Von Lehrern angestachelt? Immer öfter provozieren Schüler in KZ-Gedenkstätte

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HANNOVER. Besucher der Gedenkstätte Bergen-Belsen stellen nach Angaben des Geschäftsführers der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner, zunehmend provokante Fragen. Mitunter zweifelten Schüler die Zahlen der NS-Opfer an. „Das sind Fragen von Jugendlichen, die von Lehrern oder anderen gewissermaßen angespitzt worden sind“, sagte Wagner der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Er beobachte seit mehreren Jahren eine Verschiebung der „Grenzen des Sagbaren“ nach rechts.

Das Foto zeigt Frauen und Kinder bei der Befreiung von Bergen Belsen - draußen türmten sich die Leichenberge. Foto: Imperial War Museum / Wikimedia Commons
Das Foto zeigt Frauen und Kinder bei der Befreiung von Bergen Belsen – draußen türmten sich die Leichenberge. Foto: Imperial War Museum / Wikimedia Commons

Als Beispiel berichtete er, dass jüngst mehrere Schüler einer Klasse kritische und provokante Fragen stellten. Die Lehrerin zeigte sich nach Angaben Wagners irritiert. Es habe sich herausgestellt, dass die Frau für einen Kollegen eingesprungen war, der AfD-Mitglied sei. „Der hat die Jugendlichen offenbar angestachelt, mit bestimmten Fragen zu provozieren.“ Zwar habe es auch früher solche Provokationen gegeben, das Ausmaß sei aber neu. Wagner führte die Entwicklung auf das Erstarken der AfD und rechtsextreme Gedanken zurück.

Anne Frank starb in Bergen-Belsen

In dem damaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen wurden in den Jahren 1943 bis 1945 mehr als 100.000 Männer, Frauen und Kinder gefangen gehalten. Nach Angaben der Gedenkstätte starben mehr als 52.000 von ihnen. Zu den Todesopfern zählte auch Anne Frank, die mit ihren Tagebüchern posthum weltbekannt wurde.

Dem Historiker zufolge sei es nötig, die Gedenkstättenarbeit zu modernisieren. „Sicherlich stehen im Mittelpunkt des Gedenkens zweifellos die Opfer. Doch zeitgemäße Gedenkstättenarbeit muss sehr viel stärker auch nach Tätern, Mittätern und Profiteuren fragen und damit nach der Funktionsweise der von den Nazis propagierten Volksgemeinschaft“, sagte er der Zeitung. „Auch die Erkenntnis, dass Geschichte nicht einfach geschieht, sondern von vielen gemacht wird, sollte bei unseren Besuchern wachsen.“ dpa

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2 KOMMENTARE

    • Sehe ich auch so, allerdings handelt es sich sicherlich um Einzelfälle.
      Ich denke, dass die meisten Geschichtskollegen an den weiterführenden Schulen fachlich gute Arbeit leisten.

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