Schulleitung soll bald ein eigenes Berufsbild werden – abgesetzt vom Lehrer

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HANNOVER. Schüler, Eltern, Lehrer – sie alle brauchen gute, kompetente Schulleiter. Doch die Arbeit ist fordernd, die Bedingungen sind schwierig. Deshalb bleiben viele Stellen unbesetzt. In Niedersachsen soll Schulleitung ein eigenständiges Berufsbild werden, um dem Amt mehr Profil zu geben.

Schulleitungen, gerade an Grundschulen, sind häufig mit einer Vielzahl an Aufgaben auf sich allein gestellt. Foto: Shutterstock.

Im Kampf gegen den Schulleitermangel hofft Niedersachsen auf Fortschritte im kommenden Jahr. «Wir entwickeln derzeit ein eigenständiges Berufsbild Schulleitung, um die Schulleitungen bei ihrer anspruchsvollen Arbeit zu stärken», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in Hannover im Gespräch. Eine Arbeitsgruppe aus Ministerium und Schulverbänden soll voraussichtlich im Sommer 2020 ein Konzept vorlegen.

Insbesondere an Grundschulen fehlen Schulleitungen

Derzeit hat etwa jede 18. Schule im Land keine Leiterin oder keinen Leiter. Im Lauf des Jahres 2019 ist die Zahl der unbesetzten Stellen kaum zurückgegangen. 2800 allgemeinbildende Schulen gibt es in Niedersachsen, dazu 250 berufliche Schulen. Im März fehlte an 180 davon die Leitung, wie die Regierung im Landtag mitteilte. Anfang Dezember waren es nach einer Übersicht des Kultusministeriums noch 172 fehlende Schulleiter.

Tonne sieht darin bereits einen Fortschritt. «Es ist uns gelungen, wieder mehr Schulleitungsstellen zu besetzen», sagte er. Doch die Situation sei nicht zufriedenstellend. «Es ist insbesondere an kleineren Schulen in ländlichen Regionen schwieriger, Schulleitungsstellen zu besetzen.» Allein 98 niedersächsische Grundschulen haben keine Leiterin oder keinen Leiter.

«Das sind zu viele», kommentierte Andrea Kunkel, Vorsitzende des Schulleiterverbands Niedersachsen, die Zahlen. Wo immer eine Schulleiterin oder ein Schulleiter fehle, müssten Kolleginnen oder Kollegen kommissarisch einspringen. «Das ist eine enorme Belastung.» Sie gehe zu Lasten der eigenen Unterrichtsverpflichtung.

Viele Schulleitungsstellen blieben jahrelang vakant, sagte Kunkel im Gespräch. Auf der Liste des Kultusministeriums vom März reichten einzelne Fälle zurück bis 2010 – trotz wiederholter Ausschreibungen. Der Mangel trifft die einzelnen Schularten aber unterschiedlich. Die 257 Gymnasien in Niedersachsen haben kaum Probleme, einen Chef zu finden. Im Dezember waren nur sechs Stellen offen. Dagegen fehlte an jeder 8. der 224 Förderschulen eine Leiterin oder ein Leiter.

Schulleitung ist eine Chance – wenn die Bedingungen stimmen

Kunkel leitet eine Grundschule in Langenhagen bei Hannover und macht das gern. Es sei eine Chance, «Schule gemeinsam mit dem Team zu organisieren zum Wohle der Schülerinnen und Schüler», sagt sie. Doch die Rahmenbedingungen passten nicht zu den Anforderungen an den Beruf. Die Schulleiter gerade an kleinen Schulen müssten noch zu viel selbst unterrichten; oft fehlten Stellvertreter zur Unterstützung; die Bezahlung sei nicht attraktiv genug.

Der Schulleitungsverband ist an der Arbeitsgruppe im Ministerium beteiligt. Auch Kunkel tritt dafür ein, dass Schulleitung ein eigenes Berufsbild wird, abgesetzt von dem des Lehrers. Wer diese Laufbahn einschlagen wolle, sollte eine Vorabqualifizierung erhalten.

Auch Tonnes Überlegungen zielen auf bessere Rahmenbedingungen: Die Arbeit solle attraktiv und gesundheitserhaltend sein, um mehr geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu bekommen. Die Erst- wie die Weiterqualifizierung von Schulleitungen müsse verbessert werden. Das Kultusministerium verweist darauf, dass Grundschulleitungen schon 2018 von Verwaltungsarbeit entlastet worden sein. Die Besoldung der Leitung an kleinen Grundschulen sei erhöht worden. dpa

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1 KOMMENTAR

  1. Da darf man dann gespannt sein, was dabei auf dem Papier heraus kommt und wie es im wirklichen Leben sein wird.

    Die großartige Entlastung von SchulleiterInnen in den Grundschulen besteht darin, dass sie nicht länger für die Einstellung der pädagogischen MitarbeiterInnen verantwortlich sind.
    Dafür gab es dann aber eine Menge neuer Vorgaben, was alles an die übergeordnete Behörde zu schicken sei und in immer neuen Statistiken abgeliefert werden muss, sodass es zu einer doppelten Buchführung kommt.

    In Niedersachsen bewirbt man sich auf eine SL-Stelle, absolviert eine Prüfung und erhält erst, wenn man den Posten erreicht hat und die Tätigkeit als Schulleitung schon übernommen hat, die qualifizierenden Maßnahmen in Form von mehrtägigen Seminaren, gestreckt über ca. 2 Jahre.

    Die Besoldung der Schulleitungen wurde von A12Z auf A13(Z) angehoben.
    Allerdings geht es ja auch für die Grundschullehrkräfte um eine Besoldung nach A13, wobei dies in Niedersachsen noch nicht beschlossen ist, sondern zunächst einen Zuschlag geben soll.

    Das Deputat der GS-Lehrkräfte besteht aus 28 Unterrichtsstunden,
    Schulleitungen an kleinen Grundschulen müssen bis zu 20 Stunden erteilen, also weit mehr als ein halbes Deputat.

    Stellvertretende Schulleitungen gibt es an den vielen kleinen Grundschulen nicht,
    das Sekretariat ist in der Regel ein paar Stunden in der Woche besetzt.

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