Mozart für Minis – Theater entwerfen immer mehr Konzerte für Kinder

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MAINZ. Mit den Kleinen ins Theater oder ins Konzert – dieses Konzept ist bei Eltern in Rheinland-Pfalz beliebter denn je. Schauspielhäuser freuen sich über immer größere Nachfrage. Die können sie oft gar nicht mehr bedienen.

In Rheinland-Pfalz wagt man sich musikalisch schon an die ganz Kleinen. Unter anderem in Kaiserslautern sogar an die Minis: Krabbelkonzerte für Kleinkinder zwischen null und zwei Jahren sind hier seit der vergangenen Spielzeit im Angebot – mit einer Nachfrage, die das Angebot bei Weitem übersteigt. «Die Karten sind immer sehr schnell weg», berichtet Theaterpädagogin Desirée Kohl. Nicht nur dort ist die Nachfrage meist größer als das Angebot. «Wir erleben, dass die Nachfrage und der Zuspruch für spezielle Formate immer größer wird», sagt der trierer Sprecher Christoph Traxel.

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Viele Theater haben heute Angebote für Kinder und Jugendliche fest im Programm. Foto: Next Liberty Graz Jugendtheater GmbH / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Viele Theater haben heute Angebote für Kinder und Jugendliche fest im Programm. Foto: Next Liberty Graz Jugendtheater GmbH / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Die Spielstätten reagieren entsprechend. Krabbelkonzerte wie in Kaiserslautern gibt es unter anderem von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Speyer und in Worms. Auch hier seien die Karten immer schnell weg, berichtet Sprecherin Anne Klappert. In Mainz wagt man sich für Kinder auch an den ganz klassischen Stoff. So werden Kinder ab sechs Jahren bei «Oper vorgestellt» an die Mozart-Oper «Die Hochzeit des Figaro» herangeführt.

Seit etwa 2014, so schätzt der Mainzer Musiktheaterpädagoge und Dramaturg Johannes Gaudet, führt das Staatstheater Stücke für Kinder «als wirklich großen Programmpunkt». Für Gaudet steht das «unmittelbare Erleben» im Theater für die Kinder im Vordergrund. «Das kann kein Bildschirm.»

Die Zielgruppe umfasst ganz unterschiedliche Formate, «von ganz klein bis hin zu jungen Erwachsenen» reicht das Angebot laut Gaudet beispielsweise in Mainz. Am Theater in Trier werden pro Spielzeit vier Familienkonzerte für Kinder und Jugendliche angeboten, sagt Sprecher Traxel. Es sind keine «Konzerte im klassischen Sinne», erklärt er: Außer den Musikern stehen dann noch Schauspieler und Tänzer auf der Bühne, der Dirigent übernimmt die Rolle des Moderators.

Konzerte für Kinder seien eine besondere Herausforderung, meint auch Desirée Kohl vom Theater in Kaiserslautern. «Kinder melden sofort zurück, wie sie es gerade finden.» Ein wichtiger Faktor sei die Länge. 40 bis 50 Minuten sind es am Pfalztheater bei den ganz Kleinen, «für Grundschüler ist eine Stunde machbar», sagt Kohl. Inhaltlich greife das Mainzer Staatstheater beispielsweise auf Themen zurück, mit denen Kinder etwas anfangen könnten, erklärt Gaudet das Konzept. «Man geht viel mehr auf Kinder ein.»

Auch der Ort wird an die Kleinen angepasst. So findet das Krabbelkonzert in Kaiserslautern im Foyer statt. Dort sind dann Kissen und Stofftiere ausgelegt, die Kinder können sich frei im Raum bewegen, berichtet Sprecherin Kohl. Die Musiker setzen sich mit ihren Instrumenten teilweise direkt zwischen die Kinder. Und die? Schwingen die Hüften. «Der Rhythmus geht direkt in die Körper», sagt Kohl lachend.

In Mainz ist sich Johannes Gaudet sicher: «Der Hunger nach guten kulturellen Veranstaltungen wird immer größer.» Die Wertigkeit von Kinder- und Jugendtheater nehme immer weiter zu. «Es gibt mittlerweile kaum mehr ein großes Theater, das keine Abteilung speziell für Kinder hat.» Und das auch mit einem Ziel: Denn, so heißt es auch, Kinder und Jugendliche sind eben die Besucher von morgen. (Cane-Sophie Buzludag, dpa)

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