Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss steigt in Berlin um 40 Prozent – Scheeres: “Nicht zufrieden”

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BERLIN. Sieben Prozent der Berliner Schulabgänger nach der 10. Klasse hatten im vergangenen Jahr keinen Abschluss. Ihr Anteil lag damit um zwei Prozentpunkte (oder 40 Prozent) höher als in den beiden Vorjahren, als fünf Prozent der Zehntklässler Sekundarschulen und Gymnasien ohne Abschluss verließen. Das teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres  nach Auswertung der Daten der zentralen Prüfungen beziehungsweise zentral vergleichenden Arbeiten von 24.000 Schülern mit.

"Blicken wir doch einmal in die anderen Bundesländer": Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
Kündigt “Anstrengungen im Bereich der Unterrichtsqualität” an: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

«Wir können uns mit den Ergebnissen nicht zufrieden geben», sagte die SPD-Politikerin. «Sie zeigen, dass unsere Anstrengungen im Bereich der Unterrichtsqualität liegen müssen.» Sie wolle dazu in Kürze neue Maßnahmen vorstellen, kündigte Scheeres an.

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An den Gymnasien erwarben alle Schüler am Ende der Jahrgangsstufe 10 einen Schulabschluss. 96 Prozent erreichten einen Mittleren Schulabschluss, die übrigen zumindest eine sogenannte Berufsbildungsreife.

Etwas anders sieht das Bild an Integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen aus. Hier blieben 13 Prozent ohne Abschluss (2017: 10 Prozent). 60 Prozent erreichten einen Mittleren Schulabschluss, 25 eine Berufsbildungsreife und 2 Prozent einen Abschluss im Förderschwerpunkt Lernen. An den Sonderpädagogischen Förderzentren erreichten von 589 Schülerinnen und Schülern  59 % (2017: 65%, 2016: 54%) einen Abschluss.

Schüler ohne Abschluss haben schlechte Startchancen für das Berufsleben, weil sie nicht einmal eine reguläre Ausbildung aufnehmen können. Für diesen Kreis gibt es daher diverse Angebote, damit sie sich nachqualifizieren können. News4teachers / mit Material der dpa

Möglichkeiten zur Nachqualifizierung

Schülerinnen und Schüler, die nach der 10. Klasse keinen Abschluss erreicht haben, können im Rahmen einer beruflichen Ausbildung die Schulabschlüsse bis einschließlich des MSA erreichen, wie die Berliner Bildungsverwaltung mitteilt.

Neben dieser Möglichkeit stehen in Berlin die Bildungsgänge der Berufsvorbereitung zur Verfügung:

  • Berufsqualifizierende Lehrgänge ermöglichen den Schülerinnen und Schülern ohne Berufsbildungsreife, in einem Berufsfeld mit sehr praktischen Lernanteilen (fast die Hälfte der Unterrichtszeit) wieder Zuversicht in ihre Kompetenzen zu gewinnen und dadurch auch in den allgemeinbildenden Fächern wieder an die nötigen Anforderungen für den BBR und die eBBR anzuschließen, um diese Bildungsabschlüsse am Ende des Bildungsgangs zu erreichen.
  • Die einjährige Berufsfachschule können diejenigen besuchen, die über einen eBBR verfügen und den mittleren Schulabschluss anstreben. Auch hier werden berufsfeldspezifische und allgemeinbildende Kompetenzen im Unterrichtsangebot miteinander verknüpft.
  • Der Schulversuch „Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung“ (IBA) setzt an 23 Standorten ein weitergehendes Konzept dieser Berufsausbildungsvorbereitung um. Hier werden vor allem zusätzliche Betriebspraxisphasen in das Schuljahr integriert. Alle Abschlüsse bis einschließlich des Mittleren Schulabschlusses können erreicht werden.

Im Fokus der drei Wege in der Berufsvorbereitung steht der Übergang in die Ausbildung durch Stärkung der berufsfeldspezifischen und berufsfeldübergreifenden Kompetenzen sowie durch den Erwerb oder die Verbesserung eines Schulabschlusses.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

 

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10 KOMMENTARE

  1. Und wie werden die Entscheidungsträger reagieren ?
    Zynisch gesprochen einfach die Leistungsansprüche an die Schüler im Selbstlernmodell noch weiter absenken, um der Selbstlernpädagogik weiterhin zum durchschlagenden Erfolg zu verhelfen .

      • Danke für den Zeitungsbeitrag , der viel dazu beiträgt zu verstehen, warum Schulabschlüsse immer mehr entwertet werden, und man sich so zukünftig auf zu implementierende Aufnahmeprüfungen vor dem Studium oder einer Ausbildung einstellen werden muss, so sich nichts an der Tendenz ändern sollte, das schulische Niveau von höchster politischer Ebene aus, weiter absenken zu wollen.

        • Valide Ergebnisse zu den Schülerleistungen liefert auch noch die DESI-Studie aus dem Jahr 2008 mit 11.000 untersuchten Schülern der 9. Klasse, in der die Leistungen im Deutschen und Englisch der Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen und Hauptschulen prospektiv in einer Längsstudie miteinander verglichen wurden, alles im Auftrag der KMK Kultusministerkonferenz und für Freunde des gemeinsamen Lernens ein Albtraum im Ergebnis für die Gesamtschule, die mit der Hauptschule im Ergebnis in etwa gleichzog.

  2. Mich wundert das nicht. Schon in meiner Gymnasialklasse hatten wir kaum was gelernt, wenn moderne Methoden wie SOL und Gruppenarbeit angesetzt waren. Da müssen die Hauptschüler noch mehr Probleme haben, etwas zu lernen.

    • Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu. Die Abwärtsspirale betrifft seit Jahrzehnten alle Schultypen.
      Dafür gibt es eine Aufwärtsspirale an “Experten”weisheiten, frommen Sprüchen und “Studien”ergebnissen, die Erfahrungswissen als überholt, inhuman oder fortschrittshemmend einreden.

  3. Ganz wichtig ist, als erstes zu schlusfolgern, dass die Unterrichtsqualität steigen muss. Mit dieser Maßnahme versucht man doch bereits schon seit Jahren diverse Probleme zu beheben, die trotzdem immer schlimmer geworden sind. Jetzt könnte man eigentlich auf die Idee kommen, dass zwischen Unterrichtsqualität und Bildungserfolg doch nicht der Zusammenhang besteht, den die Politiker gerne hätten ….. kommt man aber nicht, da kann man ihnen auch nicht mehr helfen.
    Vll. könnte man mal an der Motivation von Jugendlichen aus bildungsfernen Familien arbeiten, aber da ist es halt schwieriger, weil man keinen direkten Einfluss hat.

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