“Würden wir es samstags machen, würde es keinen interessieren”: Schwänzen für mehr Klimaschutz

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Auch heute wieder treibt der Klimawandel die Jugend auf die Straße – und das oft während des Schulunterrichts. Selbst drakonische Strafen schrecken die Schulschwänzer nicht.

"Wir lernen erst, wenn ihr gelernt habt": Jugendliche Teilnehmer einer "FridaysForFuture"- Demonstration in Berlin. Foto: C.Suthorn / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
“Wir lernen erst, wenn ihr gelernt habt”: Jugendliche Teilnehmer einer “FridaysForFuture”- Demonstration in Berlin. Foto: C.Suthorn / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Fabian schwänzt. Der Schüler aus Mülheim hätte eigentlich gerade Biologie-Unterricht, er läuft aber in der ersten Reihe mit bei der «Friday-for-Future»-Demonstration in Düsseldorf. «Ich lasse mir eine Entschuldigung von meiner Mutter schreiben, die unterstützt mich da», sagt er. «Es ist ein großer Traum von mir, mich für sowas einzusetzen», betont der 17-Jährige, der nächstes Jahr Abitur machen möchte.

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Mit «sowas» meint er den Klima- und Umweltschutz. Gegen den Klimawandel werde zu wenig getan. Die globale Bewegung «Fridays for Future» bringt seit Monaten Tausende Schüler und Studierende freitags auf die Straßen. Oft während der Schulzeit. Fabian sagt: «Würden wir es samstags machen, würde es niemanden interessieren.» Auf dem Pappschild einer 16-Jährigen aus Düsseldorf steht: «Jetzt müssen wir Schule schwänzen, damit ihr endlich aufwacht!»

Die Bewegung geht auf die schwedische Aktivistin Greta Thunberg zurück. Die 16-Jährige demonstriert seit Monaten freitags in Stockholm. Vergangene Woche gingen deutschlandweit etwa 20.000 Menschen auf die Straße.

Auf Fabians Schild heißt es: «Kohleausstieg? 2038 Jahre zu spät!» Ähnliche Sprüche, die an die Demonstrationen für den Erhalt des Hambacher Forstes anknüpfen, halten viele der Schüler und Studenten auf Schildern hoch. Im Chor rufen sie immer wieder: «Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!»

“Verkehrswende” gefordert

Am Freitag demonstrierten in mehreren NRW-Städten insgesamt mehr als tausend vor allem junge Menschen. Bundesweit waren in über 50 Städten Protestaktionen zu dem Thema geplant. In Berlin demonstrierten rund 500 Menschen bei der «Fridays for Future-Demonstration» im Invalidenpark in Berlin. Unter dem Motto «Verkehrswende» forderten sie unter anderem einen besseren öffentlichen Nahverkehr.

In Düsseldorf starten die Demonstranten am Vormittag in der Altstadt und ziehen über die Königsallee zügig bis vor den Landtag. Bei ihrem Tempo bleibt kaum Zeit für Selfies, die Sprechchöre ertönen ohne Pausen. Auch einige Erwachsene sind dabei, ein Strom-Anbieter hat ein Elektro-Auto gestellt, das vorne mitfährt und aus dem Musik tönt.

Auf Pias Pappschild steht: «Grünkohl statt Braunkohle.» Die 18-Jährige aus Kaarst macht bald Abitur, schwänzen muss sie nicht, da sie freitags nur bis 9.30 Uhr Schule hat. «Ich glaube, man kann hier gut ein Statement setzen, dass wir Schüler auch was tun und auf die Straße gehen. Es wird immer gesagt, dass wir uns nicht für Politik interessieren und nur am Handy sind», sagt sie.

Dennoch sind die Demonstrationen umstritten, weil manche Schüler wie Fabian schwänzen. Die Landesregierung hatte zuletzt bekräftigt, dass die Schulpflicht gelte und mit Sanktionen gedroht. Schließlich sieht ein einschlägiger Schulpflicht-Erlass im Extremfall empfindliche Strafen bis zu 1000 Euro Geldbuße für die Eltern oder «eine zwangsweise Zuführung» zum Unterricht vor.

Die oppositionellen Parteien SPD und Grüne unterstützen die Kundgebungen hingegen. Schließlich wolle man das aufkeimende politische Engagement der Jugend nicht gleich wieder abwürgen. So kommt der SPD-Politiker André Stinka, Sprecher des Umweltausschusses, am Freitag vor den Landtag und ruft den Schülern zu: «Ihr müsst das tun. Es geht gar nicht anders.» dpa

#FridaysForFuture: Die Schüler-Bewegung wächst – und will weiter „streiken“

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8 KOMMENTARE

  1. ZITAT: ““Würden wir es samstags machen, würde es keinen interessieren”: Schwänzen für mehr Klimaschutz”

    Nein, das halte ich für eine Ausrede. Sicherlich hat das Schwänzen einen gewissen medialen Sensationseffekt, aber wenn Zehntausende Schüler samstags die Innenstadt lahmlegen, würde das sicher auch nicht von den Medien ignoriert werden. Käme dann natürlich auch sehr auf die Teilnehmerzahl an!

    Würde denn da kaum noch einer kommen?!? Das ist ja das, was viele vermuten.

  2. “Würden wir es samstags machen, würde es keinen interessieren”

    Unsinn! Die linken Medien, von taz bis Frankfurter Rundschau, würden selbstverständlich darüber berichten, sogar wenn die Demos in den Sommerferien wären. Der Grund, warum ihr in den Schulstunden demonstriert und nicht samstags, ist, ihr wollt euch profilieren ohne dafür eure “kostbare” Freizeit zu opfern und, noch wichtiger, dass Büffeln fällt dann natürlich auch aus.

  3. Herr Mückenfuß,
    ich halte es für richtig was die Jugendlichen machen. Anders lässt sich nicht die Aufmerksamkeit erlangen. Schade das unsere Generation zu flegmatisch und angepasst war, um schon damals für den Umweltschutz auf die Straße zu gehen. Sonst müssten wir heute vielleicht nicht Bilder von Tonnen von Plastikmüll im Meer ertragen.
    Es wäre an uns gewesen etwas zu tun und wir haben immer die Entschuldigung angeführt, das wir sowieso nichts ändern können.
    Ich würde meinen Kindern eine Entschuldigung schreiben, damit sie mitmachen können und unsere Politiker aufrütteln.

    • Waren Sie einmal in China oder kennen Sie Personen, die in China über einen längeren Zeitraum lebten, denn da finden Sie einen der Gründe für die massive Einbringung von Plastikabfällen in die Flüsse, sowie die ungeklärte Einleitung von Industrieabfällen in die großen Ströme. Da trinkt man besser Wasser aus Mineralwasserflaschen. Die Luft erinnert an die “besten” Zeiten im Ruhrgebiet.

    • Und dann leben dort 1.800.000.000 Einwohner, die alle unseren Lebensstandart und unsere Lebensweisen anstreben zu erreichen. Dabei steht der Umweltschutz und das Individuum außen vor.

      • Sagte nicht Bertold Brecht passend dazu: Erst kommt das Fressen und dann die Moral?

        Wir haben in den reichen westlichen Industrienationen unser “Elend” doch nur ins Ausland abgeschoben. Damit hier die Reichen in Ruhe weiter reich sein können, hat die Masse einen Anteil am Wohlstand erhalten – auf Kosten der Reichen, die etwas abgegeben haben? Nein, auf Kosten der Menschen in anderen Ländern, die unseren (Gift-)Müll erhalten, die für billige Produkte hier selbst in Armut leben.

        Ja, OlleSchachtel, darüber schauen die meisten Menschen hinweg bzw. es kümmert sie auch nicht viel.

        • PS: Das Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland bewerte ich grundsätzlich genauso. Wir füllen damit vielleicht unsere Lücken in der Altenpflege, aber wir reißen Lücken dort auf. Oder wer pflegt dann die alten Menschen in den Herkunftsländern?

          Weil den meisten Menschen den Rock näher ist als das Hemd.
          PS: Wählen konnten Sie immer schon die Parteien, die diese Probleme benannten und auch angehen wollten.

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