Gebauer schafft Pflichtprüfungen bei Notenabweichungen im Abitur ab

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DÜSSELDORF. Wer sich in der Abi-Klausur selbst übertrifft, kommt in NRW anschließend oft ins Zittern: Die Überfliegerleistung muss hier nämlich durch eine mündliche Prüfung bestätigt werden. Das soll jetzt abgeschafft werden.

Hat einen "Masterplan Grundschule´" angekündigt - und der sorgt für Ärger. Foto: Martin Kraft (photo.martinkraft.com) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Gute Leistungen sollen honoriert werden: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Foto: Martin Kraft (photo.martinkraft.com) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Wer in schriftlichen Abiturprüfungen stark von den Vornoten abweicht, soll künftig auch in Nordrhein-Westfalen nicht mehr zu einer mündlichen Prüfung verpflichtet werden. Dies sehe eine Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die gymnasiale Oberstufe vor, kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf an. Die Neuregelung solle erstmals für Schüler gelten, die im Schuljahr 2020/21 in die Qualifikationsphase eintreten.

NRW sei das einzige Bundesland, das noch eine sogenannte Abweichungsprüfung habe. Bislang ist sie hier Pflicht, wenn die schriftliche Abiturprüfung um vier oder mehr Punkte nach oben oder nach unten von der Durchschnittsnote aus der Qualifikationsphase abweicht.

Die Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen wird laut Gebauer verbessert

«Während in anderen Bundesländern eine gute schriftliche Abiturleistung bestehen bleibt, müssen die Abiturientinnen und Abiturienten in Nordrhein-Westfalen diese durch eine verpflichtende Nachprüfung bestätigen», kritisierte die FDP-Politikerin. «Wir wollen, dass gute Leistungen in den schriftlichen Abiturprüfungen auch entsprechend honoriert werden.» Die Angleichung verbessere die Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen in den 16 Bundesländern.

Auf Antrag sollen Schüler aber weiterhin die Möglichkeit haben, ihre Noten durch mündliche Prüfungen zu verbessern beziehungsweise noch fehlende Punkte für das Abitur zu ergattern. Mit dieser Entscheidung werde die Eigenverantwortung der Schüler gestärkt, unterstrich Gebauer. dpa

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12 KOMMENTARE

  1. Als Konsequenz daraus kann man Abiturprüfungen auch sehr einfach machen. Die Zulassung zur Abiturprüfung ist ohnehin die größere Hürde als die Prüfung selbst.

    À propos Vergleichbarkeit: In wie vielen Bundesländern besteht die Prüfung nur aus vier Fächern und ohne Mathematik als Pflichtfach?

    • Kein Mensch braucht Prüfungen in Hilfswissenschaften …

      Der Oberstufenstoff im Fach Mathematik ist für die meisten Studiengänge uninteressant. Das ist nichts Anderes als l’art por l’art – für die einen unnötiger Ballast und für die anderen nicht ausreichend, sowohl inhaltlich als auch zeitlich.

      Ein ingenieurwissenschaftliches Studium geht auch ohne LK-Mathe, wozu also Mathe als Pflichtfach im Abitur? Der Stoff bis Klasse 10 reicht für die Bewältigung der meisten mathematischen Probleme im Alltag aus. Für alles Weitere reicht es aus, mit Hilfe entsprechender Programme Näherungslösungen zu ermitteln. Der Rest ist was für Nerds, die sich bei entsprechender bezahlung darum kümmern können.

      Aber der einzige Weg als Mathematiker Geld zu verdienen, bedeutet das Anheuern bei einer Versicherung.

      • @dickebank:
        Ich stimme Ihnen zwar zu, dass der Standpunkt, Mathe müsse kein Pflichtfach in den vier Abiturfächern sein, nachvollziehbar ist. Dies gilt besonders, wenn man an die unterschiedlichen Möglichkeiten der individuellen Berufswege der Schüler denkt.
        Das Argument „Der Stoff bis Klasse 10 reicht für die Bewältigung der meisten mathematischen Probleme im Alltag aus.“ gilt dann aber für alle Fächer. In Deutsch und Englisch lernt man grammatikalisch nichts Neues und inhaltlich benötigt man den „Stoff“ auch nicht im weiteren Leben.
        Warum kann man Sport nicht abwählen, wenn man unsportlich ist?
        Warum muss man Geschichte und SoWi in der Quali besuchen?
        Mögliche Antwort (auch für Mathe): Das Abitur war mal dazu konzipiert, dass man im Anschluss studieren kann. Insofern sollte man in allen Fächen grundlegende Kompetenzen erworben haben, die auf ein Studium vorbereiten.
        Dem Argument „Der Oberstufenstoff im Fach Mathematik ist für die meisten Studiengänge uninteressant.“ muss ich entschieden widersprechen. In allen MINT-Fächern benötigt man Mathematik. Fächer wie Sozialwissenschaften oder Wirtschaft (oder auch Ingenieurwissenschaften) benötigen ebenfalls mathematische Kenntnisse, die das Niveau der Klasse 10 übersteigen.
        Dass das Niveau in einem Mathe-Grundkurs leider nicht mehr ausreichend erscheint, um auf ein Studium vorzubereiten, ist dabei kein Argument auf Mathematik zu verzichten oder das Fach als „Ballast“ zu bezeichnen.

        [Anmerkung: Ihr Meinung von Mathematik als „Hilfswissenschaft“, als „l’art por l’art“ oder als „was für Nerds“ und die damit verbundene Wortwahl scheint auf eine Voreingenommenheit zu deuten. Das ist in Bezug auf eine konstruktive Diskussion kontraproduktiv und führt zu unhaltbaren Behauptungen wie Ihren.]

        • „Dem Argument “Der Oberstufenstoff im Fach Mathematik ist für die meisten Studiengänge uninteressant.” muss ich entschieden widersprechen.“

          Die dickebank meint das anders. An der Hochschule wird die benötigte Mathematik im Rahmen der Vorlesung(en) komplett neu entwickelt. Es hilft zwar, Teile davon in der Schule schon einmal gesehen zu haben, ist aber nicht zwingend erforderlich.

          Reine Mathematik ist für die freie Wirtschaft in der Tat nicht zwingend notwendig, reine (theoretische) Physik auch nicht, jedoch werden Physiker und Mathematiker eingestellt, um sich in komplexe Situationen analytisch eindenken zu können. Physiker sind allerdings universeller einsetzbar als Mathematiker.

          • Richtig interpretiert. Bleibt die Frage, warum man an Schulen nicht „richtige“ Mathematik-Kurse für interessierte SuS anbietet.
            Mathe muss ja nicht zwingend Fach der Abiturprüfung sein, aber die Angebote in Grund- und Leistungskursen sollten sich inhaltlich und fachdidaktisch wesentlich deutlicher von einander unterscheiden.

            Was die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften angeht, denen hilft die Oberstufen-Mathematik nicht wirklich weiter. Deren Problem liegt darin, dass sie statistische Methoden bzw. den Umgang mit großen Datenmengen gerne an Rechner übergeben, mit den Ergebnissen aber in den seltensten Fällen umgehen können. Bei der Datenanalyse werden dann gerne Koinzidenzen, Korrelationen und Kausalitäten mit einander vermengt, um die gewünschten Aussagen untermauern zu können.

        • Keine Angst, ich weiß wo von ich spreche.

          Die Mathematiker an der Uni haben uns Ingenieurwissenschaftler grundsätzlich als grenzdebile Schmalspurkandidaten im Fach Ingenieurmathematik angesehen. Die Durchfallquoten waren entsprechend. Lag die Durchfallquote unter 80%, galt die Klausur als „Geschenk“. Vor diesem Hintergrund ist mein Verständnis der Mathematik als Hilfswissenschaft zu verstehen. Der gängige Kalauer war die Frage, woran man einen theoretischen Mathematiker erkennen könne. Die Antwort: die Zuordnung von Knöpfen und Knopflöchern bei Hemden und Jacken geht morgentlich grundsätzlich schief.

          Es kommt aber noch etwas hinzu. Bei Fachhochschülern war der Anteil an Mathematik in deren Studiengängen wesentlich geringer als bei den Universitätsstudiengängen der gleichen Fachrichtung.

          Daraus ergab sich folgendee Schlussfolgerung:

          Bauen ein Dipl.-Ing (FH) und ein Dipl.-Ing. (TU) eine Brücke, dann werden folgende Ereignisse eintreffen:
          1) Die Brücke vom FH-Ing. bleibt stehen, er kann aber nicht berechnen, warum diese nicht einstürzt.
          2) die Brücke des Uni-Ing stürzt ein, er ist aber in der Lage entsprechend des Standes von Wissenschaft und Technik zu berechnen, warum dieser Fall „Signa-Bruch“ eintreten musste.
          Bestes Beispiel die Müngster-Brücke, deren Tragfähigkeit nach der Instandsetzung vor einigen Jahren lediglich die unbesetzten Triebfahrzeuge aushielt. Die Zugpassagiere mussten mit dem SEV solange die Brücke durch das Tal umfahren und konnten hinter dre Brücke wieder den Zug besteigen.

      • „Der Stoff bis Klasse 10 reicht für die Bewältigung der meisten mathematischen Probleme im Alltag aus.“
        Das ist eine schon ältere Diskussion. Vor ca. 20 Jahren hat Hans Werner Heymann in seiner Habilitationsschrift (in Pädagogik) die These vertreten, 7 Jahre Matheunterricht in der Schule würden eigentlich ausreichen. Das Echo war nicht direkt zustimmend:
        https://www.math.uni-bielefeld.de/chronik/siebenjahre.php

        • Kopfrechnen, Überschlagsrechnen und Prozentrechnen reicht weitestgehend. Das strukturierte, abstrakte und logische Denken braucht man allerdings schon eher. Leider findet das alles in der Schule nicht ansatzweise genug statt.

    • @ xxx: Wie soll man die Abiturprüfungen noch einfacher machen?
      Nichts desto trotz sind sie meiner Meinung nach die einzige wirkliche Hürde, da die Abiturklausuren zentral gestellt werden. (Man darf ja in NRW auf dem Weg zum Abitur acht Defizite in den anrechenbaren Kursen haben. Die nicht-anrechenbaren Kurse sind da noch zuzurechnen.)
      Alle anderen Punkte abgesehen von den Abiturklausuren erhält man im Vorfeld von den eigenen Lehrkräften und die Benotung hängt eben von jenen Lehrkräften und damit von der Schule ab, auf der man das Abitur anstrebt. Solange es keine Fremdkorrektur gibt, ist auch die Bewertung der Abiturklausuren mit hausinternen Zweitkorrektur „relativ“.
      Wer bei dem Wort „Zentralabitur“ an eine objektive Bewertung der Leistung von zwei Jahren Qualifikationsphase glaubt, hat Scheuklappen auf.

    • Der Ansatz von Yvonne G. ist aus meiner Sicht in Bezug auf schulorganisatorische Problemstellungen (Unterrichtsausfall) nachvollziehbar.

      GY machen die Termine für die Nachprüfungen für die anderen Jahrgänge gerne zum Studientag. Da die Fachprüfungsausschüsse aus drei Lehrkräften (Vorsitz, Protokoll, FachprüferIn) mit der Befähigung für die SekI+II bestehen müssen und viele SuS nach Möglichkeit in einem (Hauptprüfungs-)Tag ihre Nachprüfungen absolvieren sollen. Da an GY alle Lehrkräfte prüfungsberechtigt – also zur Teilnahme an den Prüfungen zugelassen – sind, erfolgen die „Abweichungsprüfungen“ mit hohem Personaleinsatz zulasten der allgemeinen Unterrichtsversorgung.

      An GE sieht die Sache dann allerdingsanders aus. Es ist allenfalls ein Drittel des Kollegiums prüfungsberechtigt. Während der Zeit der mündlichen Prüfungen (3. Abi-Fach und Abweichungsprüfungen) fallen die Lehrkräfte der SekI+II als Fachlehrkräfte in der SekI mehr oder weniger weg. Ein großer Teil dieser Fachlehrerstunden liegen ja im Verlaufe des Unterrichtstages und müssen folglich durch Lehrkräfte der SekI vertreten werden zumindest aber beaufsichtigt werden. Das führt zu einem erheblichen Anteil von abrechenbaren Mehrarbeitsstunden im Monat Mai, zumal in diesem Monat ja auch die ZP10 und ggf. dort anstehende Nach- und Abweichungsprüfungen anstehen.

      Der Vorschlag dient der Kosteneinsparung – nicht mehr und nicht weniger.

  2. @Redaktion: Meiner Meinung nach ist die Aussage des Artikels zweideutig.
    Einerseits spricht man von der Abschaffung der Abweichprüfung für Überfliegerleistungen und andererseits spricht man über Abweichungen nach oben UND nach unten.

  3. Wer also in einer Abiturklausur zu gut war, kann sich freuen. Das gilt auch für die, deren Unterricht oder deren Bewertung zu schlecht waren.
    Wer in einer Abiturklausur zu schlecht war, kann sich freuen, da er weiterhin mit einer mündlichen Prüfung die eigene Leistung noch verbessern kann. Das gilt auch, wenn das Niveau im Vorfeld zu gering war und man damit unangemessenerweise zu viele Punkte erhalten hat.
    Die Maßstäbe beim Abitur sind so unzentral, wie sie nur sein könnten.
    Es gibt gemeinsame Vorgaben, die aber nicht überprüft werden, wenn man darüber nachdenkt. Einziger zentraler Aspekt sind drei Klausuren pro Schüler, die aber hausintern korrigiert werden. Ausnahme ist die Fremdkorrektur in zwei Fächern pro Jahr, wobei bei zu großen Abweichungen eine Drittkorrektur erfolgen muss – dann wieder hausintern.
    Wie unzentral selbst die Abiturklausuren sind, zeigte mir vor kurzer Zeit eine Diskussion dreier Lehrkräfte der Schulen A, B und C:
    Kollegin A beschwerte sich, dass sie während der Abiturklausuren im Haus sein muss, um Fragen zu beantworten, wenn diese nicht fachlich sind. Sie wurde also nie gerufen. Die Aufsichten in den Klausuren seien ja auch alle fachfremd und könnten die Fragen nicht bewerten.
    Kollege B verstand das nicht, denn schließlich sind an seiner Schule die Aufsichten IMMER vom Fach, um sowas zu bewerten und Fragen verstehen zu können. Nur der eigene Kurslehrer wird nicht als Aufsicht eingesetzt.
    Kollegin C verstand das erst recht nicht, denn bei ihr hat die Fachlehrkraft eines Kurses immer eine Stunde Aufsicht in einer Abiturklausur, um auf Fragen eingehen zu können, weil es ja im Kurs immer andere Formulierungen gegeben haben könnte.
    Fazit für mich: Die Schwierigkeit einer Abiturklausur hängt von der Schule ab.
    Die Überprüfung der Einhaltung von „Fairness“ hängt von der Schule selbst ab.
    Dies gilt für alle Punkte, die im Vorfeld erreicht werden.
    Es gibt mittlerweile eine froße Fraktion von Schülern und Eltern, die zur EF hin einen Schulwechsel in Betracht ziehen, damit der Notenschnitt am Ende stimmt.
    Schießlich sind zum Beginn eines Studiums nicht die Kompetenzen entscheidend, sondern man braucht nur den passenden NC.
    Anders ausgedrückt: Quantität geht vor Qualität.

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