Holter gibt seine Zurückhaltung bei Seiteneinsteigern in den Lehrerberuf auf

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ERFURT. Bisher ist Thüringen beim Einstellen von nicht klassisch ausgebildeten Lehrern eher zurückhaltend – anders als andere Bundesländer. Doch inzwischen will auch Bildungsminister Helmut Holter (Linke) den Anteil von Seiteneinsteigern bei den Neueinstellungen erhöhen. Die Alternative wäre ein sich ausweitender Lehrermangel.

Ringt – wie andere Kultusminister auch – mit dem Lehrermangel: Thüringens Bildungsminister Holter. Foto: Jacob Schröter / Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
Helmut Holter

Nach Einschätzung von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) muss der Anteil von Seiteneinsteigern im Freistaat deutlich erhöht werden, um auf den Lehrermangel zu reagieren. «Wenn wir den Unterricht abdecken wollen, müssen wir mehr Seiteneinsteiger ins Boot holen», sagte Holter im Gespräch. Vor allem die CDU hatte in der Vergangenheit immer wieder darauf gedrängt, deutlich mehr Seiteneinsteiger in den Schuldienst einzustellen. Holter machte klar, dass er in diesem Punkt mit der CDU durchaus «in Übereinstimmung» sei. «Ich sehe da keine Alternative.»

„Am Ende geht es immer um die Qualität des Unterrichts“

Bislang griff Thüringen im Vergleich zu anderen Bundesländern eher zurückhaltend auf Seiteneinsteiger zurück. Bis Ende November vergangenen Jahres lag der Anteil von Lehrern ohne klassischem Lehramtsabschluss bei rund 9,2 Prozent. In den Jahren zuvor hatte dieser Wert stets bei unter fünf Prozent gelegen. Holter hatte in der Vergangenheit stets darauf hingewiesen, dass Seiteneinsteiger die Ausnahme bleiben müssten und nicht zum Regelfall werden dürften.

«Am Ende geht es immer um die Qualität des Unterrichtes. Das heißt, wir müssen Seiteneinsteiger entsprechend qualifizieren», sagte Holter. In Thüringen durchlaufen Seiteneinsteiger einen dreimonatigen Vorbereitungskurs. Allerdings kann es wegen der Kurstermine sein, dass die Seiteneinsteiger bereits vor Schulklassen stehen, bevor sie den Kurs absolvierten. Nach dem Kurs werden sie berufsbegleitend weitergebildet.

Holter will die Lehrerausbildung neu regeln – nach Schulstufen

Holter erneuerte seine Forderung, in der angebrochenen Legislaturperiode die Gehälter für Grundschullehrer anzuheben und die Ausbildung von Lehrern grundlegend neu zu gestalten. Dem Linke-Politiker schwebt vor, Lehrer in Zukunft nach Schulstufen und nicht mehr nach Schularten auszubilden. Die Thüringer Universitäten mit Lehramtsstudiengängen hatten ihre Bereitschaft dazu bereits signalisiert. Allerdings war die CDU bislang gegen dieses Vorhaben. «Das werden wir mit CDU und FDP bereden müssen», sagte Holter.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Christian Tischner sagte, eine schulstufenbezogene Ausbildung für Lehrer sei mit der CDU nicht zu machen. dpa

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