Coronavirus: Bundesweit wohl schon mehr als 100 Schulen und Kitas geschlossen – ab wann machen großflächige „Corona-Ferien“ Sinn?

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MÜNCHEN. Kein Unterricht, manchmal über Wochen. Wegen des neuartigen Coronavirus bleiben auch in Deutschland immer wieder einzelne Schulen und Kitas geschlossen. Der Deutsche Lehrerverband schätzt die Zahl der betroffenen Einrichtungen auf aktuell 100. Wie sinnvoll wäre das als großflächige Maßnahme?

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland rasant aus. Illustriaton: Alachua County / Flickr

Früher hitzefrei – heute Coronaferien. Etliche Kinder werden sich später mal daran erinnern, dass ihr Unterricht im Jahr 2020 wegen eines Virus für Tage oder gar Wochen ausfiel. Im Zuge der Covid-19-Pandemie bleiben auch in Deutschland Schulen zeitweise geschlossen – Dutzende sind es derzeit schon bundesweit. Weltweit verpassen gerade zig Millionen Kinder ihren Unterricht. Dabei sind sich Experten keineswegs einig, dass großflächige Schulschließungen zur Eindämmung von Sars-CoV-2 sinnvoll sind.

In Deutschland gilt derzeit meist: Sobald es einen bestätigten Fall in einer Bildungseinrichtung gibt, wird diese vorübergehend geschlossen. So hat es etwa das bayerische Gesundheitsministerium verfügt. Auch wer aus einem Risikogebiet – zum Beispiel Norditalien – zurückkehrt, soll nach dem Willen der Behörden in München zunächst 14 Tage keine Schule oder Kindertagesstätte besuchen. Allerdings entscheiden Gesundheitsbehörden unterschiedlich – mitunter blieben Schulen geöffnet, obwohl bein einer Lehrkraft oder einem Schüler eine Infektion nachgewiesen wurde (News4teachers berichtete).

Nötig seien länderübergreifend Kriterien, wann Schulschließungen sinnvoll sind und wann nicht, so forderte der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm, am Montag in Berlin. „Ein hoher Grad an Verbindlichkeit ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass es uns gelingen kann, die Verbreitung des Virus in den nächsten Tagen in Deutschland zeitlich deutlich zu strecken“, sagte Storm.

Stecken sich Erwachsene kaum bei Kindern an?

Dabei zeigen erste Datenanalysen: Anders als bei der Grippe sind Kinder bei Covid-19 wahrscheinlich keine bedeutsamen Treiber für die Ausbreitung des Virus in der Gemeinschaft. Für Sars-CoV-2 sei abzusehen, dass Kinder nur sehr selten deutliche Symptome entwickeln, hieß es gerade von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Anzunehmen ist demnach auch, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken – Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern.

«Schulschließungen können sinnvoll sein, wenn man Hygiene-Maßnahmen nicht gewährleisten kann», sagt die Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität (TUM) und vom Helmholtz Zentrum München. «Aber man muss die enormen Auswirkungen auf die Wirtschaft und vor allem auch auf das Gesundheitssystem bedenken, wenn die jungen Eltern dann nicht mehr zur Arbeit gehen können, sondern sich um ihre Kinder kümmern müssen.»

Mit Blick auf Maßnahmen wie Quarantäne, Absage von Großveranstaltungen und Schulschließungen sei generell wichtig zu verstehen, dass diese nicht auf den Schutz von Einzelpersonen abzielten, weil das Virus etwa so außerordentlich gefährlich wäre. «Sondern sie sind wirklich gedacht, um die Ausbreitung zu verlangsamen», erklärt Protzer.

«Wenn ich ein Virus habe, das auf 100 Prozent empfängliche Personen trifft, dann breitet sich das sehr schnell aus», erklärt die Expertin. In der Folge könne etwa das Gesundheitssystem überlastet und so die Versorgung von Erkrankten gefährdet werden. «Auch wenn man sagt, man schließt eine Schule, dann ist das nicht, weil man Angst hat, dass die Kinder krank werden», sagt sie. «Es geht darum, die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen.»

„Es lohnt nicht, Schulen zu schließen“

Der Sprecher des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Peter Walger, hält Schulschließungen ebenfalls nicht für sinnvoll. Allein die Probleme, die sich aus der damit nötigen Kinderbetreuung ergäben, stünden nicht im Verhältnis zum Nutzen, sagte der auf Infektiologie spezialisierte Facharzt. Auch er verweist darauf, dass Eltern dann ebenfalls zu Hause bleiben müssten – mit Folgen für deren Arbeitsstellen und das öffentliche Leben. «Es lohnt nicht, Schulen zu schließen.»

Ganz so sieht es das Bayerische Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nicht: Eine Schließung habe durchaus Potenzial zur Eindämmung der Epidemie, teilte die Behörde mit. Es gebe Erkenntnisse, dass sich Kinder offenbar genauso leicht ansteckten wie Erwachsene. Tatsächlich kommen Forscher in einer kürzlich präsentierten kleinen Studie zu dem Ergebnis, dass Kinder sich wohl ähnlich häufig wie Erwachsene infizieren – aber nur sehr selten krank werden. Warum Kinder eine Sars-CoV-2-Infektion offenbar besser abzuwehren vermögen, ist bisher unklar.

«Offen ist derzeit die Frage, ob Kinder das Virus genauso effektiv an andere Personen übertragen können wie Erwachsene», heißt es vom LGL. Inwieweit Kinder ohne Symptome ein Übertragungsrisiko darstellten, könne aktuell nicht seriös beantwortet werden, sagt auch DGKH-Sprecher Walger.

Gegen flächendeckende Schulschließungen

Ansteckend oder nicht, für immer mehr Kinder heißt es in den kommenden Tagen wohl vorerst: schulfrei wegen Sars-CoV-2. Der Deutsche Lehrerverband (DL) schätzt, dass derzeit bundesweit rund 100 Schulen und Kitas von tage- oder wochenweisen Schließungen betroffen sind. «Das ist aber eine Schätzung, die jederzeit von der Wirklichkeit überholt werden kann», sagt DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger. („Fokus online“ bietet eine aktuelle Übersicht über die Schulschließungen in Deutschland – hier.) Die DAK-Gesundheit geht davon aus, dass aktuell sogar fast 150 Schulen wegen Sars-CoV-2 geschlossen sind.

Der Verband sei gegen generelle, flächendeckende Schulschließungen – sogenannte Coronaferien» – wie in Italien, sagt er. So etwas könne nur effektiv sein, wenn es begleitet werde von der Schließung aller Firmen, Arbeitsstellen und Restaurants, von Ausgangssperren und der Stilllegung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs.

Und selbst dann bliebe Meidinger zufolge die Frage: «Was ist nach zwei Wochen Coronaferien, wenn die Neuinfektionen nicht zurückgehen? Verlängert man dann nochmals und nochmals mit enormen Konsequenzen für Abschlussprüfungen und Schullaufbahnen?» Daher sei seine Position: «Zum jetzigen Zeitpunkt und als isolierte Maßnahme hält der DL von generellen Schulschließungen wenig.» Von Thomas Körbel und Sabine Dobel, dpa

„Corona-Ferien“ für alle Schulen in Deutschland? „Das wäre ein Maßnahmen-Overkill“, meint der Deutsche Lehrerverband

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4 KOMMENTARE

  1. Wie dämlich muss man sein „man kann den Eltern die plötzliche Betreuung nicht zumuten?“ herzlich willkommen in doof Deutschland. Falls es noch nicht jedem RTL Gucker klar sein sollte… Wir haben gerade ein Problem! Scheiß auf Kapitalerträge und Umsatzzahlen… Hauptsache die Menschen haben Sicherheit. Anschließend hauen wir alle mal ein paar Wochen rein und die Zahlen sind wieder gut.

    • „Falls es noch nicht jedem RTL Gucker klar sein sollte… Wir haben gerade ein Problem“, schrieb der RTL Gucker. Hätten sie den Beitrag gelesen und verstanden, würden Sie hier nicht so dümmlich daherschreiben!

  2. DISTANZIERTER Leben…eine Verlangsamung der Verbreitung…wie soll das gehen wenn sämtliche Schulen und Kitas offen sind.Viele Mütter haben grad schwer kranke Kinder zu Hause, die nicht behandelt werden weil es ja Corona sein kann und das keiner in seiner Praxis haben will.Ich habe einen Immungeschwächten Sohn zu Hause, der schon seit Wochen mit edlichen Infekten kämpft und nicht zur Schule kann.Gott sei dank sag ich mir da.Auf solche Kinder wird null geachtet.Schließt Herr Gott nochmal Behinderteneinrichtungen bzw Tagesbildungsstätten und Schulen ect, damit euer Volk auch wieder gesund werden kann!
    Wirklich schlimm so manche Vorstellung.Deutschland denk wohl, es sei unantastbar. Nein, ist es nicht!

  3. Das schlimme ist ..daß die Verantwortlichen für die Schulschließungen
    Keine Ahnung haben…Warum hören die nicht auf die EXPERTEN. Das KULTUSMINISTERIUM vergisst glaube ich auch die ganze Lehrerschaft die sich jeden Tag anstecken können….Zählen da Menschen und deren Gesundheit nicht mehr ,als der wirtschaftliche Einbruch??
    den kann man nur verringern…in dem endlich mal einer klare Linie fährt ….das ist der Kanzlerin ihre Aufgabe. ..köare Aussage Schulen zu bis zu den Osterferien…und die Ferien dazu…dann kann man das Problem vielleicht etwas in den Griff kriegen…

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