GEW-Chefin Tepe fordert mehr Anstrengungen im Kampf gegen Lehrermangel

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FRANKFURT/MAIN. Die Länder unternehmen nach Einschätzung der Lehrergewerkschaft GEW zu wenig gegen den Lehrermangel. «Die Kultusministerkonferenz hat sich nicht genügend abgesprochen, um gegenzusteuern und genügend Studienplätze an den Universitäten vorzuhalten», kritisierte die Bundesvorsitzende Marlis Tepe im Gespräch. «Im Gegenteil: In einigen Bundesländern werden Ausbildungsgänge geschlossen, für nicht wenige Lehramtsstudiengänge gilt ein Numerus clausus. Das ist absurd.»

Sieht immer noch gravierende Probleme bei der Beschulung der Flüchtlingskinder: GEW-Bundesvorsitzende Marlies Tepe. Foto: GEW
Tepe drängt die Bundesländer, mehr gegen den Lehrermangel zu unternehmen. Foto: GEW

Die Beratungen in der Kultusministerkonferenz müssten einen verbindlicheren Charakter bekommen, forderte die Gewerkschafterin. «Die Minister sollten ihre parteipolitische Brille öfter absetzen und gemeinsam an einem Strang ziehen.»

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In den beruflichen Schulen sei der Fachkräftemangel bundesweit schon seit vielen Jahren außerordentlich groß. Auch der Mangel an den Grundschulen sei inzwischen in allen Ländern angekommen, erklärte Tepe. Dies liege daran, dass Grundschullehrkräfte in fast allen Bundesländern schlechter bezahlt werden als Lehrer in den Sekundarschulen. Außerdem hätten die Grundschullehrer eine längere Arbeitszeit, sagte Tepe. Besonders dramatisch sei die Lage in den östlichen Bundesländern und in Berlin.

In den anderen Schulformen werde der Lehrkräftemangel eher in den nächsten Jahren spürbarer, weil dann die steigende Zahl der Schüler in den Sekundarstufen ankomme, warnte die GEW-Bundesvorsitzende. Für die Universitäten sei es nach wie vor unattraktiv, Lehrkräfte auszubilden. Die Qualitätsoffensive Lehrerausbildung der Bundesregierung für die Universitäten mit 50 Millionen Euro pro Jahr reiche nicht aus. «Das ist viel zu wenig Geld», sagte Tepe. dpa

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15 KOMMENTARE

  1. Frau Tepe behauptet: “Außerdem hätten die Grundschullehrer eine längere Arbeitszeit, sagte Tepe.”

    Die GEW-Vorsitzende mal wieder. Kann (oder will?) auch im Jahr immer noch nicht zwischen den Faktoren “Unterrichtsverpflichtung” und “Arbeitszeit” (jeweils bezogen auf dasselbe Bundesland) unterscheiden. Erstere ist höher als bei Gymnasiallehrern, letztere formal gesehen gleich, de facto jedoch niedriger als bei Gymnasiallehrern.

    Ihre nds. Kollegin Laura Pooth hingegen weiß es nach dem Urteil des OVG Lüneburg in Sachen “Versuchte Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung allein für nds. Gymnasiallehrer” besser.

    Zitat: “‘Unsere Rechtsstelle hat vier Klagen für Lehrkräfte an Gymnasien vorbereitet. In den nächsten Tagen werden wir diese bei den Verwaltungsgerichten Hannover, Braunschweig und Oldenburg einreichen’, kündigte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth an. Alle vier Lehrerinnen arbeiteten dokumentiert mehr als 55 Stunden wöchentlich. Dieser Durchschnittswert berücksichtige bereits die Ferienzeiten mit geringerer Belastung, während in den Schulzeiten die Werte noch erheblich darüber lägen.

    ‘Die Überstunden verfallen übrigens. Sie werden weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen’, erläuterte Pooth. ‘Wir gehen den Rechtsweg, weil die Überlastung der Lehrkräfte inzwischen unerträglich ist. Wenn die Landesregierung nicht schnellstens den politischen Weg beschreitet und Maßnahmen zur Entlastung vorlegt, muss sie eben juristisch dazu gebracht werden’, betonte die GEW-Landesvorsitzende.”

    https://www.news4teachers.de/2018/11/sie-arbeiten-mehr-als-55-stunden-woechentlich-gew-reicht-arbeitszeitklagen-fuer-vier-lehrerinnen-ein-und-strebt-damit-ein-grundsatzurteil-an/?fbclid=IwAR0mO7sR76Mjhkf4pLDk6Evyl9m7JfcbNF2-PtAgN2340tWAQCz9WSIMRPA

  2. “Die Beratungen in der Kultusministerkonferenz müssten einen verbindlicheren Charakter bekommen, forderte die Gewerkschafterin. «Die Minister sollten ihre parteipolitische Brille öfter absetzen und gemeinsam an einem Strang ziehen.»”
    Dem kann man zwar applaudieren, aber das widerspricht eben genau dem Kultusförderalismus, der als “Heilige Kuh” gilt. Und eine “parteipolitische Brille” haben ja auch etliche GEW-Funktionäre auf, wenn es um die Schulpolitik geht. Die GEW macht sich doch immer stark für die rot-grüne (oder rot-rot-grüne) Schulpolitik.
    Die Väter des Grundgesetzes haben das alles bestimmt nicht so gewollt: Sie wollten gleiche Schulformen und gleiche Lehrerbesoldung in allen Bundesländern. Galt nicht mal die Bundesbesoldungsordnung A ? Sie wollten bestimmt auch kein G8-Gymnasium in dem einen und ein G9-Gymnasium in dem anderen Land.

      • “Besserwisser”
        Betätigt sich in dem obigen Artikel Frau Tepe nicht als Besserwisserin gegenüber der KMK? So gesehen: Auch die Kultusminister dürfen tun und lassen, was sie wollen.

        • …und sogar Menschen wie emil dürfen merken, dass die GEW alles Mögliche macht, aber bestimmt nicht die Interessen der Grundschullehrkräfte erfolgreich vertreten. Stattdessen betreibt sie eine vollkommen einseitig-ideologische “Bildungspolitik” und berät ihre Mitglieder juristisch falsch (Streikrecht für Beamte).

          • Vielleicht stört mich das ja gar nicht! Ich bin nicht so selbstgerecht, dass ich meine, alle müssten das tun, was ich für richtig halte. Sie vielleicht?

          • Bei der GEW scheint Sie tatsächlich niemals etwas zu stören, emil. Das ist schon recht ungewöhnlich, weil Sie für mich in den Diskussionen hier nicht das Bild abgeben, das Sie jetzt zur Verteidigung der GEW von sich malen.

  3. Ich verteidige nicht. Warum auch? Und ich male auch nicht. Aber ich zeige auf, wenn jemand kontinuierlich meckert, natürlich ausschließlich über andere. Und das mit Vergnügen.

    • emil verteidigt nicht, emil malt nicht, emil zeigt auch nichts auf, denn er hat inhaltlich nichts zu sagen – außer dass er immer wieder dem Aufmerksamen Beobachter und anderen Gymnasiallehrkräften einen mitgebeben muss.

      Seit wann übrigens “meckert” ein Gymnasiallehrer, wenn er seine Grundschulkollegen faktenbasiert darauf hinweist, dass deren Lieblingsgewerkschaft aus seiner Sicht stümperhaft bis dilettantisch agiert, was deren Interessenvertretung betrifft? Sind es nicht die Grundschullehrkräfte, die hier im Forum immer beklagen, dass ihre Interessen zu wenig gehört werden?

  4. Eine bessere (qualitativ und quantitativ) Deutschlehrerausbildung ist so wichtig. Aber was passiert konkret? Es ist absurd, aber es werden immer noch Stellen gestrichen, reduziert oder erst nach vielen Jahren besetzt. Konkret wurde z. B. an der Universität Oldenburg eine der wenigen (!) Professuren für den Schriftspracherwerb (früher u. a. Prof. Wolfgang Eichler) gestrichen bzw. in eine Juniorprofessur umgewandelt. Wie absurd ist das denn? Die Schülerinnen und Schüler sollen die Rechtschreibung beherrschen, die Deutschlehrerinnen und -lehrer sollen kompetent und professionell unterrichten, ABER dass man dazu eine gute Ausbildung und ein adäquates Umfeld (auch mehr Koll. und kleinere Klassen) benötigt, das ist noch nicht “angekommen”. Ist es Schlafmützigkeit, Dreistigkeit, Dummheit, Engstirnigkeit, oder was????

    • Im Prinzip stimme ich Ihnen zu, möchte aber dazusagen, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen von einer “besseren Deutschlehrerausbildung” gibt und die Sache nicht so einfach ist.
      Genauso sieht es beim Fachsimpeln über besseren Deutschunterricht aus. Die Meinungen gehen auch hier auseinander. Ebenso sieht es mit Reformen aus; der eine findet sie richtig, der andere falsch.
      Im Bildungswesen steckt viel unterschiedliche Ideologie, deswegen ist die Vorstellung von “besser” oder “schlechter” schwer auf einen Nenner zu bringen.
      Oft setzt sich nur der beste Netzwerker und Schreihals durch oder auch der beste Verkäufer von Moral aus bestimmter Sicht.

      • So ist es, Maren!

        Jeder schreit nach einer besseren Lehrerausbildung und jeder meint etwas anderes damit. Den Ruf nach einer besseren Lehrerausbildung kenne ich hingegen seit meiner Ausbildung. Vieles ist seither auch geschehen, nur die Leistungen der Schüler wurden nicht besser. Das sollte doch zu denken geben!

        Vorurteilsfreies Analysieren aber ist nicht erwünscht. Wieder erinnere ich mich an “DDR-Gepflogenheiten”. Wie sagte man? Keine Fehlerdiskussion vor dem Feind. Wenn heute jemand die Grundschullehre kritisiert, schreien alle Grundschullehrer auf. Wie kann man es wagen, sie zu kritisieren?!? Wenn jemand die mangelnden Rechtschreibleistungen und den Lehrern Info-Broschüren schickt, schreien die Lehrer auf und mit ihnen ihre “Berufsvertreter”: Die Lehrer bräuchten keinen Nachhilfeunterricht in Rechtschreibung, sie beherrschen sie. Aber ich sehe jeden Tag, dass auch wir Lehrer (ich nehme mich nicht aus) in der Rechtschreibung Fehler machen.

        Das Schlimmste ist, wenn man über Probleme nicht reden darf, weil sofort jemand beleidigt ist und sich angegriffen fühlt. Das ist ein Kennzeichen für “erstarrte Systeme”, die irgendwann an sich selbst zugrunde gehen (siehe DDR).

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