Mediziner fordern Wiederbelebungstraining für Schüler – jährlich

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HAMBURG. Prüfen, rufen, drücken – ein Leben zu retten, muss nicht schwierig sein. Möglichst schon Schulkinder sollen Wiederbelebung regelmäßig üben, wünschen sich Experten der Notfallversorgung. Es gibt Länder, in denen das bereits lebensrettende Routine ist.

Schüler sollten flächendeckend in Erster Hilfe ausgebildet werden – meinen Ärzte. Foto: Shutterstock

Mediziner fordern ein jährliches Wiederbelebungstraining für Schüler ab der siebten Klasse in Deutschland. Der Ablauf müsse in Fleisch und Blut übergehen – wie Fahrradfahren, sagte Bernd Böttiger vom Deutschen Rat für Wiederbelebung bei einem Reanimationstraining für 150 Hamburger Schüler am Dienstag. «Es geht um 10.000 Menschenleben im Jahr in Deutschland. Alles, was man braucht, sind zwei Hände.» In Skandinavien wüssten die Menschen das, weil Wiederbelebung dort schon in der Schule unterrichtet werde.

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In Deutschland empfahl der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz im Juni 2014 die Initiative «Pflichtunterricht Wiederbelebung in ganz Deutschland». Diese sieht den vom GRC geforderten Unterricht vor. Doch die Empfehlung wird bisher nicht flächendeckend von den Bundesländern umgesetzt.

Wie ein Training für Kinder aussehen kann, zeigte die von der Weltgesundheitsorganisation unterstützte Initiative «Kids save lives» in Hamburg. Rund 150 Siebtklässler lernten, wie sie Leben retten können: Erst muss die Atmung überprüft werden. Atmet der Patient nicht, holen die Kinder Hilfe und rufen die 112. Dann beginnen sie mit der Herzdruckmassage. Eine Beatmung erfolgt nicht. «Prüfen, rufen, drücken», sagte der Intensivmediziner Böttiger. Das rette Menschenleben.

Reanimationstrainings an Grundschulen führten zu Verbesserungen

In Dänemark wurden 2005, neben anderen Maßnahmen, verpflichtende Reanimationstrainings an Grundschulen eingeführt, um die Wiederbelebung durch Laien zu verbessern. 2013 stellte eine Studie nach der Auswertung von knapp 20.000 Herzstillständen zwischen 2000 und 2010 fest, dass es in dem Zeitraum deutliche Verbesserungen gab: Statt jedem Fünften begann nun fast jeder Zweite Wiederbelebungsmaßnahmen, wenn ein Herzstillstand beobachtet wurde. Das Ein-Jahres-Überleben der Betroffenen – ein wichtiger Vergleichspunkt für Mediziner – verbesserte sich merklich: Statt knapp drei Prozent wie im Jahr 2000 überlebten 2010 mehr als zehn Prozent das erste Jahr nach einem Herzstillstand mit Wiederbelebung.

Eine schwedische Studie, die 30.000 beobachtete Herzstillstände außerhalb von Krankenhäusern analysierte, zeigte, dass sich die Überlebensrate von Patienten mit Herzdruckmassage im Vergleich zu denen ohne verdoppelte – egal, ob sie zusätzlich beatmet wurden oder nicht. Außerdem zeigte die Studie, dass deutlich mehr Menschen eine Herzdruckmassage ohne Beatmung beginnen als eine Reanimation mit Beatmung. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

BGH urteilt: Wenn ein Schüler kollabiert, hat ein (Sport-)Lehrer die Pflicht zur Ersten Hilfe – Notarzt rufen, reicht nicht!

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2 KOMMENTARE

  1. Mein Vertrauen in Studien und Statistiken ist jedenfalls nicht so groß, dass ich den angegebenen Zahlen Glauben schenke. Würde es nicht reichen, auf Freiwilligkeit zu setzen?
    Oder gilt das Motto: Erwachsene könnte man nicht dazu zwingen, Herzdruckmassage zu lernen und sie jährlich zu üben, bei Kindern aber…

  2. Die Fallzahlen sind sehr hoch und entsprechend ist die Aussagekraft hoch.
    In Dänemark sind 20.000 Patienten untersucht worden, also 2.000 pro Jahr, wobei die Überlebensrate nach einem Jahr von 3 % auf mehr als 10 % innerhalb von 10 Jahren anstieg.

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