15-Jährige studiert Mathematik und Chemie – weil Mathe allein sie nicht auslasten würde

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BRAUNSCHWEIG. Sie sprintet durch die Schule und legt mit 14 Jahren beim Abitur die Traumnote 1,0 hin. Nun empfindet Mandy Hoffmann aus Peine Mathe und Chemie an der Uni durchaus als Herausforderung.

„Ausgeprägte Hochbegabung“: Mandy Hoffmann und die niedersächsische Staatsekretärin Gaby Willamowius. Foto: Kultusministerium Niedersachsen

Mit der Abitur-Note 1,0 hat die erst 15-jährige Mandy Hoffmann im Sommer Schlagzeilen gemacht. Nach Angaben ihrer Schule war die Peinerin damit eine der jüngsten Absolventinnen Deutschlands mit diesem Ergebnis. Im Interview spricht die nun 15-Jährige über ihre Herausforderungen an der Technischen Uni Braunschweig.

Fordert dich das Studium?

Mandy Hoffmann: Zumindest mehr als die Schule. Dadurch, dass ich zwei Studiengänge mache, ist es schon anspruchsvoll und auch sehr zeitintensiv. Also ich würde sagen ja.

Du musst dich also auch anstrengen?

Mandy Hoffmann: Inhaltlich ist es wirklich um einiges anspruchsvoller. Ich hätte wahrscheinlich immer noch relativ viel Freizeit, würde ich nur Mathe studieren. Aber dadurch, dass ich noch Chemie nebenbei habe, geht viel Zeit für Vorbereitung und Selbststudium weg. Es ist auch ein bisschen anspruchsvoller, weil wir uns Themen selbst erarbeiten müssen.

Das heißt viel Stoff für schwierige Klausuren?

Mandy Hoffmann: Die meisten Klausuren schreiben wir erst in der vorlesungsfreien Zeit. Wir haben bisher zum Beispiel unsere Hausaufgaben in Mathe, die wir abgeben. Die laufen ganz gut.

War die Entscheidung für Mathe und Chemie richtig?

Mandy Hoffmann: Ich würde sagen ja. Vor allem, weil ich immer noch sagen kann, wenn ich keine Lust mehr auf Mathe habe, mache ich nur Chemie weiter. Oder ich nehme Chemie als Nebenfach für Mathe. Damit habe ich genügend Möglichkeiten und die Fächer gefallen mir.

Du warst eine besondere Schülerin, bist du jetzt auch eine besondere Studentin?

Mandy Hoffmann: Eher nicht. Es läuft einfach ganz gut. Ich muss wegen der beiden Fächer manchmal zwischen Vorlesungen hin und her laufen. Das müssen aber einige Lehramtsstudenten auch. Das ist also nicht so ungewöhnlich.

Spürst du den Altersunterschied oder fühlst dich beobachtet?

Mandy Hoffmann: Auch eher nicht. Das spielt eigentlich keine große Rolle. Die meisten Leute wissen ja auch nicht, dass ich wesentlich jünger bin. Die meisten Dozenten merken das wohl auch nicht. Ich bin quasi eine normale Studentin.

Also wird die Uni nicht so ein Spaziergang wie die Schule?

Mandy Hoffmann: Das würde ich überhaupt nicht annehmen. Ich merke das auch bei den Mathe-Hausaufgaben, die wir teilweise in Lerngruppen machen, einfach weil wir sie allein nicht so gut hinbekommen. Manchmal fehlen da die Ansätze, es ist vom Stoff her schon anspruchsvoller. Ich verstehe meistens alles in der Vorlesung, aber ich muss trotzdem noch mal nacharbeiten oder zumindest ordentlich darauf schauen.

Bleibt denn ausreichend Zeit für andere Dinge?

Mandy Hoffmann: Ich mache immer noch Gerätturnen. Das Training habe ich aber von drei bis vier Mal pro Woche auf zwei bis drei Mal reduziert. Aber es ist noch genügend Zeit.

Welche Ziele hast du denn jetzt?

Mandy Hoffmann: Ich möchte erstmal meine Prüfungen im Februar und März bestehen. Dann schaue ich auf das zweite Semester. Von Christian Brahmann, dpa

Zur Person: Mandy Hoffmann (15) wohnt im niedersächsischen Peine. Nach dem Abitur im etwa 30 Kilometer entferntem Braunschweig studiert sie dort seit Herbst Mathe und Chemie an der Technischen Universität. Auf gleichaltrige Jugendliche trifft sie eher beim Gerätturnen. Im Sommer veröffentlichte sie mit Mitschülern das Buch «16 Kurze – Von Jetzt bis Irgendwann», das Kurzgeschichten enthält. Mandy Hoffmann war im Juli von Gaby Willamowius, Staatssekretärin im Niedersächsischen Kultusministerium, als jüngste Abiturientin Niedersachsens ausgezeichnet – sie legte ihr Abitur, damals noch als 14-Jährige, mit einem Notendurchschnitt von 1,0 (852 Punkten) ab. „Die Schülerin hat mehrere Jahrgänge übersprungen, das spricht für eine ausgeprägte Hochbegabung“, so Willamowius.

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3 KOMMENTARE

  1. Gerade solche Schüler sind es wert, gefördert zu werden, wobei Überspringen und vorzeitiges „Abschieben“ an die Hochschule keine Förderung ist.

    • Schulen für Hochbegabte sind eher Mangelware, also war es für die Abiturientin die beste Möglichkeit. Vor allem wenn die Lehrkräfte sie dazu ermutigt haben. Schließlich hat es nicht jede Lehrkraft genre, wenn die SuS sich mit dem weitergehenden Stoff beschäftigen.

      • Das stimmt. Bei Schülern am unteren Ende der Begabungsskala sollen Lehrer aber kompetent arbeiten. Sehr merkwürdig, weil Lehrer aufgrund des fachwissenschaftlichen fachlich Hochbegabte besser fördern können als Niedrigbegabte sonderpädagogisch.

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