Zu wenig Lehrernachwuchs – GEW fordert mehr Studienplätze

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MAGDEBURG. Die Bildungsgewerkschaft GEW hat vom Land Sachsen-Anhalt mehr Anstrengung bei der Ausbildung neuer Lehrer gefordert. Der bisherige Ausbau der Kapazitäten an den Universitäten werde langfristig nicht reichen, erklärte GEW-Landeschefin Eva Gerth am Donnerstag. Es müssten dauerhaft mindestens 1200 Studienplätze für Erstsemester im Lehramt zur Verfügung gestellt werden. Nur so könnten der Bedarf langfristig gesichert und dem derzeit herrschenden Mangel an Pädagogen künftig vorgebeugt werden, teilte die GEW weiter mit.

Die Hörsäle bleiben voll. Foto: Neo_II / flickr (CC BY 2.0)
Hätte die GEW gerne: viele Lehramtsstudenten.
Foto: Neo_II / flickr (CC BY 2.0)

Im Kampf gegen den Lehrermangel waren jüngst die Kapazitäten an den Universitäten im Land ausgebaut worden. Zum aktuellen Wintersemester können an der Universität in Halle 800 statt bislang 700 Lehramtsstudenten beginnen. Hinzu kommen Kapazitäten an der Universität Magdeburg, vor allem für angehende Berufsschullehrer. Insgesamt sollen so rund 1000 Plätze zur Verfügung stehen. Die Hochschulen sollen deshalb auch gezielt in anderen Bundesländern für ein Lehramtsstudium in Sachsen-Anhalt werben. Dass von jährlich rund 5000 Abiturienten im Land 1000 ein Lehramtsstudium anstreben, hält das Land für unrealistisch.

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In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Lehramtsstudenten kontinuierlich an, wie Daten des Statistischen Landesamtes zeigen. Im Wintersemester 2017/2018 strebten 3506 Studenten das erste Staatsexamen in diesem Bereich an. Damit waren 293 Studenten oder 9,1 Prozent mehr eingeschrieben als im vorangegangenen Wintersemester, wie die Statistiker am Donnerstag mitteilten. Die Zahl der Lehramtsstudenten sei zum dritten Mal in Folge gewachsen. Die Mehrzahl der angehenden Lehrer sind demnach Frauen. Zahlen für das in der kommenden Woche beginnende Wintersemester lagen noch nicht vor.

Bis die Studenten fertig ausgebildet sind, dauert es aber mehrere Jahre. Zudem bleiben nicht alle Anwärter nach ihrem Studium in Sachsen-Anhalt. Die Situation an den Schulen bleibt deshalb weiter angespannt.

Das Bildungsministerium hatte zuletzt eingeräumt, dass derzeit wegen des Lehrermangels rein rechnerisch nicht alle geplanten Unterrichtsstunden erteilt werden könnten. Die Unterrichtsversorgung sank zu Beginn des Schuljahres auf 99,4 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 101 Prozent gewesen. Die Landesregierung strebt eigentlich einen Wert von 103 Prozent an, um einen Puffer für Krankheit und andere Personalausfälle zu haben. dpa

Weltlehrertag – GEW und VBE fordern gemeinsam: Missstände beseitigen! Lehrermangel bekämpfen! Wertschätzung erhöhen!

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4 KOMMENTARE

  1. Man kann jungen Schulabgängern vom Lehramtsstudium und anschließenden Referendariat nur abraten, da laut Medienberichte die Referendare doch ziemlich schikaniert werden und aus fadenscheinigen Gründen durchfallen.
    http://www.spiegel.de/forum/lebenundlernen/junglehrer-ausgebrannt-bevor-es-losgeht-thread-59959-44.html
    https://ze.tt/so-unfair-werden-angehende-lehrerinnen-behandelt-referendariat-schule/
    https://www.sueddeutsche.de/karriere/lehrer-im-referendariat-die-schlimmste-zeit-meines-lebens-1.592394-2

    • Jedenfalls ist es paradox, dass das Lehramtsstudium an den Hochschulen ständig reformiert werden soll. Eine Studien- und Prüfungsordnung jagt die andere, die Hochschulen sollen die Studenten besser betreuen und es ihnen leichter machen, keine hohen Abbruchquoten mehr produzieren usw. Nur in zwei Bereichen ist die Reformfreudigkeit äußerst gering: bei der Ausbildung der Azubis (auch dort gibt’s hohe Abbruchquoten) und bei der der Referendare. Da greift man offenbar immer noch auf autoritäre Methoden zurück wie zu Adenauers Zeiten. Eigentlich müssten Referendare angeleitet werden, sich zu selbständig denkenden und selbständig handelnden Lehrern zu entwickeln und nicht zu Jasagern und angepassten Leuten (von der Idee einer praktizierten Demokratie ganz zu schweigen). Hier wäre wohl einiges zu tun. Aber die Schulbehörden tun sich eben schwer, sich selbst zu reformieren. Lieber fordern sie das ständig von den Hochschulen, das ist bequemer für sie.

      • Guter Kommentar. Die Kern- und Fachseminarsitzungen werden je nach Einsatz der Fachleiter zeiteffizient oder vernünftig geplant. Als Referendar braucht man diesbezüglich viel Glück.

      • Ich sehe durchaus Änderungen bei den Ausbildungsseminaren, mein Eindruck ist eher der, dass auch dort eine Reform die nächste jagt.
        Ob das System und die Bewertung insgesamt transparenter geworden sind, kann ich nicht beurteilen.
        Auf jeden Fall bleibt der Eindruck, dass es dabei weniger um eine AusBILDUNG geht und mehr um einen immens langen Prüfungszeitrum mit nicht immer ganz klaren Richtlinien.

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