.

Der KMK-Präsident steht wegen der Lehrerausbildung allerdings selbst in der Kritik: Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag warf der rot-rot-grünen Regierungskoalition vor, die Ausbildungszahlen von Lehrern im Freistaat nicht gesteigert zu haben. Die Landesregierung habe «die Ausbildungszahlen auf viel zu niedrigem Niveau stagnieren lassen», erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner, am Donnerstag.

Seine Fraktion habe bereits im Januar 2017 gefordert, die Ausbildungskapazitäten an den Thüringer Universitäten und Studienseminaren schrittweise zu erhöhen. «Diese Forderung wurde seitens der Koalitionsfraktionen im Landtag abgelehnt», hieß es in einer Mitteilung der CDU-Fraktion. dpa

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11 KOMMENTARE

  1. Ja, mehr ausbilden und vielleicht auch neu-alte Wege gehen, die den Lehrerberuf wieder für mehr Interessenten möglich machen!!!

    Siehe:
    “An den Pädagogischen Fachseminaren in Baden-Württemberg werden in Karlsruhe, Kirchheim unter Teck und Schwäbisch Gmünd Fachlehrer für musisch-technische Fächer ausgebildet. Die Ausbildung dauert ab 2016 drei Jahre.

    Zugangsvoraussetzung zu den Fachseminaren sind die Mittlere Reife, eine abgeschlossene Berufsausbildung, mindestens ein Jahr Berufs- oder Betriebspraxis sowie das Bestehen einer Eignungsprüfung. Während der Ausbildung sind die Lehreranwärter Beamte auf Widerruf.

    Die Fachlehrerausbildung befähigt zum Unterricht an allen Schulen, wobei der Einsatz an Gymnasien und beruflichen Schulen nur im Einzelfall üblich ist. Fachlehrer unterrichten überwiegend an Grund-, Haupt-, Werkreal- und Realschulen. Der Ausbildungsschwerpunkt liegt auf dem Einsatz an Schulen der Sekundarstufe I. Die Entwicklung der Berufsfähigkeit und der Lehrerpersönlichkeit sowie die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit stehen im Mittelpunkt der Ausbildung.

    Die Fachseminare sind dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.”

    https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dagogisches_Fachseminar

    • Da geht Baden-Württemberg den richtigen Weg. Ich spreche mich ja schon länger dafür aus, dass Lehramttstudium heutiger Art durch ein dreijähriges duales Studium zu ersetzen. Für Berufsschulen sollte man in den technischen Fächern ruhig aus Meister mit pädagogischem Zusatzwissen zulassen.

  2. ausbilden ist bitte nicht zu verwechseln mit bilden!

    ein ehem. lehramtstudium soll auf eine dreijährige ausbildung reduziert und letztlich degradiert werden, die zukünftigen kollegInnen sind nichtabiturienten?

    so schafft man bildung sicher langfristig erfolgreich ab.

    • Totaler Quatsch!

      Sie sagen damit ja im Umkehrschluss, dass diese nicht-studierte Lehrerausbildung in BaWü und die nicht-studierte Lehrerausbildung in der ehem. DDR nichts taugen. Taugen die nichts? Diese Ausbildung und diese Lehrer?

      • sofawolf, fühlen sie sich gar persönlich angesprochen? das wäre in der tat quatsch. in ihren fragen finden sich bereits antworten.

        • @ unverzagte,

          du interpretierst eine Menge in meine Beiträge.
          das verbittest du dir doch sonst immer bei anderen.
          Die Ablenkungen, die du dadurch streust und unterstellst, führen mir zu weit.

          🙂

          • @ unverzagte,

            aber um dich zu beruhigen, ich habe weder eine Lehrerausbildung in der ehem. DDR absolviert noch an einem Pädagogischen Fachseminar in BaWü.

            In meinen Fragen finden sich die Antworten nicht. Das ist falsch. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass Sie sich um eine klare Antwort drücken und nur herumeiern, um nicht eindeutig Position beziehen zu müssen, obwohl Sie ja sonst so anonym auch immer ganz dolle mutig sind. 😉

            Gleicht Ihr Auftreten nur zufällig einem zweiten hier?

  3. Evtl. hilft es alle ehemaligen Referendare in ein Beamtenverhältnis zu über nehmen und diese dann entsprechend zu versetzen. Mich würde es nicht verwundern, wenn der “Mangel” dann viel geringer ist als zurzeit die Rede. Manche Junglehrer sind erstaunlich “statisch” und gehen lieber aufs Amt als sich auf eine befirstete und entferntere Stelle mit Erfahrungssammlung einzulassen.
    Diese Seite sollte auch betrachtet werden.

    • Entfernt _und_ befristet ist allerdings ein Problem, weil ein Umzug für eine Befristung ohne Bezahlung während der Sommerferien sogar ohne Familie schlicht und ergreifend nicht tragbar ist.

      • Verehrte/r xxx, dem kann ich nicht zu stimmen. Ich habe tatsächlich für ein Jahr befristet an einer Schule rund 150 km von meinem Wohnort und Partner entfernt unterrichte und Erfahrung gesammelt. Klar ich habe eine Wochenendbeziehung geführt, aber ich musste nicht für ein Jahr aufs Amt und mich durch irgendwelche Maßnahmen jagen lassen.
        Ein Umzug ohne Bezahlung ist durch aus tragbar, wenn man bereit ist auch zu suchen. Man muss ja keine riesige Neubauwohnung beziehen, Ein- bis Zweizimmer mit Küche und Bad sind völlig ausreichend. Ist die Wohnung auch noch möbliert, noch besser.
        Im letzten Jahr hatte ich eine möblierte Wohnung samt Küchengerätschaften, max. eine halbe Stunde Fußweg zur Schule. Die Wohnung hatte ihre Nachteile sicher, aber die hat eine Neubauwohnung auch. Also bin ich mit dem Jahr sehr zufrieden.
        Und nach dieser Befristung bin ich gleich in die nächste Befristung gegangen, warum? Einfache Antwort: Erfahrungen sammeln, am Ball bleiben.
        Ich kann so bei weiteren Bewerbungen auf meine Erfahrungen an den verschiedenen Schulen hinweisen. Auch wenn es anstrengend ist, sich nach einem Jahr wieder zubewerben, so hat man wenigsten Erfahrungen sammeln können und Vorteile gegenüber jemanden, der stattdessen lieber aufs Amt gegangen ist. Dieses sollte beachtet werden.

        • Sie haben einen Partner, der die Miete zuhause bezahlt. Wenn dem nicht so ist, dann brauchen Sie ein sehr hohes Einkommen, um sowohl die Miete zuhause als auch die Miete des Zweitwohnsitzes bezahlen zu können. Je nach Wohnorten wird das auch mit einem A/E13 schwierig.

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