Streit um die Sommerferien – Hamburg sagt Bayern den Kampf an: „Viel Spaß auf den langen bayerischen Autobahnen!“

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HAMBURG. Der Streit zwischen den Ländern um eine Neuordnung der Termine für die Sommerferien in Deutschland spitzt sich zu. Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) kritisierte am Mittwoch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für seine Absage zur Neuordnung. „Dieser Schuss aus Bayern wird nach hinten losgehen: Jetzt wird jedes Land genau wie Bayern die Sommerferien im Alleingang festlegen. Viel Spaß auf den langen bayerischen Autobahnen“, sagte Rabe der «Süddeutschen Zeitung». Auch die GEW stellte sich gegen Söder.

Wenn es keine Abstimmung mehr zwischen den Bundesländern über die Termine gibt, drohen Superstaus zu den Ferienzeiten. Foto: Shutterstock

Söder hatte am Sonntag den Nationalen Bildungsrat gesprengt – aber auch jegliche Veränderung der Ferienregelung ausgeschlossen (News4teachers berichtete). «Das bayerische Abitur bleibt bayerisch, übrigens genauso, wie die Ferienzeiten bleiben, wir wollen auch die nicht angleichen.» „Angleichen“ will die in Wahrheit niemand – aber fairer abstimmen. Einige Bundesländer möchten nicht mehr hinnehmen, dass Bayern und Baden-Württemberg sich nicht an der Rotation beteiligen. Bisher haben aus historischen Gründen nur Bayern und Baden-Württemberg jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum Sommerferien – nämlich spät, weil Ende Mai, Anfang Juni dort Pfingstferien sind. Bei den übrigen Ländern wechseln die Termine.

GEW: „Wie im KLassenraum: Es kann nicht jeder machen, was er will“

Die GEW rief Bayern mit scharfen Worten dazu auf, sich Neuregelungen nicht zu verschließen: «Das ist wie im Klassenraum: Es kann nicht jeder machen, was er will», sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der hessische Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz (CDU) kritisierte die Debatte. Die KMK habe im Oktober einstimmig vereinbart, das Ferienthema von den Fachleuten prüfen zu lassen. «Diese ergebnisoffenen Vorschläge sollen uns dann im Herbst 2020 vorgelegt werden. Daran möchte ich alle Beteiligten nochmals erinnern.»

Vor der KMK-Sitzung hatte Rabe kritisiert, dass allein Baden-Württemberg und Bayern immer als letzte im August und September sechs Wochen Ferien haben. „Diese Sonderstellung der beiden südlichen Bundesländer ist nicht nachvollziehbar“, sagte er. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die bestehende Ferienordnung im Rahmen der Kultusministerkonferenz kippen zu wollen.

Pfingstferien plus später Sommerferienbeginn sind hoch attraktiv

Tatsächlich sind Pfingstferien plus später Sommerferienbeginn hoch attraktiv. Beide Zeiträume liegen weitgehend außerhalb der Hauptreisesaison von Mitte Juni bis Mitte August, sodass Familien günstiger reisen können. Darüber hinaus verspricht der Hochsommer besonders warme Ferientage. Auch pädagogisch gilt ein früher Sommerferienbeginn als schwierig: Die Unterrichtszeit zwischen Weihnachts- und Sommerferien fällt dann arg kurz aus. Die Prüfungsphasen nach Ostern müssen komprimiert werden – und das bedeutet: Lernstress für die Schüler, Korrekturstress für die Lehrer.

Damit es gerecht zugeht, werden die Termine der Sommerferien von den Kultusministern langfristig nach einem „rollierenden System“ festgelegt. Das heißt, mal starten die einen Länder früher in die Ferien, mal die anderen. So sollen möglichst alle Schüler, Eltern und Lehrer mal in den Genuss der Vorteile eines späteren Sommerferienbeginns kommen. Allerdings: Bayern und Baden-Württemberg beanspruchen für sich seit je her eine Extrawurst – und bekommen sie auch.

Die beiden Südländer machen beim „rollierenden System“ nicht mit

Die beiden südlichen Bundesländer machen traditionell im „rollierenden System“ der anderen 14 Länder nicht mit und bestehen auf den späten Ferientermin von Anfang August bis Mitte September. Früher begründeten sie das damit, dass viele Kinder bei der Ernte helfen müssten. Heute zieht das Argument nicht mehr.

2014 hatten die Kultusminister sich auf die bestehende Ferienordnung geeinigt – die gilt bis 2024, muss also bald neu fixiert werden. Beim jüngsten Treffen der Kultusminister war das Thema angesprochen worden, ohne dass es eine Einigung gegeben hätte. Hamburg  und Berlin hatten sich dabei auch für einen neuen, engeren Zeitkorridor für die Sommerferien stark gemacht. Generell sollen die Sommerferien demnach erst ab 1. Juli beginnen, die unterschiedlichen Termine der Länder sollen enger zusammenrücken und die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Späte Sommerferien? Ja bitte! Die Kultusminister kämpfen um die Ferienordnung

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2 KOMMENTARE

  1. Das ist dann mal konsequent und im Interesse aller anderen Bundesländer, so dass durch diesen Druck endlich eine allen Bundesländern gerechte Lösung gefunden werden muss, und es schließlich ermöglicht wird, dass Familien aller Bundesländer einmal zum Zuge kommen, sich in den Pfingstferien und im September finanziell günstiger einen Urlaub zu erlauben.
    Auch die Standards sollten angeglichen werden, damit Kinder beim Wechsel in andere Bundesländer nicht im Bildungssystem scheitern.

  2. Man muss vielleicht mal dazu sagen, dass Pfingstferien nicht verpflichtend zu diesem Zeitpunkt im Rahmen von 2 Wochen sein müssen.
    Allein die Sommerferien wurden bisher in der KMK abgestimmt, die kleineren Ferien legen die Bundesländer selbst fest. Bei frühen Sommerferien sind längere Pfingstferien absolut unsinnig, bei einem Beginn der Sommerferien Ende Juli/ Anfang August ein Segen in der Zeit zwischen Ostern und Schuljahresende.
    Die Begründung, man müsse spät Sommerferien haben, weil die Pfingsferien zunächst noch anstehen, ist also nicht haltbar, da das Land selbst diese Ferien NACH der Festlegung der Sommerferientermine ansetzen kann. Andere Länder haben dort 1 Woche oder gar keine Ferien, dafür längere im Herbst oder im Januar eine zusätzliche Woche.

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