Umfrage zum Thema Handschreiben: Mehr als 2.000 Lehrer haben sich beteiligt

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BERLIN. Wie gut können Schülerinnen und Schüler heutzutage noch von Hand schreiben? Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) startete gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut im vergangenen November eine umfassende Online-Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern, die aktuelle Antworten auf diese Frage liefern soll – und mehr als 2.000 haben sich daran beteiligt. In der kommenden Woche (genauer: am 9. April um 11 Uhr) sollen die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz präsentiert werden. 

Klappt es mit dem Handschreiben? Foto: Shutterstock

Die für Deutschland repräsentative Studie trägt den Titel STEP 2019 („Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben”). Grundschullehrkräfte und Lehrkräfte aus weiterführenden Schulen bekamen dabei verschiedene Fragen vorgelegt, um die unterschiedlichen Entwicklungsstände ihrer Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen.

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Was war der Anlass für die groß angelegte Umfrage? “Wir haben beobachtet, dass die Lesbarkeit der Handschrift bei Schülerinnen und Schülern immer schlechter geworden ist, dass auch die Ausdauer zurückgegangen ist und Kinder beim Schreiben schneller ermüden. Aber wir engagieren uns vor allem deshalb, weil wir wissen, welche positiven Auswirkungen das Handschreiben auf die gesamten Lernfähigkeiten eines Kindes hat”, so antwortete VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann in einem Interview auf News4teachers.

Dr. Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts, erklärte: “Bei uns klagen immer wieder Lehrer und Eltern über Probleme mit dem Handschreiben in der Schule. Ein großer Teil der Kinder in Deutschland erreicht am Ende der vierten Klasse nicht den von der Kultusministerkonferenz geforderten Kompetenzstandard einer lesbaren und flüssigen Handschrift. Bereits vor drei Jahren berichteten wir über das Ausmaß dieses Problems in den Grundschulen und weiterführenden Schulen, jetzt möchten wir den aktuellen Stand erheben.”

“Es geht um Bildungschancen”

Weiter sagte die Ergonomie-Expertin: „Es geht beim Handschreiben nicht nur um eine schöne – aber im Zeitalter der Digitalisierung doch verzichtbare – Kulturtechnik, sondern um Bildungschancen. Neurowissenschaftler weisen darauf hin, dass bei Kindern die motorische und die kognitive Entwicklung zusammenhängen.“

Eine aktuelle Studie zur Kindergesundheit, das “Motorik-Modul”, kam unlängst zu dem Ergebnis, dass sich Kinder heute deutlich weniger bewegen als noch vor wenigen Jahren (News4teachers berichtete). Danach sank die körperliche Alltagsaktivität in der Altersgruppe der 4- bis 17-Jährigen in den vergangenen zwölf Jahren um 37 Prozent. Kinder spielten heute sehr viel weniger im Freien als früher, hieß es. Sie träfen sich kaum noch auf dem Sportplatz zum Raufen, Toben oder Ballspielen. Zudem würden Kinder und Jugendliche häufig mit dem Auto zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten gefahren. Ob der Bewegungsmangel Auswirkungen auch auf die Entwicklung der Schreibmotorik hat? Nächste Woche werden wir darüber mehr wissen. News4teachers

„Handschreiben ist ein ganzheitlicher Lernprozess“ – ein Interview über die Hintergründe zur laufenden Lehrer-Umfrage

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2 KOMMENTARE

  1. Der Grundschulverband wirbt immer noch mit der Losung, dass die durch die von seinen Vertretern aus der Druckschrift entwickelte Grundschrift, die Schüler von der Feinmotorisch entlastet, obwohl gerade in dieser Phase der Schreibentwicklung eine verbundene Handschrift mit Hilfe von strukturierten Einübungsphasen von Anfang an einfacher zu vermitteln wäre.
    Das gelingt aber nur mit einer verbundenen Schreibschrift, deren hauptsächlich verwendeten kleinen Buchstaben links unten ansetzen und eben rechts unten enden. Somit kann man diese Buchstaben flüssig miteinander verbinden.
    Aus einer Druckschrift werden nur die aller wenigsten Schüler eigenständig , wie vom Grundschulverband gefordert, eine verbundene Schreibschrift entwickeln können. Dies gelingt erst durch strukturierte Schreibförderkurse, die schreibmotorische Übungen beinhalten.
    Allerdings müsste der Schreibablauf der Buchstaben auch von vornherein vorgegeben werden, weil sich die motorischen Bewegungsabläufe von Anfang an einschleifen und durch deren weitere Anwendung in ihrem Ablauf sich schreibmotorisch weiter festigen.
    Und auch durch die von den selben Vertretern früher geförderte “Vereinfachte Ausgangsschrift”, gelingt bedingt durch die vorgesehen Haltepunkte kein fließender Schreibfluss.

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