Ist der Leistungsdruck zu hoch? Schülersprecher fordern: Hausaufgaben abschaffen!

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WIESBADEN. Jedes sechste Schulkind in Deutschland leidet nach Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts an psychischen Problemen. Die Landesschülervertretung Hessen hat die Lage an den Schulen des Landes analysiert – und stellt viele Forderungen an die Politik.

Viele Schüler kommen mit dem Leistungsdruck nicht zurecht. Foto: Shutterstock

Die Landesschülervertretung Hessen kritisiert mangelnde Unterstützung von Schülern bei psychischen Problemen. Psychische Belastungen seien für die Schülervertreter ein allgegenwärtiges Thema, teilte Landesschulsprecherin Lou-Marleen Appuhn am Montag in Wiesbaden mit. Eine Umfrage unter rund 50.000 hessischen Schülern ergab, dass mehr als jeder Zweite in Mittel- und Oberstufe durch Hausaufgaben gestresst sei. Manche beklagten sogar Schlafstörungen oder Burnout. Nicht einmal die Hälfte erhalte Hilfe.

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Im Unterricht soll in Gruppen gelernt werden – fordern die Schüler

«Das Schulsystem scheint noch immer nicht im Stande zu sein, Schüler vollumfassend als Menschen zu begreifen», sagte Appuhn. Die Wissensvermittlung stehe über den persönlichen Problemen der Schüler. Um den Leistungsdruck zu senken, forderten die Schülervertreter die Abschaffung von Hausaufgaben. Stattdessen sollte nach dem Unterricht in Gruppen gelernt werden. Außerdem gehöre psychische Gesundheit auf den Lehrplan, zum Beispiel im Biologieunterricht. Zudem forderten sie Präventionsprogramme, aber auch Fortbildungen und Hilfe für Lehrer.

Diese Idee fruchtet auch bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Lehrer können psychische Probleme in den Schulen leider gar nicht adäquat erkennen und deshalb auch nicht adäquat reagieren», sagte die hessische GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch im Gespräch. Schulungen und Aufklärungsangebote seien daher sinnvoll. Neben den Schülern seien auch die Lehrer überlastet und auf psychologische Hilfe angewiesen, dafür brauche es Personal.

Ein Schulpsychologe ist für mehr als 6.000 Schüler zuständig

Aktuell gebe es 114 Stellen für schulpsychologische Fachkräfte an den Schulämtern, erklärte das hessische Kultusministerium. Das sei wenig, kritisierte die GEW. Auch die Schülervertreter kritisierten, dass damit ein Psychologe für mehr als 6000 Schüler zuständig sei. Das Ministerium wehrte sich gegen die Kritik. «Wir haben die Schulpsychologie in den vergangenen Jahren mehrfach ausgebaut», sagte ein Sprecher des Ministeriums. «Damit sind wir momentan gut aufgestellt.»

Die Bedeutung der psychologischen Betreuung an Schulen wachse zwar allgemein. Die Häufigkeit der Probleme habe sich in den vergangenen Jahren aber nicht gravierend geändert, es werde nur genauer hingeschaut und verstärkt Hilfe gesucht. Die schwarz-grüne Landesregierung hat eine Verbesserung der Situation sogar in den Koalitionsvertrag aufgenommen. CDU und Grüne haben sich vorgenommen, die bei den Schulämtern tätigen Schulpsychologen in die Kollegien der Schulen zu integrieren und damit deren Präsenz zu erhöhen. «Es tut sich was, aber es wird zu langsam aufgebaut», sagte dagegen Landesschulsprecherin Appuhn. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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5 KOMMENTARE

  1. Immer wenn ich solche Klagelieder höre, muss ich weinen und mein Gewissen klagt mich an, weil ich seit so vielen Jahren schon Kinder und Jugendliche mit Hausaufgaben quäle. Jeder zweite fühlt sich gestresst!! Könnten wir uns nicht alle täglich gegen 11:00 treffen, gemeinsam mit Blumen in den Händen durch den Wald gehen und in Gruppen diskutieren, welche gesellschaftlichen Entwicklungen uns heute wichtig sind?

  2. Dieser Text ist sowas von tendenziös! Wie soll ein Unterricht ohne Hausaufgaben funktionieren? Ich meine, es geht schon, dann sollen die Schüler aber auch jeden Tag von 7.30 Uhr bis 16 Uhr in der Schule sein. Die Hausaufgaben sind nicht das Problem! Die Schüler sind durch die falsche Schulwahl und ihr eigenes und das gesellschaftliche Konsumverhalten gestresst. Nicht jeder Schüler mag freie Unterrichtsformen! Zudem brauchen freie Unterrichtsformen mehr Zeit bei der Erarbeitung.

    • “dann sollen die Schüler aber auch jeden Tag von 7.30 Uhr bis 16 Uhr in der Schule sein. ” hatten wir, bis 10. Stunde, hat uns nicht gefallen, den Schülern auch nicht. in 8. Klasse schon gar nicht.

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