Coronavirus: Länder streichen Veranstaltungen – auch den Deutschen Schulleiterkongress

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DÜSSELDORF. Wegen des Coronavirus sollen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Bayern grundsätzlich abgesagt werden – oder (wie Fußballspiele) ohne Zuschauer stattfinden. «Die Lage ist ernst, aber kein Grund zur Panik oder für irrationales Verhalten», sagt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Großveranstaltungen müssten nun in den Fokus genommen werden, auch wenn Absagen für Veranstalter teilweise schmerzhaft seien und zu Umsatzeinbußen führten. Eines der ersten Opfer der Neuregelung: der Deutsche Schulleiterkongress, der vom 19. bis zum 21. März in Düsseldorf stattfinden sollte.

Mehr als 2000 Schulleiter aus ganz Deutschland sind in diesem Jahr wieder zum Deutschen Schulleiterkongress nach Düsseldorf gekommen. Foto: Wolters Kluwer
Mehr als 3500 Schulleiter aus ganz Deutschland sollten auf dem Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf zusammenkommen – hier ein Foto von 2016. Foto: Wolters Kluwer

„Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen bei der Verbreitung des Coronavirus in Deutschland haben wir uns in Abstimmung mit dem VBE dazu entschieden, den für kommende Woche geplanten Deutschen Schulleiterkongress (DSLK) in Düsseldorf auf den Herbst zu verschieben“, so heißt es aktuell auf der Seite des DSLK. „Über den neuen Termin, voraussichtlich im September oder November dieses Jahres, und das weitere Vorgehen informieren wir Sie in den kommenden Tagen per E-Mail. Ihr Ticket behält für den neuen Termin selbstverständlich seine Gültigkeit.“ Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) ist Mitveranstalter des Kongresses, bei dem sich alljährlich 3.500 Schulleiter in Düsseldorf versammeln.

Schulen bleiben geöffnet – um Kinder zu betreuen

Alle großen Messen, Kongresse, Konzerte oder Sportveranstaltungen werden in Nordrhein-Westfalen zunächst abgesagt. Ebenfalls betroffen: die Lit.Cologne, das mit 100.000 Besuchern  größte Literaturfestival Europas. Es sollte ursprünglich heute Abend mit einer Gala zur Verleihung des Hörbuchpreises starten. Nach aktueller Erkenntnislage gebe es keine Schutzmaßnahmen, die einen geringeren Eingriff bei gleicher Wirksamkeit böten, erläuterte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Es müsse deshalb genau überlegt werden, was verzichtbar sei.

Dass die Schulen in NRW trotz des Coronavirus weiter geöffnet bleiben, begründete Laumann mit der Betreuungssituation: Krankenschwestern und Ärzte könnten nicht zu Hause sitzen, weil «kleine Kinder» daheim seien, die nicht in die Schule gehen. «Schulen sind unverzichtbar», sagte Laumann. Auch der Öffentliche Nahverkehr werde nicht beschränkt, «weil die Menschen müssen auch zur Arbeit gehen», so Laumann. Er erwarte jedoch, dass die Bürger ihr «Freizeitverhalten» überdenken.

Zur Eindämmung des Coronavirus verbietet Bayern bis einschließlich 19. April Veranstaltungen ab 1000 Personen und empfiehlt die Absage auch für kleinere Events ab 500 Menschen. «Die Coronakrise ist voll in Bayern angekommen», sagte Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Dienstag in München. Für Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Personen sollen die Behörden eine Risikobewertung vornehmen. «Im Zweifel lieber absagen», sagte Söder.

Allein in Bayern sind derzeit 52 Schulen geschlossen

Bei Veranstaltungen unter 500 Personen soll es weiterhin die Entscheidungen jedes einzelnen sein, ob diese durchgeführt oder besucht werden. Er betonte, dass alle Entscheidungen permanent evaluiert und der Lage angepasst würden, der Freistaat fahre «auf unmittelbare Sicht». Das Land schließt von diesem Mittwoch (11. März) an bis zum 19. April alle staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser. Bei den Schulen bleibe es bei der bisherigen Regelung. «Generelle Schließungen sind derzeit noch nicht angezeigt», hieß es. Derzeit sind 52 Schulen in Bayern geschlossen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Sonntag empfohlen, wegen der schnellen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Deutschland Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen.

Was passiert mit Schulzentren?

Schulzentren haben meist mehr als 1000 Schüler – sollten sie dann nicht auch geschlossen werden? Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, würde das zum jetzigen Zeitpunkt für wenig zielführend halten. „Spahn hat bewusst von Großveranstaltungen gesprochen“, sagt Meidinger gestern gegenüber der „Welt“. Im Vergleich zu Events, auf denen sich die Massen dicht aufeinander tummelten, seien die Schüler auch in großen Schulen nicht alle in einem Raum. „Jede Schule sollte aber genau überlegen, welche Veranstaltungen sie zum jetzigen Zeitpunkt stattfinden lässt und welche lieber nicht“, sagte Meidinger. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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