Studie: Zehnminütiger Test prognostiziert Studienerfolg besser als die Abiturnote

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MAINZ. Ob jemand ein wirtschaftswissenschaftliches Studium aufnehmen darf, das entscheidet hauptsächlich die Abiturnote. Doch die Abbrecherquoten sind hoch. Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, wie sich der Studienerfolg vor Studienbeginn zuverlässiger vorhersagen lässt.

Der Test TEL-D erlaubt eine zuverlässige Prognose über den Studienerfolg, so fanden die Wissenschaftler heraus. Foto: Shutterstock

In Deutschland beginnen jedes Jahr etwa 450.000 junge Menschen ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Fast jeder Vierte von Ihnen bricht das Studium vor dem Abschluss ab. An einzelnen Hochschulen ist die Quote noch höher. Die Ursachen dafür liegen Experten zufolge unter anderem in den vielfältigen Zugangsmöglichkeiten zum Studium einschließlich internationaler Mobilität und in den verschiedenen Bedingungen in den Bundesländern, auch im Schul- beziehungsweise Abiturbereich.

Abiturnote ist bislang das einzige Zulassungskriterium

Bislang dient als Zulassungskriterium für ein Studium in den Wirtschaftswissenschaften die Abiturnote. Besondere Vorkenntnisse werden in der Regel nicht gefordert. Eine Studie der Universität Mainz (JGU) und der Humboldt-Universität Berlin (HU) kam nun zu dem Ergebnis, das bereits ein simpler und kurzer Test den Studienerfolg innerhalb des ersten Studienjahres in den Wirtschaftswissenschaften wesentlich zuverlässiger vorhersagen konnte als ein Intelligenztest oder die Abiturnote.

Es habe sich gezeigt, dass ein kurzer Eingangstest die studienfachrelevanten Noten der Studierenden nach dem ersten Studienjahr mit großer Zuverlässigkeit vorhersagen konnte. „Das heißt, wir könnten mit einem einfachen, freiwilligen Test die studienerfolgsrelevanten Eingangsvoraussetzungen von Studieninteressenten objektiv und valide erfassen“, berichten die Hauptautoren der Studie, Olga Zlatkin-Troitschanskaia (JGU) und Hans Anand Pant von der HU.

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Für die Untersuchung setzten die Wissenschaftler den in den USA entwickelten „Test of Economic Literacy“ (TEL-IV) ein und adaptierten ihn auf den deutschen Hochschulkontext (TEL-D). An insgesamt 41 Universitäten und Hochschulen in ganz Deutschland konnten knapp 4.000 Studenten für die Teilnahme an der repräsentativen Erhebung gewonnen werden. Im Verlauf von drei Jahren fanden zwei Erhebungsrunden statt, wobei die Studierenden zunächst vor Beginn des Studiums und dann am Ende des zweiten beziehungsweise zu Beginn des dritten Semesters befragt wurden.

Der fachspezifische Eingangstest TEL-D ermittelte unter anderem, ob die Studienanfänger ein grundlegendes Verständnis von gesamt- und einzelwirtschaftlichen Zusammenhängen mitbringen, wie sie zum Beispiel in einer kaufmännischen Ausbildung oder einem Leistungskurs Wirtschaft erworben werden. „Dieser Test fokussiert nicht auf generelle kognitive Fähigkeiten, sondern auf das fachbezogene Denken und Verständnis, beispielsweise dem grundlegenden Konzept von Angebot und Nachfrage“, erklärt Zlatkin-Troitschanskaia. Hans Anand Pant ergänzt: „Außerdem ist auch für ein erfolgreiches Studium der Wirtschaftswissenschaften viel mathematisches und statistisch-methodisches Verständnis nötig. Das wird häufig von den Studienanfängern und Studienanfängerinnen unterschätzt. Über 80 Prozent der Studierenden wissen nicht, was das wirtschaftswissenschaftliche Studium konkret bedeutet.“

Studienleistungen wurden zuverlässig vorhergesagt

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie ergab, dass der Studienerfolg über die Studiennoten nach dem ersten Studienjahr in allen fachlichen Studienmodulen signifikant vorhergesagt werden könne. Mit TEL-D waren die Forscher in der Lage, die Studienleistungen zuverlässig zu prognostizieren und auch Studienabbrüche während des ersten Studienjahrs vorherzusagen. Mit einem Intelligenztest, der zum Vergleich eingesetzt wurde, sowie nur mit der Abiturnote sei dies dagegen nicht möglich gewesen.

Die Projektleiter Zlatkin-Troitschanskaia und Pant betonen vor diesem Hintergrund, dass das Lernpotenzial und der Vorwissensstand der Studenten viel stärker als bislang zu berücksichtigen sei, wenn man die hohen Studienmisserfolgsquoten reduzieren möchte. „Auffrischungs- oder Brückenkurse zu Studienbeginn sind leider oft nicht hilfreich“, so die Wirtschaftspädagogin. „Wie wir gesehen haben, kommt es bei der Studienvorbereitungsphase darauf an, welche Fähigkeiten die Studierenden mitbringen.“ Diese Fähigkeiten könnten mit einem fachspezifischen Studieneingangstest effektiv, kostengünstig und technisch einfach ermittelt werden. Der TEL-D etwa kann in der Kurzfassung in 10 Minuten, in der Langfassung in 25 bis 30 Minuten bearbeitet werden – und liefert eine viel bessere Prognose als die Hochschulzugangsberechtigung. (zab, pm)

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