Lehrerverband: Thüringen hat „lange mit viel zu niedrigen Schülerzahlen gerechnet“

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ERFURT. Nach einer neuen Prognose muss Thüringen im kommenden Jahrzehnt mehr als 8.000 neue Lehrer einstellen, um auf Pensionierungen und steigende Schülerzahlen zu reagieren. «Diesen Bedarf müssen wir sichern», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag in Erfurt. Der Thüringer Lehrerverband forderte von Holter, endlich entschlossen gegenzusteuern. „Andernfalls steuern wir direkt auf die Katastrophe zu. Mehr Unterrichtsausfall, mehr langzeiterkrankte Lehrer und immer mehr nicht vorqualifizierte Seiteneinsteiger werden die Folge sein.“

Ringt – wie andere Kultusminister auch – mit dem Lehrermangel: Thüringens Bildungsminister Holter. Foto: Jacob Schröter / Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

Wichtig ist laut Holter, dass mehr Lehramtsstudenten an den Start gehen, dass sie ihr Studium abschließen und ihr Referendariat auch in Thüringen absolvieren. Für den sogenannten Vorbereitungsdienst für Lehrer stünden im kommenden Jahr bis zu 750 Stellen zur Verfügung, sagte der Minister. Nach der Prognose besteht der höchste Einstellungsbedarf an Lehrern in den Jahren 2022 und 2023 mit 970 beziehungsweise 910 Pädagogen. Danach sinkt er schrittweise bis auf 520 Lehrer im Jahr 2030.

Grund ist die Entwicklung der Schülerzahlen. Die Spitze wird laut Prognose in den Jahren 2025 bis 2027 erreicht mit knapp 253.000 Schülern in Thüringen. Ihre Zahl sinkt dann wieder bis auf rund 248.000 Ende des Jahrzehnts. Holter berief sich dabei auf eine Vorausberechnung der Kultusministerkonferenz.

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Nach Angaben des Ministers sind in Thüringen in diesem Jahr bis Ende November 1069 Lehrer eingestellt worden. Angestrebt würden im gesamten Jahr bis zu 1200 Neueinstellungen. Diese Zahl liege höher als der Ersatz der etwa 900 Pädagogen, die voraussichtlich 2019 in den Ruhestand gingen. Auch 2020 werde mit einer ähnlichen Größenordnung gerechnet, so Holter. Die Haushaltsmittel für Neueinstellungen seien gesichert.

„Hilferufe aus den Schulen werden immer lauter“

„Die Spatzen pfeifen es seit Jahren von den Dächern, nun ist die bittere Wahrheit ans Licht gekommen: Die KMK und damit auch das Kultusministerium in Thüringen haben lange mit viel zu niedrigen Schülerzahlen gerechnet. Dabei werden die Hilferufe aus den Schulen schon seit Längerem immer lauter“, erklärte Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbands (tlv). „Spätestens mit dem heutigen Tag sollte allen klar sein: Die Personalfrage in den Schulen duldet keinerlei Aufschub mehr. Das Argument, es seien schließlich mehr Lehrer als je zuvor eingestellt worden, kann angesichts der aktuellen Zahlen und Bedarfsprognosen nicht mehr geltend gemacht werden. Ab sofort darf es in Thüringen keinen einzigen voll ausgebildeten Lehrer mehr geben, der sich hier bewirbt und nicht umgehend unbefristet eingestellt und verbeamtet wird.

Es sei Zeit, über den Tellerrand zu schauen und nach Sachsen zu blicken, wo es längst die A13 für die Grundschullehrer gebe, oder nach Mecklenburg-Vorpommern, wo schulscharfe Einstellungen für junge Lehrer inzwischen die Regel seien. „Auch werden Lehrer dort nicht befristet als Vertretungslehrer angestellt, sondern selbst dann sofort unbefristet eingestellt und verbeamtet, wenn sie zunächst für bis zu zwei Jahre an anderen Schulen aushelfen, ehe sie ihren endgültigen Einsatz erhalten.“ Jetzt müsse endlich entschlossen gegengesteuert werden. News4teachers / mit Material der dpa

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