„Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist ein Märchen“: Warum der Ansturm aufs Gymnasium gute Gründe hat

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BERLIN. Immer größer ist bundesweit der Anteil der Schüler, die nach der Grundschule aufs Gymnasium wechseln. Zwei von fünf Kindern sind es mittlerweile (News4teachers berichtete).  Ist das Ausdruck eines „Akademisierungswahns“, der die Eltern in Deutschland erfasst hat? Oder ist das Phänomen nicht doch Ausdruck eines rationalen Wahlverhaltens – angesichts deutlich besserer beruflicher Perspektiven, die sich aus dem Abitur ergeben? Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist tatsächlich mehr frommer Wunsch als Realität, wie Statistiken zeigen. Der öffentliche Dienst ist dabei keine Ausnahme.

„Die Ausbildung in den Betrieben ist genauso viel wert wie an den Universitäten“, sagt Bundesbildungsministerin Karliczek. Aber stimmt das auch? Illustration: Shutterstock

„Wir brauchen in Zukunft wieder wesentlich mehr junge Leute, die eine duale Ausbildung machen. Nur auf Akademiker zu setzen ist falsch“, sagte Wolfgang Grenke, Präsident des Industrie- und Handelskammertags Baden-Württemberg, zum Jahresbeginn  in Stuttgart. Es müssten die Fachkräfte von morgen gesichert werden. Die Unternehmen im Ländle würden bis 2030 jede siebte Fachkraftstelle nicht besetzen können. Dabei verdiene etwa ein Handwerksmeister „in vielen Fällen mehr als ein Hochschulabsolvent“, sagte Grenke.

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“Es wird Zeit, dass wir alle Schulabschülüsse wieder gleichermaßen wertschätzen”

Politiker stimmen mit ein. „Die Akademisierungsquote war in internationalen Studien über viele Jahre der zentrale Maßstab für Bildungsqualität. Ich glaube, das hat uns beeindruckt und zu falschen Signalen verleitet“, meint etwa die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). “Dabei haben wir mit dem dualen System ein Alleinstellungsmerkmal auf höchstem Niveau. Es wird deshalb Zeit, dass wir vom bildungspolitischen Ansatz her alle Schulabschlüsse wieder gleichermaßen wertschätzen. Wir müssen deutlich machen, dass nicht jeder das Abitur braucht und dass kognitive und handwerkliche Begabungen absolut gleichwertig sind.“

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) stößt ins gleiche Horn. Ihr zufolge wird die berufliche Ausbildung in Deutschland immer noch zu wenig wertgeschätzt. „Die Ausbildung in den Betrieben ist genauso viel wert wie an den Universitäten“, beteuert sie.

Aber: Stimmt das auch?  Menschen mit Berufsausbildung haben immer noch wesentlich schlechtere Karrierechancen als Absolventen mit Hochschulabschluss – meinen jedenfalls aktuell die Grünen und berufen sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage. „Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist ein wichtiger Anspruch – in der realen Berufswelt leider ein modernes Märchen, das Bildungsministerin Karliczek in jeder Rede erzählt“, erklärt der Grünen-Bildungsexperte Kai Gehring im Gespräch. Es gebe kaum Führungskräfte ohne Hochschulabschluss, von höheren Posten im öffentlichen Dienst seien beruflich Qualifizierte gänzlich ausgeschlossen.

Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keinen Überblick über die Zahl von Nicht-Akademikern in Führungspositionen. In der Regierungsantwort auf die Anfrage Gehrings und weiterer Grünen-Politiker zum Thema heißt es: „Zur Entwicklung der Anzahl von Führungskräften ohne Hochschulabschluss bei privaten Unternehmen und bei Einrichtungen der öffentlichen Hand bzw. staatlichen Einrichtungen liegen der Bundesregierung keine belastbaren Daten vor, da keine allgemein anerkannte Definition für Führungskraft existiert.“

„Der öffentliche Dienst sollte Vorreiter und Vorbild sein“

Gehring fordert die Regierung auf, Laufbahnregelungen und das Tarifrecht so zu ändern, dass bei Stellenausschreibungen für den höheren Dienst in Bundesbehörden auch Bewerber ohne Hochschulabschluss, aber mit gleicher Qualifikation zum Zuge kommen. „Der öffentliche Dienst sollte Vorreiter und Vorbild sein.“  Zudem verlangte er statistische Erhebungen, um festzustellen, wie sich die Anzahl von Nicht-Akademikern in Führungsetagen von Unternehmen und öffentlichem Dienst entwickelt.

Die Antwort der Bundesregierung zeigt auch, Beschäftigte mit Hochschulabschluss haben im Vergleich zu Beschäftigen mit Berufsausbildung sowohl beim Einkommen als auch beim Risiko, arbeitslos zu werden, weiterhin die besseren Karten: So kamen Akademiker beim Berufseinstieg 2018 auf ein mittleres Einkommen von 3640 Euro brutto, Einsteiger mit Berufsausbildung auf 2488 Euro. Die Arbeitslosenquote lag bei Akademikern mit 2,2 Prozent einen Prozentpunkt unter der von Beschäftigten mit Berufsausbildung.

Lange hat die OECD Deutschland dafür kritisiert, dass hierzulande angeblich zu wenige junge Menschen einen akademischen Abschluss erreichen. Zuletzt lobte die OECD Deutschland ausdrücklich für sein Duales System und seine niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Ein Widerspruch? Der OECD-Bildungsdirektor und PISA-Koordinator Andreas Schleicher erklärte schon 2016 gegenüber News4teachers: „Beides ist richtig. Das Duale System bietet einen hervorragenden Berufseinstieg, ja. Aber dieser Erfolg darf uns den Blick für die Realität nicht verstellen – Akademiker haben einen großen Gehaltsvorteil, und der ist in den vergangenen Jahren nochmal enorm gewachsen. Die langfristigen Berufsaussichten bleiben für Hochschul-Absolventen gut.“

Schleichers Schlussfolgerung: „Deutschland muss die Bereiche stärker miteinander verzahnen, etwa durch eine Stärkung des Dualen Studiums.“ News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers kommentiert.

Immer mehr Grundschüler wechseln aufs Gymnasium, immer weniger auf die Hauptschule – Philologen: Kein Anspruch aufs Abitur

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22 KOMMENTARE

  1. Die Wirtschaft wollte zuerst mehr Abiturienten, weil die anderen nicht mehr genug konnte. Haben sie bekommen mit der Folge, dass die anderen geringere Chancen hatten und somit immer mehr das Abitur anstrebten.

    Die Wirtschaft möchte derzeit mehr Bachelors, weil die Abiturienten nichts mehr können und die anderen noch viel weniger, mit der Folge, dass noch mehr studieren und die anderen kaum noch eine Chance haben.

    Es ist alles ein geliefert wie bestellt. Wenn man sich aber die Studiengänge anschaut, dann schneiden hinsichtlich Berufs- und Einkommensaussichten so ziemlich alles aus “Was mit Medien” und die Geisteswissenschaften inkl. Journalismus besonders schlecht ab. Warum das dann so viele auswählen und nicht die Ingenieurswissenschaften, weiß ich nicht. Vielleicht sind doch nicht 50% eines Jahrgangs so studierfähig, wie die Politik glaubt und den Schülern verkündet.

  2. Meiner Meinung nach ist es Ausdruck eines “Akademisierungswahns”, der nach der ersten PISA-Studie begann, als man sich zum Ziel machte, die Quote der Studierenden deutlich zu erhöhen, was einherging mit einer Abwertung der nicht-akademischen Berufe.

    Bis dahin gab es immer ausreichend viele Menschen, die lieber dies oder lieber das beruflich machen wollten im Leben und danach ihren Bildungsweg bestimmten. Wer zu Geld kommen wollte, konnte und kann das auch ohne Studium realisieren.

    Heutzutage herrscht eine Stimmung, dass man zu den Versagern zählt, wenn man nicht ans Gymnasium kommt. Das ist die Folge, nicht die Ursache!

  3. Hanna-Renate Laurien (CDU) warnte bereits 1979 als Kultusministerin von Rheinland-Pfalz vor einem sich abzeichnenden „Akademikerberg“ bei einer damaligen Studierendenquote von rund 20%.Schon heute, so Frau Laurien damals, gebe es mehr Architekturstudenten als Maurerlehrlinge. Wer solle da in Zukunft die Häuser hochziehen, wenn auf dem Bau bald neben einem Handwerker zwei Gelehrte stünden.

    Wie der aktuelle Bildungstrichter zeigt, haben Kinder aus sozial benachteiligten Familien nur sehr eingeschränkte Chancen, aufzusteigen. Deutlich wird dies besonders, wenn man die Bildungsoptionen von Jugendlichen aus Akademikerfamilien mit denen auch Nicht-Akademikerfamilien vergleicht. Gut Dreiviertel (79%) der Akademikerkinder haben einen Zugang zur Hochschule, bei den anderen ist es lediglich ein Viertel (27%). Bemerkenswert ist auch die Bildungsbeteiligung in der Sekundarstufe II. Von den Kindern aus Akademikerfamilien besuchen bereits 83% eine gymnasiale Oberstufe, bei den Nicht-Akademikern sind es hingegen 46%. Nach diesen Zahlen kann man wohl davon sprechen, dass in Deutschland in Akademikerfamilien der Akademikerstatus „vererbt“ und den anderen der Aufstieg nur erschwert ermöglicht wird.
    Aufstiegschancen sind aber fundamentale Voraussetzungen für soziale Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft. Ein Plädoyer für die Reduzierung der Akademikerquote in Deutschland würde nach diesen Zahlen bedeuten, dass weniger Kinder aus Akademikerfamilien ein Studium absolvieren sollten, bei der deutlich unterrepräsentierten Quote der Nicht-Akademiker ist wohl eher Nachholbedarf geboten.
    Mit einer akademischen Ausbildung geht eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Bildungsverläufen einher: Menschen mit einer akademischen Ausbildung haben nach wie vor in Deutschland die besten Aussichten auf einen attraktiven Arbeitsplatz und ein geringeres Risiko, arbeitslos zu sein. Sie verdienen in der Regel auch mehr.
    Natürlich brauchen wir auch in Zukunft genügend Auszubildende in Handwerk und Handel. Und natürlich benötigen wir für unsere Frühstücksbrötchen keine Bäcker mit Hochschuldiplom. Es ist aber eine Illusion, wenn angenommen wird, dass freie Lehrstellen dann besetzt werden könnten, wenn man Studienplätze begrenzen würde. Hier sollten wir uns vielmehr um die knapp 20% so genannten Risikoschüler kümmern und durch gezielte Förderung dafür sorgen dass sie zukünftig über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch, nur die Durchführung lässt seit Jahren zu wünschen übrig.
    Die z. Zt. geführte Diskussion über Reduzierung der Studierendenquote, die ein Gleichgewicht zwischen akademischer und nicht-akademischer Ausbildung herstellen soll, ist nicht zielführend. Solange Akademiker in Deutschland mit wachsendem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden und solange ein Hochschulabsolvent heute im Durchschnitt deutlich mehr verdient als jemand mit Sekundarabschluss oder Lehre wird der Arbeitsmarkt die Nachfrage steuern. Das wissen auch die jungen Leute und sie orientieren sich deshalb daran. Industrie und Handel müssen sich fragen lassen, warum gerade hier die sonst so gelobten Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage außer Kraft gesetzt werden sollen.

    Mal unterstellt, dass die Studienplätze beschränkt werden sollten, z.B. durch Reduzierung der Vergabe von Hochschulzugangsberechtigungen. Wem wollen wir dann verbieten, ein Studium zu beginnen. Es wäre wohl kaum durchsetzbar, die deutlich überrepräsentierten Kinder aus Akademikerfamilien vom Studium abzuhalten. Die eh schon unterrepräsentierten Jugendlichen aus nichtakademischen Familien noch stärker vom Studium auszuschließen würde aber gegen die Grundregeln der sozialen Gerechtigkeit verstoßen. Hier muss eher ermutigt werden, die Aufnahme eines Studiums ernsthaft zu prüfen.
    Einige werden hier entgegnen: Wir müssen halt akzeptieren, dass nicht alle Menschen gleich schlau sind. Was den Chauvinismus einer solchen Argumentation so richtig unerträglich macht: Sie ignoriert die Vielzahl von Studien, denen zufolge die systematische Bildungsungerechtigkeit unabhängig von der Intelligenz zuschlägt.
    Mein Fazit: Die Debatte über die adäquate Akademikerquote, verpackt hinter der Forderung nach gleicher Wertschätzung von beruflicher und akademischer Bildung, ist wesentlich von Dünkel und Privilegiensicherung geprägt. Die meisten, die solche Forderungen erheben, reden immer über die Kinder anderer Leute. Ihre eigenen Kinder gehen natürlich den akademischen Weg

    • Warum beschweren Sie sich eigentlich nicht darüber, dass nur 21% der Akademikerkinder eine berufliche Ausbildung machen, während es 73% der nicht-Akademikerkinder sehr wohl tun?

    • Was ist dann ihr Vorschlag?

      “Hier sollten wir uns vielmehr um die knapp 20% so genannten Risikoschüler kümmern und durch gezielte Förderung dafür sorgen dass sie zukünftig über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch, nur die Durchführung lässt seit Jahren zu wünschen übrig.”

      Wir können doch all diese Jobs nicht mit 20% der Gesellschaft abdecken. Sollen dann die anderen 80% weiterhin Abitur machen und 5 Jahre studieren?
      Inwiefern diese 20% überhaupt in die Lage gebracht werden teilweise hochkomplexe Tätigkeiten nachzugehen, stelle ich mir schwierig vor. Ein Bekannter bildet Elektroniker aus und dieser erzählt, dass bei einem signifikanten Teil nach Monaten festgestellt werden muss, dass diese Personen es einfach nie schaffen werden diesen Job selbstständig und korrekt auszuführen. Dabei liegen die Anforderungen mittlerweile am absoluten Minimum. Das sind dann eben diese 20% von denen Sie sprechen.

    • Herr Möller: “Die meisten, die solche Forderungen erheben, reden immer über die Kinder anderer Leute.”
      Das scheint auch auf jene SPD-Genossen zuzutreffen, die in Sonntagsreden Gesamtschulen und das längere gemeinsamen Lernen predigen, ihre eigenen Kinder aber lieber auf ehrwürdige Gymnasien oder gar in Privatschulen schicken (der Inbegriff der sozialen Segregation).

      Was aber den Ansturm auf die Hochschulen betrifft, so sehen diese sich quasi gezwungen, wegen der zunehmenden Heterogenität allerlei Neuerungen einzuführen, weil sie leider nicht mehr davon ausgehen können, dass Studierende Grund-Kenntnisse und -Fähigkeiten mitbringen:
      https://www.studentenwerke.de/sites/default/files/ibs_fachtagung_2015_heterogenitaet_und_anforderungen_an_lehre_szcyrba.pdf
      Plötzlich braucht man “Diversitätsansätze und Diversity-Kompetenz”. Diesen Text muss man mal “gegen den Strich” lesen, um ihn richtig genießen zu können. Leute wie die Autorin dominieren mehr und mehr die Ausrichtung der Lehre an Hochschulen, besonders in NRW. Nebenbei erfährt man auf der letzten Seite, dass (jedenfalls theoretisch) die “employability” ein wichtiges Ziel der Sache ist. Employability statt Wissenschaft und Bildung, Studierende als “gehobene Azubis”. Was würde Humboldt dazu sagen?

      • Besonders die auf den Markt geworfenen Bachelors of irgendwas halte ich für schwierig vermittelbar, weil sie weder die Praxis der Gesellen noch die Theorie der Master gelernt haben.

    • “Die Debatte über die adäquate Akademikerquote, verpackt hinter der Forderung nach gleicher Wertschätzung von beruflicher und akademischer Bildung, ist wesentlich von Dünkel und Privilegiensicherung geprägt. Die meisten, die solche Forderungen erheben, reden immer über die Kinder anderer Leute. Ihre eigenen Kinder gehen natürlich den akademischen Weg.”

      Dieses Fazit halte ich für falsch. Damit unterstellen sie denjenigen, die eine akademische Ausbildung haben, unlautere Motive und Standsicherung. Dagegen verwehre ich mich entschieden!
      Es zeigt eher den Grundgedanken, dass eine akademische Ausbildung angeblich etwas besseres sei und mehr Wert habe als eine solide Handwerkerausbildung. Das ist eine Abwertung allen Handwerkern gegenüber. Ich finde, wir sollten endlich einmal nichtakademische Berufe wertschätzen! Die Gesellschaft braucht das Sammelsurium der Berufe, um unsere derzeitigen Luxusbedürfnisse zu befriedigen, sonst würden wir wieder in eine Frühform der Gesellschaftsformen zurückfallen, wo jeder um einiges autarker war um überleben zu können.
      Und ich schreibe es noch einmal: Ich selbst komme aus einem nicht akademischen Umfeld. Durch Eigenleistung, eine gewisse Begabung und (frühzeitiges) Bildungsinteresse, am besten vermittelt durch Personen aus dem Lebensumfeld (meist Eltern) kann man, wenn man das anstrebt, eine anspruchsvollere Schulbildung absolvieren.
      Mein Fazit: Zum einen müssen auch die nicht akademischen Berufe wertgeschätzt werden, zum anderen braucht es eine Art Elternschulung gleich nach der Geburt um diese zu sensibilisieren, was wichtig für die positive geistige (Bildungsinteresse) und emotionale Entwicklung des Kindes ist.

      • @ ysnp: “Damit unterstellen sie denjenigen, die eine akademische Ausbildung haben, unlautere Motive und Standsicherung.”
        Das tue ich gar nicht. Ich spreche in meinem Fazit lediglich die Akademiker an, die für eine reduzierte Akademikerquote eintreten und dies mit einer unverbindlichen Forderung nach gleicher Wertschätzung von akademischer und nicht-akademischer Ausbildung rechtfertigen.
        Die Realität der gleichen Wertschätzung sieht aber anders aus, wie dies auch der nt-Artikel darstellt.
        “Mit einer akademischen Ausbildung geht eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Bildungsverläufen einher: Menschen mit einer akademischen Ausbildung haben nach wie vor in Deutschland die besten Aussichten auf einen attraktiven Arbeitsplatz und ein geringeres Risiko, arbeitslos zu sein. Sie verdienen in der Regel auch mehr.” Oder wollen Sie das bestreiten?
        Also werden die stets gepriesenen Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage greifen.
        Wie soll denn Ihrer Meinung nach die gleiche Wertschätzung realisiert werden. Schöne Worte helfen hier wohl kaum.

        • Sie wollen aber die Gesetze der Marktwirtschaft mit Methoden des Sozialismus angehen. Das hat noch nie funktioniert.

          Ganz abgesehen davon geht es nicht um eine reduzierte Akademikerquote, es geht viel mehr um eine nicht mehr weiter ansteigende.

          • Ach so, wer nachgewiesene Bildungsbenachteiligungen aufzeigt, will den Sozialismus einführen. Wie einfach ist doch Ihre Welt.
            Der Blog auf new4teachers hat solche Argumente nicht verdient.

        • “Wie soll denn Ihrer Meinung nach die gleiche Wertschätzung realisiert werden. Schöne Worte helfen hier wohl kaum.”
          Indem man nicht auf der Schiene “Akademisierung für viele” weitermacht. Letztendlich ist das nur Augenwischerei. Eine qualitative Akademisierung, die hohe kognitive Fähigkeiten voraussetzt, erreichen eben nicht viele wie auch hochwertige handwerkliche Standards nicht alle erreichen können.
          Es geht um das Bewusstsein, dass ein Beruf auch ohne Akademisierungsgrad etwas wert ist.

          • “Es geht um das Bewusstsein, dass ein Beruf auch ohne Akademisierungsgrad etwas wert ist.” Dem stimme ich voll zu, schon bevor Sie dies hier schreiben.
            Aber mit Ihrer Forderung
            “Indem man nicht auf der Schiene “Akademisierung für viele” weitermacht”
            habe ich große Probleme.
            Wer soll denn danach was machen? Und wer soll festlegen, wie viele akademisch ausgebildete Menschen wir in Zukunft brauchen?Vielleicht konkretisieren Sie diesen für mich inhaltsleeren Satz etwas.

      • Wertschätzung im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft wird aber in Form der gezahlten Entgelte gezeigt. Nur wer ist denn bereit für die Arbeitsleistung eines Handwerkmeisters den gleichen Stundensatz zu entrichten wie er Industriemeistern z.B. beim “Daimler” gezahlt wird?

        Der gesamte Irrsinn zeigt sich doch an der Frage, wie lange müsste ein Handwerksgeselle z.B. als Installateur arbeiten, um den Verrechnungssatz eines Gesellen z.B. Kfz-Mechatroniker bei einer Autoreparatur bezahlen zu können.

        Des Weiteren – ich habe in den 80ern studiert – ist uns schon zum damaligen Zeitpunkt klar gewesen, dass wir bei rd. 35 Jahren aktiven Arbeitlebens mit entsprechenden Abgaben an die GRV selbst bei deutlich höherem Verdienst es nicht schaffen könnten, auf die gleiche Anzahl von Entgeltpunkten zu kommen wie diejenigen, die mit 16 eine betriebliche Ausbildung in einem IGM-tarifgebundenen Betrieb zu erreichen.

        Gut, damals war das Thema “Leiharbeit” noch keines, aber die betrifft Ingenieure genauso wie Facharbeiter – ebenso wie das Thema “ALG II”.

  4. Würde man die schulischen Ausbildungsgänge an den Höheren Fachschulen als akademische Ausbildung, die gleichwertig mit der hochschulischen “Ausbildung” zum Bachelor anzusehen ist, einstufen, hätte man das Problem nicht.

    Dann entspricht der auf der beruflichen Schiene erworbene Abschluss des staatl. gepr. Bautechniker dem Hochschulgrad des Bachelor of Engeneering im Bereich Bauingenierwesen.

  5. Die Disziplinen tragen selbst dazu bei. Alles wird akademisiert. Die Krankenschwester war bspw. bis in die 90er und 00er-Jahre eine top-ausgebildete Spitzenkraft mit wichtigsten Funktionen; vielfach auch mit höchst geschätzter medizinischer Expertise. Heute lässt man sich das Berufsbild kaputt quatschen und findet nichts dabei, Hungerlöhne zu zahlen. Früher gingen Top-Realschüler nach 10 gerne ins Krankenhaus, heute tut sich das keiner mehr an. Man strebt nach Klasse 11 und generell zu höherem und der Minister rekrutiert die Fachkräfte im Kosovo. Und dann: Muss man doch tatsächlich studieren! Genau wie die Erzieherin! Und so macht eben der angehende Studiendirektor denselben Abschluss in der Schule wie die Kindergärtnerin und die Krankenschwester braucht das Abitur wie der Chefarzt der Onkologie. Doch wird es dadurch besser in den Institutionen? Natürlich nicht.

    • Beispiel “Kranakenschwester”. Früher gab es die zweijährige Ausbildung zur Pflegehelferin, die dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester sowie die weitergehende Ausbildung zur staatlich geprüften Pflegekraft. Zusätzlich gibt es weiterführenden Qualifikationen z.B. zur OP-Schwester, Intensivpflege, anästhesietechnische Assistenz etc.

      Heute führt der Weg in der Regel über die Fachoberschulreife zur schulischen Pflegeausbildung. D.h. es wird der Mittlere Schulabschluss für die ausbildung gefordert. Dafür gibt es am Ende der Ausbildung garantiert weniger als 2000 EUR netto und zusätzlich Schichtdienst inklusive Nacht- und Sonntagsarbeit. Karrieretechnisch ist bei der Stationsleitung das Karriereende erericht. Die Pflegeleitung ist ohne akademischen Abschluss nicht zu erreichen.

      Das Problem liegt woanders. Bezeichenen Sie heute einmal einen Polizeibeamten oder eine Polizeibehörde als Hilfsorgan der Staatsanwaltschaft, die sie ja de jure ist. Die Staatsanwaltschaft ist Herrin von strafrechtlichen Ermittlungen und somit weisungsbefugt. Hier gilt dassgleiche wie bei den Gesundheitsberufen. Der Polizist muss, um sein Studium der öffentlichen Verwaltung aufnehmen zu können, die Fachhochschulreife haben. Der Staatsanwalt die allgemeine Hochschulreife plus erstes undzweites juristisches Staatsexamen.

      Was spricht also dagegen, dass “Krankenschwestern” eine akademische “Ausbildung” bis zum Bachelor-Abschluss wie Polizisten erhalten? Im Gegenzug ist dann aber auch der Aufgabenbereich-/Kompetenzbereich dieser Pflegekräfte zu erweitern.

      In deutschland wird die Duale Ausbildung immer als das Maß der Dinge dargestellt. Das mag im Handwerk noch klappen, da der meisterzwng die Innungsmitglieder schützt. Im Zuständigkeitsbereich der IHK sieht das schon anders aus. In den betrieben arbeiten betriebliche (ernannte) Meister neben den kammergeprüften Meistern. Darüberhinaus gibt es viele Bereiche z.B. kaufmännische Berufe, in denen es keine “Meister-Ausbildung” gibt. Hier kann zur beruflichen Fortbildung nur der Fachwirt abgeschlossen werden. Das Problem dieser Fachwirt-/Technikerausbildung ist, dass sie nicht zwangsläufig durch das Aufstiegs-BAFöG unterstütz wird, da sie als Zweitausbildung ähnlich wie ein Zweitstudium angesehen wird.

  6. Grundschullehrer z.B. bräuchte man nicht studieren zu lassen. Die DDR hat vorgemacht, dass ihre Ausbildung und Qualifikation trotzdem hochwertig sein kann. Wer wollte das mit welchen Belegen bestreiten?

    Erzieher wollen manche nun auch studieren lassen, weil die bisher ausgebildeten den Job zu schlecht machen?!? Und warum will man nun sogar Hebammen studieren lassen?

    Kein Wunder, wenn man glaubt, ohne Abitur könne man nichts mehr werden. Aber das ist Folge und nicht Ursache!

    • Und die DDR ist von ihren eigenen Bürgern abgeschafft worden. Kein Grund, aus diesem Unrechtsstaat irgendetwas zu bejubeln …

      • Das Schulsystem war deutlich besser als in Westdeutschland, wie der Leistungsvergleich kurz nach der Wende zeigte. Die Bespitzelung, die Mangelwirtschaft usw. sind ein anderes Blatt und ein Zeichen, dass Kommunismus und Planwirtschaft nicht funktionieren können. Es ist nur seltsam, weshalb der Sozialismus in diesem Land oder sogar Westeuropa zumindest gefühlt wieder eingeführt werden soll.

    • Die DDR hatte auch ein hervorragendes Grenzsicherungssystem, das auch größtenteils ohne akademische Ausbildung ausgekommen ist. Wobei es sicher nicht nachteilig war, vor der studienaufnahme bei den Grenztruppen gedient zu haben. Für Bausoldaten war die Chance auf einen Studienplatz bzw. die Ausbildung zum Erzieher oder zur Grundschullehrkraft deutlich geringer.

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