Wie Lesefähigkeit mit – mäßigen – Digital-Komptenzen der Schüler zusammenhängt

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DORTMUND. Die ICILS-Studie – die in dieser Woche für Wirbel gesorgt hat (News4teachers berichtete) – zeigt ein gemischtes Bild, das einerseits auf Stabilität in den computer- und informationsbezogenen Schülerleistungen, andererseits aber auch auf Bildungsungerechtigkeiten und Bedarfen an Schulen in Deutschland hinweist. Professorin Dr. Nele McElvany, Geschäftsführende Direktorin am Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund, erläutert einige Hintergründe.

Für Schüler gehören digitale Medien zum Alltag – mehr als damit spielen können jedoch nur die wenigsten. Foto: Shutterstock

Die ICILS-Studie hat nun im Trend Fragen rund um die Digitalisierung in der schulischen Bildung international vergleichend überprüft. An der Studie nahmen 14 Bildungssysteme aus verschiedenen Ländern und Staaten teil. Getestet und befragt wurden Schülerinnen und Schüler der achten Klasse und ihre Lehrkräfte. Damit konnte erstmals ein Entwicklungstrend seit 2013 festgestellt werden – und dieser regt zum Nachdenken an, da sich einige ungünstige, und wenige positive Entwicklungen zeigen. Woran liegt das? Dazu nennt Bildungsforscherin Nele McElvany mögliche Gründe.

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Keine Leistungsspitze innerhalb der Schülerschaft

„Es ist erschreckend, wenn trotz der zunehmenden Bemühungen der Schulen nur 1.9 Prozent der Jugendlichen in der 8. Klasse die höchste Kompetenzstufe bei computer- und informationsbezogenen Kompetenzen erreichen“, bedauert Nele McElvany, Geschäftsführende Direktorin am Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund. Auch mit Blick auf spätere Studienfächer sei eine verstärkte Förderung von Kompetenzen und Interesse in diesem Bereich im schulischen Unterricht nötig. „Wenn die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von 33.2 Prozent Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse auf den untersten Stufen zu verorten sind, hat dies neben einer eigenständigen und reflektierten Alltagsbewältigung auch Auswirkungen auf ihre Studier- und Ausbildungsfähigkeit“, erläutert McElvany von der Technischen Universität Dortmund.

Ausstattung von Schulen macht noch keinen guten Unterricht

Die ICILS-Studie zeigt, dass hinsichtlich der Digitalisierung die Ausstattung und das Engagement der Schulen in Deutschland im Vergleich zu 2013 deutlich besser geworden ist. Dies entspricht auch den Befunden der IFS-Studien „Schule digital – der Länderindikator 2015, 2016 und 2017“. Allerdings dürfen diese Befunde nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ausstattung zwar die zentrale Grundlage für die Vermittlung computer- und informationsbezogener Kompetenzen ist, diese aber nur bei konsequenter Umsetzung von wirksamen Unterrichtskonzepten tatsächlich auch zu einer Förderung der Schülerinnen und Schüler führt. Hier ist neben der Entwicklung entsprechender Unterrichtskonzepte auch die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte intensiv zu verfolgen.

Bildungsungerechtigkeit und mangelnde Lese- und Sprachkompetenzen

Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Deutschland erreichen durchschnittlich 568 Leistungspunkte und damit um gerundet 75 Punkte signifikant höhere mittlere computer- und informationsbezogene Kompetenzen als Schülerinnen und Schüler an anderen Schulformen der Sekundarstufe I. Außerdem beschreibt ICILS eine enge Kopplung zwischen dem Bildungserfolg im Bereich der computer- und informationsbezogenen Kompetenzen und dem sozioökonomischen Status der Schülerfamilien.

Ein wichtiger und oftmals unterschätzter Aspekt bei diesen Schülergruppen: Lese- und Sprachkompetenzen. Nele McElvany weiß: „Lesen ist einer der grundlegenden Schlüssel zum Bildungserfolg und sollte daher auch noch in der Sekundarstufe I als Querschnittsaufgabe aller Schulfächer verstanden werden.“ Denn wie könnten Informationen von verschiedenen Webseiten entnommen, verglichen und kritisch hinterfragt werden, wenn bereits das Verstehen der Aufgabenstellung und dann das Lesen der relevanten Informationen auf den Webseiten Probleme bereitet? News4teachers

Hintergrund

Das interdisziplinäre Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund ist als Forschungseinrichtung an der Schnittstelle von Wissenschaft, schulischer Praxis und Politik angesiedelt. Die durch vier Professuren und rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestalteten Forschungsbereiche des Instituts arbeiten zu aktuellen Themen im Bereich der Empirischen Bildungsforschung mit dem Ziel, schulische Lern- und Entwicklungsprozesse, Schulentwicklung und Bildungsergebnisse im Kontext ihrer individuellen, sozialen und institutionellen Bedingungen zu erfassen, zu erklären und zu optimieren. Das IFS trägt mit seiner Arbeit wesentlich den Profilbereich Bildung, Schule und Inklusion der TU Dortmund mit.

www.ifs.tu-dortmund.de

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Auf die Ausbildung der Lehrer kommt es an: bak Seminartag diskutiert über Chancen und Risiken der Digitalisierung von Schulen

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2 KOMMENTARE

  1. “Hier ist neben der Entwicklung entsprechender Unterrichtskonzepte auch die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte intensiv zu verfolgen….”
    Hachja!

  2. 1,9% Computerinteressierte dürfte doch nicht sob weit entfernt vom Anteil der Informatikstudenten unter allen Studenten sein. So dramatisch ist das also nicht.

    „Lesen ist einer der grundlegenden Schlüssel zum Bildungserfolg und sollte daher auch noch in der Sekundarstufe I als Querschnittsaufgabe aller Schulfächer verstanden werden.“

    Richtig. Allerdings sollte dann das Lesen wie auch das Schreiben und Rechnen Schwerpunkt der Schule sein. Ich meine die Fähigkeit und die Fertigkeit, nicht die Kompetenz.

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