Jeder vierte Viertklässler schafft das Seepferdchen-Abzeichen nicht

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SCHWERIN. Jedes vierte Kind kann am Ende der Grundschule nicht schwimmen – in Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls nicht. Im vergangenen Sommer schafften von den 11.715 Viertklässlern an den öffentlichen Schulen des Landes 3233 oder 27,6 Prozent nicht einmal das Seepferdchen-Abzeichen, wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage (Drs. 7/4450) der Linken-Fraktion im Landtag hervorgeht.

Kinder ohne Seepferdchen-Abzeichen sind am Wasser stets in Gefahr. Foto: Elya / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Für das Seepferdchen muss man nach einem Sprung vom Beckenrand 25 Meter schwimmen und außerdem einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser heraufholen. An den privaten Grundschulen war der Anteil der Viertklässler ohne Seepferdchen mit 17,5 Prozent geringer. Allerdings müssen die Daten der Grundschulen in freier Trägerschaft laut Ministerium nicht vollständig sein.

25.000-Euro-Programm für 40.000 Schüler?

Die Linke kritisierte, dass es zu wenige Schwimmlehrer in Mecklenburg-Vorpommern gebe. «Ob ein Kind schwimmen kann oder nicht, entscheidet im schlimmsten Fall über Leben und Tod», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg am Dienstag. Die Verantwortung dürfe nicht allein auf die Eltern abgewälzt werden, denn Schwimmunterricht sei Bestandteil des Lehrplans. Oldenburg forderte ein Schwimmlernprogramm, mit dem jedes Kind in Mecklenburg-Vorpommern spätestens nach der vierten Klasse gelernt hat, sicher zu schwimmen. «Das derzeitige Landesprogramm mit seinen 25.000 Euro wird für die 40.000 Kinder ohne sichere Schwimmkenntnisse keine Besserung bringen», so Oldenburg.

Um zu mehr Schwimmlehrern zu kommen, ist das Ministerium der Antwort zufolge mit der Universität Rostock für einen Kurs im Gespräch, der angehenden Grundschullehrern, die nicht den Bereich Sport belegen, den Erwerb eines Zertifikates ermöglichen würde. «Notwendige konkrete Absprachen hierzu befinden sich derzeit noch in der Abstimmung», hieß es dazu. dpa

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3 KOMMENTARE

  1. Das ist doch mal ein sinnvoller, praxisorientierter Ansatz. Besser mit Zertifikat unterrichten (z.B. in Kooperation mit der DLRG) als nur fachfremd mit RS-Schwimmabzeichen.
    Vielleicht könnte man ja auch hier in Zukunft Kunst, Musik oder Sport als Wahlpflichtfach für die Grundschule im Studium belegen lassen. Das ist ja bereits in Bayern so.
    Aber kurzfristig ist die Zertifikateinführung als Zusatzqualifikation sicher eine gute Option.

  2. Ich würde mir als Grundschullehrer nicht den Stress des Schwimmunterrichts antun.

    Wieso lese ich eigentlich in dem Artikel nichts davon, dass die Kommunen ihre maroden Schwimmbäder oftmals geschlossen haben? So gibt es gerade im ländlichen Bereich oftmals keine Schwimmbäder in halbwegs erreichbarer Nähe mehr.

    • Das kommt natürlich noch als weiteres Problem hinzu. Und dem muss ebenso gegengesteuert werden.
      Natürlich ist fachfremder Schwimmunterricht Stress, aber fachfremder Musik- oder Chemieunterricht (z.B. oft an HS) genauso. Und dennoch machen es einige Lehrer sogar freiwillig.
      Ich denke, dass sich so genügend Lehrer finden lassen würden, die mit solch einem Zertifikat wenigstens halbwegs qualifiziert wären, was die Schwimmdidaktik betrifft.

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