Philologen ermahnen Tonne: Arbeitsbedingungen für Lehrer verbessern!

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GOSLAR. „Den Stillstand in der niedersächsischen Bildungspolitik endlich zu beenden und Lehrkräften wie Gymnasien gebührend den Rücken zu stärken“ – das forderte der Philologentag 2018 in Goslar zum Abschluss von Kultusminister Grant Hendrik Tonne und der rot-schwarzen Landesregierung. Starke Gymnasien seien für den leistungsfähigen Schul- und Bildungsstandort Niedersachsen unabdingbar, hieß es. Tatsächlich hatte Tonne in seiner Rede zum Auftakt des Kongresses bereits Verbesserungen angekündigt.

Im Fadenkreuz der Philologen: Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Foto-AG Melle, derivative work Lämpel – Own work / WIkimedia Commons / CC BY 3.0

Niedersachsens Kultusminister Tonne hat in seiner Rede in der Eröffnungsveranstaltung des Philologentages vor über 300 Delegierten und zahlreichen Gästen zugesagt, dass es bereits im Abitur 2019 nach einem Staffelmodell Korrekturtage für Lehrkräfte geben wird. Auf einen Abituraustausch werde verzichte. Weitere Maßnahmen seien vorgesehen, würden aber noch spezifiziert – etwa die Streichung von Dokumentationspflichten, die Streichung von Vergleichsarbeiten oder die Bereitstellung von Musterkonzepten. “Insgesamt ein großer Erfolg unseres Einsatzes”, so meinen die Philologen.

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Aus Sicht der über 300 Delegierten aus den niedersächsischen Gymnasien, Gesamtschulen und Studienseminaren sei es allerdings auch überfällig, dass das Land seine Fürsorgepflicht für die Lehrerinnen und Lehrer wahrnehme – und seiner Verantwortung, für eine rechtskonforme Arbeitszeit der Lehrer zu sorgen, nachkomme. Es sei zwingend, zunächst die Gymnasiallehrer als diejenige Lehrergruppe vorrangig zu entlasten, die laut einer aktuellen Arbeitszeituntersuchung die höchste Arbeitszeit verzeichne. Dies müsse durch eine umgehende Senkung der Pflichtstundenzahl sowie durch ausreichende Zuweisung von Anrechnungsstunden an Teilzeitkräfte, Lehrkräfte in Oberstufen- und Abiturkursen, Funktionsinhaber und Koordinatoren dringend umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang forderte die Vertreterversammlung unter anderem auch die Wiedereinführung einer Altersermäßigung.

“Die seit langem bestehende unzureichende Beförderungssituation sowie die mangelnden Möglichkeiten des beruflichen Fortkommens haben zunehmende Auswirkungen auf die Amtsinhaber und erschweren zudem die Gewinnung neuer Lehrkräfte insbesondere auch im Vergleich zu anderen Bundesländern”, so heißt es in einer Erklärung. Der Vertretertag stellte heraus, dass Verbesserungen der Arbeitsbedingungen dringend erforderlich seien, wenn der Lehrerberuf gegenüber der Wirtschaft wieder konkurrenzfähig werden und junge Menschen für diesen Beruf gewonnen werden sollen.

Entschieden lehnte die Vertreterversammlung den kürzlich in Kraft getretenen Erlass zur beruflichen Orientierung als in mehrfacher Hinsicht verfehlt ab, ohne dabei die grundsätzliche Bedeutung der Berufsorientierung auch für das Gymnasium in Frage zu stellen (News4teachers berichtete). Diese müsse sich jedoch nach dem Bildungsauftrag der jeweiligen Schulform richten und dürfe nicht zu Lasten des Fachunterrichtes gehen. Ausdrücklich stellten sich die Delegierten gegen “überbordende bürokratische Dokumentationspflichten” sowie die geforderte Potenzialanalyse eines jeden Schülers, deren nachhaltiger Nutzen mehr als fraglich sei. Kultusminister Tonne wurde aufgefordert, den Erlass in der bestehenden Form zurückzuziehen, da die geplanten Maßnahmen der Vermittlung der Studierfähigkeit an den Gymnasien zuwiderliefen.

Mit einem Grundsatzpapier rückte der Philologenverband die gymnasiale Lehrerausbildung in den Fokus, in dem eine Neuausrichtung der Ausbildung der Referendare gefordert wird, um den gestiegen Anforderungen Rechnung zu tragen und die Unterrichtsqualität langfristig zu sichern. Niedersachsen müsse finanziell und personell massiv in die Ausbildung angehender Gymnasiallehrkräfte investieren, damit in den Studienseminaren kontinuierlich und vorausschauend ausreichende Kapazitäten geschaffen werden können. Als für eine fundierte Ausbildung unerlässlich sehen es die Delegierten an, die Ausbildungsdauer wieder auf 21 Monate zu erhöhen. Nur so sei es möglich, eine dreimonatige Einführungsphase anzubieten, um Grundlagen wie das Kennenlernen notwendiger Rechtsvorschriften zum Beispiel zur Sicherheit im Unterricht für den anschließenden eigenverantwortlichen Unterricht der Referendare gewährleisten zu können. News4teachers

Personalentscheidungen

GOSLAR. Die Vertreterversammlung des Niedersächsischen Philologenverbands hat den Geschäftsführenden Vorstand turnusgemäß neu gewählt. Der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen, Horst Audritz, wurde von den Delegierten des Philologentages für weitere drei Jahre wiedergewählt. Er erreichte für seine vierte Amtsperiode mit 96,3 Prozent der abgegebenen Stimmen ein hervorragendes Wahlergebnis.

Ebenfalls mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt wurden der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Ehlers aus Stade und die Schatzmeisterin Helga Olejnik aus Northeim.

Als Beisitzer neu in den Vorstand gewählt wurden Ann-Christin Malorny aus Hannover und Dr. Christoph Rabbow aus Stade. Auf eigenen Wunsch schieden Dr. Oliver Beckmann (Osnabrück) und Bernhard Koppius (Uelzen) aus dem Vorstand aus. In ihren Ämtern als Beisitzer wiedergewählt wurden Dr. Christine Bendrath (Lüneburg), Cord Wilhelm Kiel (Hameln), Henning Kratsch (Großenkneten) und Astrid Thielecke (Duderstadt) .

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Philologen fordern Entlastung für Gymnasiallehrer – und “unter Wahrung des Abstandsgebots”: mehr Geld

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3 KOMMENTARE

  1. Zitat: “Weitere Maßnahmen seien vorgesehen, würden aber noch spezifiziert – etwa die Streichung von Dokumentationspflichten, die Streichung von Vergleichsarbeiten oder die Bereitstellung von Musterkonzepten. “Insgesamt ein großer Erfolg unseres Einsatzes”, so meinen die Philologen.”

    Bitte bundesweit !!!

  2. Die Goslarsche Zeitung berichtet so.

    Zitat: “Im Januar treffen sich Niedersachsens Philologenverband und das Kultusministerium vor Gericht, wenn es um die Arbeitszeit für Oberstudienräte mit Funktionsaufgaben geht.

    Mittwoch sammelte Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) bei den 300 Delegierten der mehr als 8000 Mitglieder starken Lehrer-Organisation etliche Sympathiepunkte und erntete sogar mehrfach Applaus, als er bei seinem Premieren-Aufritt vor der Verbandsversammlung im Hotel ‘Der Achtermann’ auf eine Grundsatzrede verzichtete, für Pragmatismus warb und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen an Gymnasien in kleinen Schritten anbot.

    Tonne hatte sogar konkrete Soforthilfen im Gepäck: So kündigte er eine stärkere Entlastung durch ein Staffel-Modell für Lehrkräfte an, die zur Korrektur der Abitur-Klausuren eingesetzt sind. Der sogenannte Abitur-Austausch unter den Schulen soll ausgesetzt werden.

    Alle Referate seines Ministeriums seien zudem angehalten, eine Streichliste für Dokumentationspflichten vorzulegen, die ‘über Schmerzgrenzen hinausgehen’. Ob etwa Vergleichsarbeiten einen Mehrwert erzeugten, zweifelte Tonne an.

    Für besonders beanspruchte Funktionsträger, zumal in Kombination mit dem Lebensalter, müssten Absenkungen der Stundendeputate noch gefunden werden. Ihre vordringliche Notwendigkeit erkannte der Kultusminister an.

    Er will auf der anderen Seite aber nicht der Arbeitszeitkommission folgen und die Unterrichtsverpflichtung für Grundschullehrer um eine Wochenstunde senken. Diese Empfehlung sei für ihn nicht nachvollziehbar, zumal der Endbericht des Gremiums eine weit höhere Belastung der Gymnasiallehrer ausgewiesen hatte.”
    https://www.goslarsche.de/lokales/goslar_artikel,-Kultusminister-gewinnt-Sympathien-mit-Politik-der-kleinen-Schritte-_arid,1407186.html?fbclid=IwAR3xfhtrKRMX4UqjdGH2G2-NA4VolcUcptbYB1tjIi_5qzaE35q5GUi0Lrk

    • Und einen Kommentar zum Thema gibt’s in der Goslarschen Zeitung auch.

      Zitat: “Grant Hendrik Tonne hat in Goslar bei den Gymnasiallehrern gestern zweifellos Terrain zurückerobert, das seine kommunikationsoriginelle Vorgängerin Frauke Heiligenstadt unter Rot-Grün mit ihrer Scheuklappen-Mentalität zum verminten Gebiet gemacht hatte. […]

      Der sachlich und nüchtern agierende Tonne verzichtete auf jedwede Ideologie. Er gestand teils gravierende Mängel offen ein und bot Pragmatismus bei der Suche nach Lösungen an, ob sie nun kurz-, mittel- oder langfristig zu finden sind. Und er packte etwa mit den Korrekturtagen fürs Abitur auch erste schnelle Hilfen auf den Tisch. Mehr war nicht zu erwarten. Und die Philologen sind keine Träumer. Dass all ihre Forderungen eins zu eins und möglichst morgen umgesetzt werden, glaubt niemand im Verband. Gehört und sogar ernst genommen zu werden, bedeutet jedoch eine neue Qualität im Miteinander, die die Gymnasiallehrer optimistisch stimmen darf.

      Das große Aber kommt dennoch: Reden und Handeln sind oft genug und gerade in der Politik zweierlei Dinge. Schon 2015 etwa hatte ein jovialer Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der Kaiserpfalz viel Verständnis geäußert und hinterher fast ebenso viel vergessen. Tonne muss seinen Worten in den nächsten Jahren Taten folgen lassen, wenn er in Niedersachsens Gymnasien Erfolge und in Goslar weiterhin Applaus ernten will. Eine schwierige Aufgabe – aber der Anfang macht Mut.”
      https://www.goslarsche.de/lokales/goslar_artikel,-MEINE-MEINUNG-Die-Hand-gereicht-_arid,1407274.html?fbclid=IwAR2N7useg-8Lv1UgSFWhBgmK3Fnb8cj1Eh9qWy78vfsfLeu6BTSX2oSVVwo

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