Corona-Krise treibt Blüten: Schule soll trotz Infektion bei einer Lehrerin öffnen – ein Drittel des Kollegiums meldet sich krank

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DÜSSELDORF. Die Corona-Krise hält die Schulen weiter in Atem. Insbesondere die Frage, ob und wann der Schulbetrieb ruhen sollte, beschäftigt Lehrer, Eltern und Schüler. Eine Düsseldorfer Gesamtschule sollte trotz einer nachgewiesenen Infektion bei einer Lehrerin (im Gegensatz zu etlichen anderen Schulen bundesweit) öffnen, der Schulbetrieb weiterlaufen. Das Kollegium erzwang allerdings die Schließung: Die Schulleitung erreichten kurzfristig so viele Krankmeldungen, dass die Schule am Freitag dicht bleiben musste. Ein Experte erwartet unterdessen, dass das Virus – nach einer Entspannungsphase – im Herbst zurückkehrt.

Manchmal genügt ein Verdachtsfall, um eine Schule zu schließen – andernorts soll das nicht mal bei einer bestätigten Infektion eines Lehrers erfolgen. Foto: Shutterstock

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin vom Freitag ist die Zahl der bestätigten Infektionen ist in Deutschland auf 534 gestiegen. Der Erreger sei inzwischen außer in Sachsen-Anhalt in allen anderen Bundesländern nachgewiesen.

Betroffen sind auch Schulen. Immer öfter verfügen die Gesundheitsämter zeitweilige Schulschließungen und Quarantäne-Maßnahmen. Dabei verfolgen die Behörden aber offenbar keine einheitliche Linie. Mitunter wird recht großzügig verfahren.

Aktuelles Beispiel: eine Gesamtschule in Düsseldorf. Die Schulleitung hatte am Mittwoch auf ihrer Internetseite mitgeteilt: «Bei einer Lehrerin unserer Schule ist das Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden.» Nach intensiver Prüfung habe das Gesundheitsamt trotzdem  entschieden, dass nur Schüler einer Lerngruppe und einige Kontaktpersonen zu Hause bleiben sollen: «Der Unterrichtsbetrieb läuft also weiter.»

„Unterricht in der Schule findet nicht statt“

Einen Tag später, am Donnerstag, schrieb die Schulleitung im Internet dann: «Aufgrund einer hohen Zahl an erkrankten Lehrkräften kann der planmäßige Unterricht am Freitag, den 06.03.2020, nicht organisiert werden. Die Schülerinnen und Schüler haben daher einen häuslichen Studientag – Unterricht in der Schule findet nicht statt.» Nach Angaben der Bezirksregierung sind von 135 Lehrkräften aktuell 45 krank gemeldet. Elf Lehrer davon waren gebeten worden, zu Hause zu bleiben, weil sie Kontakt mit der Infizierten gehabt hatten. «Zu den Gründen der Krankmeldungen der anderen Lehrkräfte liegen keine Informationen vor», so eine Sprecherin der Bezirksregierung.

Auch an einem Gymnasium im niedersächsischen Stade läuft der Unterricht weiter, obwohl  ein Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet wurde (News4teachers berichtete). Die Schulleitung nahm daraufhin mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Rücksprache. Ergebnis: Der Unterricht findet trotzdem statt. Eltern können allerdings frei wählen, ob sie ihre Kinder zuhause lassen. Da der betroffene Lehrer seit Freitag nicht mehr in der Schule war und er erst am Montag erste Symptome zeigte, bestehe für die Schüler keine Ansteckungsgefahr, befand die Amtsärztin.

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In anderen Fällen zeigen sich Gesundheitsämter deutlich strenger. Ein Beispiel aus Schleswig-Holstein: Eine Förderschule in Nortorf bleibt am heutigen Freitag wegen Coronavirus-Verdachts geschlossen, weil ein Kind am vergangenen Wochenende Kontakt zu einer mittlerweile positiv auf Corona getesteten Person gehabt haben soll. Das Kind sei in häuslicher Quarantäne und habe bisher keine Symptome, so teilten die Behörden mit. Es wurde ebenfalls auf das Coronavirus getestet. Die Ergebnisse sollen im Laufe des Tages vorliegen, dann wird das weitere Vorgehen beschlossen, hieß es.

Erkältet auf der Skifreizeit der Schule – Quarantäne

Ein anderer Fall: Weil sich einige Schüler bei einer Skifreizeit nach Südtirol erkältet haben, muss die ganze Reisegruppe für zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Die 23 Zwölftklässler und drei Lehrkräfte eines Gymnasiums in Hoya kehren am Wochenende von einer Klassenfahrt in Italien zurück, wie ein Landkreissprecher am Freitag sagte. In der Region seien Fälle des neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden, außerdem zeigten einige Schüler «die für Skifreizeiten üblichen Erkältungssymptome».

Dass Schüler und Lehrkräfte nach ihrer Rückkehr das Haus für 14 Tage nicht verlassen dürfen, sei eine reine Vorsichtsmaßnahme – einen konkreten Verdacht auf eine Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gebe es nicht. Die Eltern der Schüler dürfen sich trotz der Quarantäne-Anordnung frei bewegen, wie der Sprecher betonte: «Es sollte eben darauf geachtet werden, dass die Jugendlichen möglichst in ihrem Zimmer bleiben.»

Der Krisenstab zum Coronavirus in Bayern empfiehlt, dass Schulen erst dann geschlossen werden, wenn dort ein bestätigter Fall mit Sars-CoV-2 aufgetreten ist. Wenn dagegen nur ein begründeter Verdachtsfall vorliege, solle die Klasse des betroffenen Schülers zu Hause bleiben, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag in München mit. Die Dauer der Maßnahme sei dann vom konkreten Einzelfall abhängig. News4teachers / mit Material der dpa

Ärzte warnen vor Corona-Hysterie

BRAUNSCHWEIG. Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus könnten einem Forscher zufolge nach einer Beruhigung im Frühjahr in der nächsten nassen Jahreszeit wiederkehren. «Ich gehe davon aus, dass wir das Virus nicht in wenigen Wochen völlig ad acta legen werden. Wahrscheinlich müssen wir uns dem Thema im Herbst erneut stellen – ähnlich wie der Influenza», sagte der Epidemiologe Gérard Krause der «Braunschweiger Zeitung». Der Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig hält den Vergleich zur Influenza für interessant, weil er Parallelen sieht. Auch auf einem Kongress von Notärzten war von einer „etwas schwerwiegendere Grippe mit meist mildem Verlauf“ die Rede.

In der aktuellen Situation erkennt Krause auch ermutigende Befunde. «Immerhin können wir mittlerweile relativ sicher sagen, dass das Virus sehr leicht übertragbar ist und dass ein großer Teil der Erkrankten nur sehr leicht erkrankt. Letzteres ist eine gute Nachricht. Aber beides geht ja oft miteinander einher», sagte er der Zeitung.

„Aufklärung der Bevölkerung muss verbessert werden“

Notärzte haben Politiker und Bürger vor einer Coronavirus-Hysterie gewarnt. «Wir haben keine medizinische Lage, wir haben eine politische Lage», sagte der Präsident eines Kongresses mit rund 1400 Notärzten und Rettungskräften in Koblenz, Jörg Brokmann, am Freitag. Der neue Erreger Sars-CoV-2 habe beispielsweise im besonders stark betroffenen nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg zur Quarantäne von vier Kinderärzten und somit zu weniger Behandlungen kranker Mädchen und Jungen geführt. «Da ist aus meiner Sicht überreagiert worden», sagte der Leiter der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums Aachen.

Covid-19-Erkrankungen seien «genauer betrachtet eine etwas schwerwiegendere Grippe» mit meist mildem Verlauf. Deswegen sollten Ärzte und Sprechstundenhilfen ohne Symptome nicht gleich in Quarantäne kommen und Praxen so zur Schließung zwingen. Die Aufklärung der Bevölkerung und die Vorbereitung auf die nächste derartige Krankheitswelle müssten verbessert werden, forderte Brokmann. Er erinnerte auch an die hohe Zahl von Influenza-Toten in Deutschland: Infolge der starken Grippewelle in der Saison 2017/18 zum Beispiel waren bundesweit schätzungsweise 25.000 Menschen gestorben. Der Ärztekongress fand übrigens weitgehend ohne Einschränkungen statt. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers kommentiert.

„Corona-Ferien“ für alle Schulen in Deutschland? „Das wäre ein Maßnahmen-Overkill“, meint der Deutsche Lehrerverband

 

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