Notenabzug bei Rechtschreibfehlern – auch in anderen Fächern

8

STUTTGART. Rechtschreibfehler in Klassenarbeiten dürfen auch jenseits des Faches Deutsch mit Notenabzug geahndet werden. Das baden-württembergische Kultusministerium nimmt eine entsprechende Regelung in die Notenbildungsverordnung auf, wie eine Sprecherin von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Bis zum Jahr 2002 habe es schon eine Regelung gegeben. Diese sei dann aber ausgelaufen. Mit der neuen Vorschrift erhielten die Lehrer nun Verbindlichkeit und Orientierung.

Immer mehr Schüler haben Probleme mit der Rechtschreibung. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)
Rechtschreibung zählt – bald auch zum Beispiel in Mathe-Arbeiten. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)

«Schwerwiegende und gehäufte Rechtschreibfehler können bei der Bewertung der Leistung mit einem Notenabzug bis zu einer Note bewerten werden», heißt es in dem Änderungsentwurf, über den die «Schwäbische Zeitung» zuerst berichtete. Dieser befinde sich derzeit in der Anhörungsphase. Die Änderung soll laut Ministeriumssprecherin im Laufe des kommenden Schuljahres in Kraft treten. Kinder mit einer Rechtschreibschwäche sollen davon allerdings verschont bleiben.

Anzeige


“Rechtschreibung ist eine elementare Kulturtechnik”

Für die Ministerin sei die Regelung die logische Konsequenz aus ihren Bemühungen um mehr Qualität an den Schulen, sagte die Sprecherin weiter. «Rechtschreibung ist eine elementare Kulturtechnik und gehört wie Lesen und Rechnen zu den Schlüsselqualifikationen», wurde Eisenmann zitiert. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Gebauer will Rechtschreibung verbessern – verbietet “Lesen durch Schreiben” aber nicht

Anzeige


8 KOMMENTARE

  1. Gibt es in BaWü den klassischen Fehlerquotienten noch und wurde er durch diese Richtlinie ggf. wieder eingeführt?

  2. Ich finde, das verfälscht die Fachnoten. Jemand kann ein Genie in Mathematik sein und schlecht in Rechtschreibung. Er bekommt dann in Mathematik jedoch nicht seine mathematischen Kenntnisse und Fähigkeiten bescheinigt, wie es doch wohl sein sollte, sondern seine mathematischen und orthografischen Kenntnisse und Fähigkeiten.

    Außerdem werden die orthografischen Kenntnisse und Fähigkeiten aber auch noch im Bereich Rechtschreiben in Deutsch bewertet. Ich finde es wie gesagt eine Verfälschung der Fachnoten.

  3. Keine Ahnung, ob das in diesem Bundesland anders ist, aber das ist doch sowieso schnuppe, da alle Eltern, die wollen, für ihr Kind eh eine LRS-Bescheinigung bekommen können, damit wird es dann häufig wieder nicht mehr gewertet.
    Bei uns ist es mittlerweile so, dass alle Eltern, deren Kinder schlecht in Deutsch sind oder in Mathematik sich entsprechend testen lassen. Ich habe dabei NOCH NIE erlebt, dass ein Kind ohne solche eine Diagnose aus einer Praxis gekommen ist. In Mathematik reicht es ja in den Tests, dass die Leistung nicht auf dem Niveau anderer gleichaltriger Kinder ist, was meiner Meinung nach nicht das geringste über Dyskalkulie aussagt.

    Dementsprechend, was soll so eine Regelung bringen? Die Kinder, bei denen das wirklich etwas ausmacht, bekommen dann den LRS Stempel und müssen sich dann in Zukunft keine Sorgen mehr machen.

  4. Einerseits ist es richtig, dass die Kinder, die Probleme in Deutsch haben dann auch noch in anderen Fächern abgestraft werden. Andererseits fragen meine Kids vor der Arbeit : „Zählt die Rechtschreibung.“, und wenn dann ein nein erfolgt, geben sie sich gar keine Mühe mehr und schreiben wir plötzlich mit ie, oder ihn ohne h, obwohl sie es wissen. Ich persönlich denke, solchen Quatsch, den jeder können müsste sollte man bei extremer Häufung doch ahnden, auch wenn ich sonst dagegen bin.

    • Die Beobachtung, dass Kinder sich keine Mühe mehr mit der Rechtschreibung und auch dem Schriftbild geben, wenn diese nicht zählen, mache ich auch. Es wird einfach wild drauflosgeschrieben.
      Mein Neffe wurde in einer Mathematikarbeit für seine “Sauklaue” einmal empfindlich gestraft. Der Lehrer weigerte sich, die schlimmsten seiner unleserlichen Zahlen als richtig zu werten. Die Empörung war groß, der Lerneffekt aber auch. Seitdem bemüht sich mein Neffe um eine allgemein bessere Schrift.
      Was tausend mahnende Worte (auch der Eltern) vorher nicht erreicht hatten, war ihm ruck zuck beigebracht worden.

    • @ Olle Schachtel, klingt etwas sehr widersprüchlich. Üben wir nicht mit den Kindern wochenlang Rechtschreibphänomene in Deutsch, die sie dann in Tests durchaus gut “bestehen” und im nächsten Aufsatz ist alles wieder vergessen? Und wie oft kommt es zu Übergeneralisierungen, d.h., ein Kind hat eine Regel gut gelernt und wendet sie dann aber dort an, wo diese Regel leider doch wieder nicht gilt. Ich will damit zum einen sagen, dass Kinder meiner Meinung nach nicht absichtlich falsch schreiben und andererseits, dass wir sie dafür abstrafen würden, dass (im zweiten Falle) unsere Rechtschreibregeln nicht immer logisch sind bzw. konsequent gelten, was die Kinder erst noch lernen müssen. Außerdem müssen sie sich dann z.B. in Mathematik auf das richtige Rechnen KONZENTRIEREN und nebenbei noch auf Regeln, die in diesem Falle gelten, aber in einem anderen nicht und Sie wollen bei der Korrektur dann berücksichtigen, welche Rechtschreibregeln das Kind bereits kennen muss (also Punkteabzug) und welche nicht (also kein Punkteabzug) und welche Regel es gut gelernt und verstanden hat, die aber in diesem Falle nicht gilt (auch Punkteabzug?).

      Ich bin aus diesen Gründen also dagegen, dass Rechtschreibung außerhalb des Faches Deutsch negativ sanktioniert wird. Bei Unleserlichkeit sehe ich das anders. Aber das ist ja auch ganz klar: Wir Lehrer raten nicht, was da stehen soll, wenn es nicht erkennbar ist, kann der Punkt nicht gegeben werden. Aber wenn das Kind in Geografie z.B. alle Hauptstädte der deutschen Bundesländer weiß, aber einzelne falsch schreibt, dann weiß es eben doch alle Hauptstädte (geografische Kenntnisse sehr gut) und ich finde es unfair, ihm wegen der Rechtschreibfehler die geografischen Kenntnisse zu verfälschen.

      Wenn es wichtig ist, kann man doch den Deutschlehrer bitten, dazu einen Test schreiben zu lassen und dann die Note im Bereich Rechtschreiben eintragen zu lassen, oder?

      • Oder man schreibt selbst so einen “Fachwörtertest”, bittet aber den Deutschlehrer, die Note als Rechtschreibnote einzutragen. In der Regel freuen die sich doch, weitere Noten “geliefert” zu bekommen, aus denen sie dann eine Zeugnisnote machen können.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here