Coronavirus: Immer mehr Schulen müssen schließen – meist schon wegen Verdachtsfällen, andernorts erst bei Bestätigung einer Infektion

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BÜREN. Sollen Schulen bereits bei Corona-Verdachtsfällen geschlossen werden – oder erst bei bestätigten Infektionen? In der Beantwortung dieser Frage ist derzeit bei den zuständigen Gesundheitsämtern keine klare Linie erkennbar. In Büren im nordrhein-westfälischen Kreis Paderborn beispielsweise wurden zwei Schulen geschlossen, weil sich bei einer Familie im Stadtgebiet der Verdacht auf eine Infektion ergab. Eine Bestätigung steht aus. Im Raum Aachen gilt hingegen: Schulen werden erst geschlossen, wenn sich die Infektion im Umfeld bestätigt hat. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme.

Immer mehr Schulen müssen wegen Corona-Verdachtsfällen schließen. Foto: Shutterstock

Ein durch das Schulministerium koordiniertes Vorgehen, wann eine Schule oder Kita geschlossen werden muss, gibt es dem WDR zufolge in Nordrhein-Westfalen nicht. Eine Schule könne „zur Abwehr erheblicher konkreter Gefahren“ geschlossen werden, so informiere das Ministerium. Auf die Frage, wann genau eine erhebliche konkrete Gefahr besteht, werde an das Gesundheitsministerium verwiesen.

Das wiederum erklärt laut Bericht, dass die Unteren Gesundheitsbehörden nach Infektionsschutzgesetz für alle Maßnahmen verantwortlich seien, die der Eindämmung des Coronavirus dienen. „Sie entscheiden eigenverantwortlich unter Berücksichtigung des aktuellen Ausbruchgeschehens vor Ort und Berücksichtigung der Vorgaben des Robert-Koch-Instituts über das konkrete Vorgehen“, so zitiert der WDR einen Behördensprecher. In der Praxis fällt die Einschätzung allerdings unterschiedlich aus.

In Büren sollten ein Gymnasium in der Stadtmitte sowie eine Grundschule im Ortsteil Harth am Montag und Dienstag geschlossen bleiben, wie eine Sprecherin des Kreises Paderborn in der Nacht zu Montag mitteilte. Bei einer Bürener Familie habe sich am Sonntagabend der Verdacht auf die vom neuartigen Coronavirus verursachte Krankheit Covid-19 ergeben. Bisher zeige aber keines der Familienmitglieder Symptome. Die Schließung der beiden Schulen erfolge vorsorglich, bis abgeklärt sei, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt. Es handele sich um die Grundschule Harth und das Liebfrauen-Gymnasium Büren. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt.

Ähnlich die Situation in Wuppertal: Dort wurden laut WDR wegen eines Corona-Verdachtsfalls eine Schule und ein Waldorf-Kindergarten vorsorglich bis Mitte der Woche geschlossen, weil der Lebensgefährte einer Lehrerin weise nach einer Italien-Reise in die vom Corona-Virus stark betroffene Region Lombardei Grippe Symptome aufweise. Bis Mitte kommender Woche soll ein Test zeigen, ob der Mann sich wirklich mit Corona infiziert hat. Vorsorglich befinde sich die gesamte Familie in häuslicher Quarantäne. Die Familienmitglieder des Mannes seien bislang völlig symptomfrei.

Auch in Aachen und Umgebung gibt es aktuell Schulschließungen. Bei drei Schulen wurden bei Mitarbeitern oder Schülern Infektionen festgestellt, in einem Fall – dort ist eine Lehrerin betroffen – geht es lediglich um einen Verdacht. Dieses Vorgehen weiche von der Linie der Behörden in der Region ab, Schulen nur bei Vorliegen eines bestätigten Falles zu schließen, heißt es in einem Bericht der „Aachener Nachrichten“. „Es ist den Eltern aber nicht zuzumuten, am Montagmorgen noch schnell eine Betreuung für Ihre Kinder zu organisieren. Auch, wenn es auch medizinischen Gründen derzeit nicht geboten ist, wird im Sinne der Eltern und Kinder in diesem Fall von dem Vorgehen abgewichen. Am Montag wird das Testergebnis vorliegen und auf dieser Basis eine weitere Entscheidung getroffen werden“, erklärte am Wochenende der Gesundheitsdezernent der Städteregion Aachen, Michael Ziemons, dem Bericht zufolge.

Entwarnung im Fall einer Schülerin

Im Fall einer Schülerin aus dem Raum Aachen, die mit ihrer Reisegruppe an der Grenze zu Österreich im Bus gestoppt wurde, gab es am Abend Entwarnung. Nach Angaben eines Sprechers fiel der Test in Bayern auf den neuartigen Coronavirus negativ aus. Die Schülerin hatte vor der Reise «intensiveren» Kontakt zu einem Jugendlichen, bei dem es einen Nachweis gab.

Im Rhein-Erft-Kreis müssen ebenfalls am Montag viele Schüler zuhause bleiben. Wie die Stadt Bergheim am Sonntagabend mitteilte, wurde ein weiterer Corona-Fall im Bergheimer Stadtgebiet bestätigt. Demnach habe sich eine Lehrkraft des örtlichen Gymnasiums mit dem Coronavirus infiziert. Die Schule bleibt mindestens bis Dienstag geschlossen. Weitere Maßnahmen würden mit dem Gesundheitsamt des Rhein-Erft-Kreises abgestimmt.

„Aufgrund der besonderen Disposition und Verletzlichkeit der Schülerschaft haben wir uns in enger Abstimmung mit der Schulleitung aus Vorsichtsgründen für diese vorübergehende Maßnahme entschieden“, so Gesundheits- und Schuldezernent Christian Nettersheim in einer Pressemitteilung. Auch in Pulheim-Brauweiler und in Frechen habe man sich zu Schulschließungen entschlossen, berichtet „Radio Erft“. Demnach gebe es zwar keinen akuten Infektionsfall an einer der Schulen. Allerdings habe jeweils eine Lehrkraft der Einrichtungen Kontakt mit einem bestätigten Corona-Fall gehabt.

Negative Tests bei 185 Grundschülern

Nach der Infektion eines Mitarbeiters einer Offenen Ganztagsbetreuung (OGS) in Bonn gibt die Stadt eine erste vorsichtige Entwarnung. Am Sonntagabend lagen negative Tests für 185 Kinder vor, die die Grundschule besuchen, wie eine Sprecherin sagte. 30 Tests auf das neuartige Coronavirus stünden noch aus. Darunter seien sowohl Schüler als auch Lehrer. Krisenteams hatten die Familien am Wochenende aufgesucht, aber noch nicht alle Kontaktpersonen des 23 Jahre alten OGS-Mitarbeiters angetroffen. Er hat nur leichte Symptome und befindet sich nach Angaben der Uniklinik Bonn in häuslicher Quarantäne. Der Student hatte Karneval im Kreis Heinsberg gefeiert.

In Thüringen nehmen zwei Schulen ihren Betrieb wieder auf, die vorsorglich geschlossen worden waren. Der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus bei einem 15-Jährigen imIlm-Kreis hat sich nicht bestätigt. Der Laborbefund der Berliner Charité sei negativ, informierte eine Sprecherin des Landratsamtes am Sonntagabend in Arnstadt. Damit finde am Montag der Unterricht an der Grund- und der Regelschule in Ichtershausen wieder planmäßig statt. Die Schulen, an denen rund 400 Kinder und Jugendliche lernen, waren am Freitag wegen des Verdachtsfalls geschlossen worden.

Schulleitungen sollen nur im Ausnahmefall allein entscheiden

„Grundsätzlich haben auch Schulleitungen im Einzelfall die Befugnis, Schülerinnen und Schüler vom Unterricht auszuschließen, wenn von ihnen eine Gesundheitsgefahr ausgeht“, so teilt das Schulministerium Nordrhein-Westfalen mit. Dies gelte auch für Lehrkräfte. „Allerdings kommen in der gegenwärtigen Situation isolierte Maßnahmen der Schulleitung nur ausnahmsweise in Betracht – auch um Unruhe zu vermeiden. Sie sollten nur angeordnet werden, wenn eine konkrete, durch Hinweise belegte Gefahr droht und das zuständige Gesundheitsamt zur Abstimmung geeigneter Maßnahmen nicht rechtzeitig erreichbar ist. Außerdem ist die Schulaufsichtsbehörde einzuschalten.“ News4teachers / mit Material der dpa

Coronavirus: Erstmals Infektionen bei Lehrkräften nachgewiesen – betroffene Schulen bleiben geschlossen

 

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