Schulnotstand? Tonne weist Vorwurf zurück – Lehrer bekräftigen ihn

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HANNOVER. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat Vorwürfe der Opposition zurückgewiesen, Niedersachsen steuere auf einen Schulnotstand zu. Zwar müsse die Unterrichtsversorgung weiter verbessert werden, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im Landtag in Hannover. Weiterhin stelle Niedersachsen aber deutlich mehr Lehrerinnen und Lehrer ein, als gleichzeitig in Pension gingen. Von den 1350 zum 1. Februar ausgeschriebenen Stellen seien aktuell bereits 1150 besetzt worden. Dies seien schon 400 mehr, als Lehrkräfte ausscheiden. Der VNL/VDR spricht trotzdem von einer „desolaten Unterrichtsversorgung“.

Unter Druck: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Foto-AG Melle, derivative work Lämpel – Own work / WIkimedia Commons / CC BY 3.0

Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren im Schuljahr 2020/2021 stelle die Gymnasien ab dem Sommer vor einen Kraftakt, denn es würden wieder mehr Lehrer benötigt. Dafür habe die Regierung sich allerdings gerüstet, denn der Haushalt 2020 decke die Einstellung von insgesamt rund 3700 Lehrkräften ab. Eine Herkulesaufgabe werde es, sämtliche dieser Stellen zu besetzen. Die Opposition hatte Tonne vorgeworfen, es falle weiterhin zu viel Unterricht aus. Der Einsatz der verfügbaren Lehrer werde schlecht koordiniert.

„Abordnungskarussell vom Gymnasium dreht sich munter weiter“

„Die heutige Debatte in der Aktuellen Stunde im Landtag hat deutlich gemacht, dass sowohl im zweiten Halb- wie auch im nächsten Schuljahr die Unterrichtsversorgung an sehr vielen Haupt-, Real- und Oberschulen weiterhin desolat sein wird. Wir können noch immer keine wirklich Erfolg versprechende Strategie unseres Kultusministers erkennen, wie er die prekäre Situation nachhaltig in den Griff bekommen will. Der gute Wille allein wird dazu nicht ausreichen“, so kommentierte Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR).

Weiter erklärte er: „Das unproduktive Abordnungskarussell vom Gymnasium an die nicht-gymnasialen Schulformen dreht sich auch im 2. Halbjahr munter weiter. Zum neuen Schuljahr wird damit Schluss sein, da die Gymnasien ihre Lehrkräfte wegen G9 selbst benötigen. Wie will Kultusminister Tonne die dann entstehenden Löcher stopfen? Ausreichend Junglehrkräfte werden dann noch immer nicht zur Verfügung stehen, weder zahlenmäßig noch fächermäßig. Die enorme Arbeitsbelastung unserer Lehrkräfte, auch bedingt durch die Umsetzung der Inklusion und der Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, wird leider auch in Zukunft weiterbestehen bleiben. Es fehlt eine ganzheitliche Lösung.“ News4teachers / mit Material der dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Dass gerade an den Haupt- und Realschulen die Lehrkräfte fehlen, ist nichts Neues. Einige Bundesländer betrifft dieses Problem jedoch weniger stark. Ein gutes Beispiel ist Hessen:
    Studium LA HR mit Regelstudienzeit 7 Semester -> Besoldung A13
    Studium LA GY mit Regelstudienzeit 9 Semester -> Besoldung A13
    -> weniger Lehrermangel an HR
    In Niedersachsen dagegen 10 Semester für alle Lehrämter, aber nur GY A13.
    Kein Wunder, dass da besonders die anderen Schularten chronisch unterbesetzt sind!

  2. Ich wiederhole mich: Erstaunlich und unverantwortlich ist es, dass in der Lehrerausbildung, Bereich Deutschdidaktik, in Niedersachsen keine einzige neue Professur ausgeschrieben wurde und das angesichts des enormen Lehrkräftemangels. Es wird sogar noch schlimmer! An der Universität Oldenburg ist eine (= die einzige) Uni) Professur zum Bereich Sprachdidaktik gestrichen worden (ehemals W. Eichler, T. Pohl, B. Mesch) und wird nun als Jun.-Prof. weitergeführt. Wann wird mal endlich mehr auf diesen Missstand hingewiesen und dieser behoben? Das wäre so wichtig!

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