Trends in der Digitalen Bildung: Wenn Lehramtsstudierende am Bildschirm lernen, wie sie den Satz des Pythagoras am besten erklären

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FRANKFURT AM MAIN. MOOC, Moodle, virtuelle Experimente: Digitale Lehrangebote an deutschen Unis nehmen immer mehr zu, die Vielfalt ist groß. Die Kernfrage: Verbessern sie wirklich das Lernen? Die Antwort ist ebenso banal wie vieldeutig: Kommt drauf an …

Die Videos für die “Toolbox Lehrerbildung” wurden mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Kirchseeon produziert. (Bild: A. Eckert / TUM)

Studierende lernen längst nicht mehr nur in Hörsälen und Bibliotheken. Vorlesungen gibt es als Videos, Zusammenhänge werden in Online-Tutorials erklärt, und auch virtuelle Experimente sind problemlos von zu Hause abrufbar.

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Die Digitalisierung verändert auch die Lehre an den Hochschulen. Die Technische Universität München etwa bietet seit kurzem eine «Toolbox Lehrerbildung» an (siehe Beitrag unten). Lehramt-Studierende können darin beispielsweise ein Video schauen, wie sie Schülern am besten den Satz des Pythagoras erklären. Das Angebot gibt es momentan für die Fächer Mathematik und Informatik. Das Portal steht allen angehenden Lehrern, aber auch bereits unterrichtenden Lehrkräften kostenlos zur Verfügung.

An der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ist es schon seit einigen Jahren üblich, dass Studierende sämtliche Experimente online einsehen können und dafür nicht mehr im Labor vor Ort sein müssen. Neben den Online-Experimenten haben sich an der RWTH weitere virtuelle Formate etabliert. Zum Beispiel das Serious Game, also Lernspiel. Studierende greifen dabei auf eine virtuelle Chemieanlage zu und üben dort ihr Wissen über das im Kurs behandelte Material, wenden es an und lösen praktische Probleme.

«Der digitale Wandel ist an den Hochschulen angekommen», sagt Klaus Wannemacher vom Institut für Hochschulentwicklung. «Rund zwei Drittel der Hochschulen haben die Digitalisierung mittlerweile in ihrer Hochschulstrategie verankert.»

Doch was bringt die Technologie? «Studierende gewinnen an Mobilität, wenn die Technik flexible Lernorte ermöglicht und die Zeit minimiert, die man für organisatorische Fragen oder Präsenz an den Hochschulen benötigt», sagt Marc Rittberger. Er ist Direktor der Abteilung Informationszentrum Bildung beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF).

Damit Studierende profitieren, muss der technische Fortschritt allerdings richtig umgesetzt werden. Und der Zielgruppe auch nahegebracht werden. Oder wie es Professor Jürgen Bolten von der Jenaer Friedrich-Schiller-Universität sagt: «Grundsätzlich denke ich nicht, dass sich im Hochschul-Alltag so viel ändern wird.» Für ihn ist die Hauptfrage, wie man Lehrende dazu motivieren kann, Zeit in E-Learning zu investieren. «Die meisten Lehrenden sehen nur die Mehrarbeit mit dieser Art der Digitalisierung.»

Prof. Bolten bietet seit Jahren das Konzept des Inverted Classrooms an, was sich etwa mit umgekehrtem Klassenzimmer übersetzen lässt. Das Konzept: Studierende folgen einer Vorlesung daheim und diskutieren im Anschluss in einem Forum. Anschließend treffen sie sich in der Uni, um offene Fragen oder Anwendungsaufgaben zu besprechen. Bolten hat dabei gute Erfahrungen gemacht. Das Lernen werde so effektiver.

MOOC-Modell

Eine weitere digitale Lern-Möglichkeit sind so genannte Massive Open Online Courses (MOOC). Das ist ein Format des Online-Lernens, welches Video-Vorlesungen, interaktive Selbsttests und Hausaufgaben mit einem sozialen digitalen Lernraum kombiniert. Interessierte können weltweit auf solche Kurse zugreifen – und das kostenlos. Der Studierende kann selbst entscheiden, was er wann und in welchem Umfang lernen möchte. Das MOOC-Modell ist vor allem in den USA weit verbreitet. Aber auch in Deutschland nimmt die Nutzerzahl immer mehr zu. Beispiele für deutschsprachige Plattformen sind Iversity oder auch das E-Learning-Angebot des Hasso-Plattner-Instituts.

Mit der Software Moodle können Studierende in einem Forum mit Kommilitonen und Lehrenden agieren. Arbeitsmaterialien, Aufgaben und andere Aktivitäten lassen sich dort austauschen. Man kann einander auch direkt anschreiben. Das Konzept wird neben der Universität auch an Schulen eingesetzt.

Das digitale Lernen hat sich bereits an einigen Hochschulen in Deutschland etabliert, aber der komplette Durchbruch ist noch nicht gelungen. «Ich denke, auch in Zukunft werden Studierende ganz normal die Uni besuchen», sagt Bolten. Lediglich die Reihenfolge werde sich vielleicht etwas ändern. Im digitalen Lernen sieht er viel Potenzial. «Vor allem in dessen Internationalität.»

E-Learning kann im Studium durchaus das Lernen erleichtern. «Digitalisierte Lernangebote eignen sich zur Unterstützung individueller Selbstlernphasen», sagt Klaus Wannemacher. Sei es zum Beispiel durch mobile Apps für spezifische Lernprobleme oder durch studienbegleitende Leistungsmessung, sogenannte E-Assessments. Von Maximilian Konrad, dpa

Hier geht es zum Online-Angebot des Hasso-Plattner-Instituts.

Die „Toolbox Lehrerbildung“

Wie erkläre ich meinen Schülerinnen und Schülern den Satz des Pythagoras? Wie vermittle ich der Klasse die Beurteilung von Beweisen? Wie gebe ich den Jugendlichen wirksames Feedback zu ihren Leistungen? Diese Fragen aus der Unterrichtspraxis zeigen: Lehrerinnen und Lehrer müssen fachliche, fachdidaktische und pädagogische Kompetenzen haben. In ihrer Ausbildung lernen sie diese drei Felder zumeist getrennt voneinander. In der Wirklichkeit ihres Berufes dagegen lassen sich die Fragen nicht trennen – im Gegenteil sind die verschiedenen Kompetenzen oft in ein und derselben Situation gefordert.

Die neue Lernplattform „Toolbox Lehrerbildung“ vermittelt deshalb wichtige Ausbildungspunkte so, wie sie der Schulpraxis entsprechen. Beispielsweise gibt es ein Modul, das die Themen Satz des Pythagoras, Beweisen und Argumentieren sowie Feedback verbindet. Alle Inhalte des Webportals sind öffentlich und kostenlos, sodass sie sowohl von Aus- und Fortbildungseinrichtungen als auch von (angehenden) Lehrkräften zum Selbststudium genutzt werden können. Die Toolbox gibt es zunächst für die Fächer Mathematik und Informatik.

Ein wichtiges Mittel der Lerneinheiten sind Videos, die Szenen aus dem Unterrichtsgeschehen nachstellen. Auch Tutorials gibt es als Video, interaktive Visualisierungen veranschaulichen komplexe mathematische Themen. Wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse werden ebenso vermittelt wie Anwendungsbeispiele. Mit Tests können die Nutzerinnen und Nutzer ihren Lernfortschritt prüfen.

Die Module sind so gestaltet, dass sie unabhängig voneinander, für verschiedene Zwecke und in jeder Phase von Studium und Beruf eingesetzt werden können: Erstsemester bekommen einen ersten Eindruck vom Berufsalltag, Referendarinnen und Referendare können didaktische Fragen diskutieren, Lehrkräfte die angebotenen Visualisierungen im Unterricht verwenden.

„Guter Unterricht gelingt, wenn Lehrerinnen und Lehrer optimal auf die Wirklichkeit im Klassenzimmer vorbereitet sind“, sagt Prof. Doris Lewalter, die Leiterin des Projekts. „Deshalb holen wir die Schulpraxis stärker in die Aus- und Fortbildung. Dafür nutzen wir die vielen Vorteile, die uns digitale Medien bieten.“

Hier geht es zur «Toolbox Lehrerbildung» der TU München.

Digitale Bildung in Schule: „Wichtig ist, dass man Lehrer unterstützt und ihnen die Vorteile zeigt”

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