Jede zehnte Schule in NRW hat keine reguläre Schulleitung

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DÜSSELDORF. Integration, Inklusion, Digitalisierung – die Leitung einer Schule ist im Laufe der Jahre immer anspruchsvoller geworden. Der Lohn für den Spagat lohnt aus Sicht vieler Lehrer allerdings die Mühen nicht: In NRW sind Schulleiter daher weiter dringend gesucht.

Schulleitungen, gerade an Grundschulen, sind häufig mit einer Vielzahl an Aufgaben auf sich allein gestellt. Foto: Shutterstock.

Mehr als jede zehnte Schule in Nordrhein-Westfalen hat keinen regulären Leiter. An den 4878 Schulen des Landes fehlen derzeit immer noch 502 Rektoren oder Direktoren. Das teilte das Schulministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit.

Demnach hat sich die Besetzungsquote in den vergangenen beiden Jahren leicht, aber stetig verbessert. Quer über alle Schulformen liegt sie aktuell bei 89,71 Prozent. Ein Jahr zuvor lag die Gesamtbesetzungsquote mit 89,22 Prozent ein Paar Zehntel schlechter und 2018 nur bei 86,15 Prozent.

Gebauer verspricht „attraktive Arbeitsbedingungen“

Die Landesregierung arbeite weiter daran, die Lücken an den Schulen zu schließen und mit attraktiven Arbeitsbedingungen mehr Lehrkräfte für diese Posten zu gewinnen, versicherte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). «Bis dahin sorgen Vertretungsregelungen dafür, die Herausforderungen der Schulen abzufedern.»

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Gebauer warb für die Aufgabe, deren Vielfalt und Gestaltungsspielraum mit der Position eines Managers zu vergleichen sei. Schulleiter seien «Führungspersönlichkeiten, deren Engagement der Schule einen individuellen Stempel aufdrückt», betonte sie.

Beste Quote: Gymnasien und Berufskollegs

Die beste Besetzungsquote unter den elf aufgelisteten Schulformen – darunter auch kleine Schulversuche wie Primus- oder Gemeinschaftsschulen – haben mit rund 95 Prozent weiterhin Gymnasien und Berufskollegs, dicht gefolgt von den Gesamtschulen (rund 94 Prozent). Die schlechteste Besetzungsquote auf den Chefsesseln der klassischen allgemeinbildenden Schulformen haben mit rund 84 Prozent die Hauptschulen. Hier hat sich die Lage im Vergleich zu den beiden Vorjahren (2019: rund 78 Prozent, 2018: rund 68 Prozent) allerdings sichtbar verbessert.

Gemessen an den absoluten Zahlen fehlen vor allem Grundschulrektoren: Die 2713 Grundschulen in NRW haben 303 leere Chefsessel zu vergeben bei einer Besetzungsquote von knapp 89 Prozent. dpa

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6 KOMMENTARE

  1. Das ist doch auch kein Wunder, dass Gymnasien und Berufskollegs gut mit Leitungen bestückt sind und Grundschulen so miserabel.
    Grundschulen: viele Frauen oft in Teilzeit und A14 und nur Konrektor zur Hilfe -> keine Leitungsambitionen
    Gymnasium: mehr Männer seltener in Teilzeit und A16 und Konrektor und mind. 3 Koordinatoren und ggf. didaktische Leitung als Hilfe
    Obendrein ist ja das Qualifikationsverfahren recht komplex und es gibt wenig Plätze. Das nimmt man wohl auch eher für A16 als A14 auf sich.

    • In unserem BL gibt es
      – neuerdings A13 für Schulleitungen an den Grundschulen, bisher zum Teil nur A12Z,
      – nur wenige Anrechungsstunden für die Schulleitungen, sodass sie bis zu 18 Std. Unterricht erteilen müssen, gerne auch mit Klassenleitung,
      – sehr wenige Stellen für KonrektorInnen, damit neben den SL auch niemanden, der sich schon mal einarbeitet und an die Tätigkeiten herangeführt wird,
      – keine anderen Stellen oder Entlastungsstunden für die vielen anderen Aufgaben, die anfallen.

      Wenn die Arbeit nicht entsprechend vergütet wird, will sie niemand machen.

      • Das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb man in NDS auch kein so umfangreiches Qualifizierungsverfahren vor und nach Amtsantritt durchlaufen muss und es da vermutlich im Schnitt noch mehr unbesetzte Schulleitungsposten gibt. In NRW gibt es für jede SL-Stelle im GS-Bereich A14, was aber auch nicht so super viel ist, wenn man sich überlegt, dass das an der weiterführenden Schule oft schon ein Fachobmann in einem Nebenfach erhält und man zuvor Orientierungsseminare, Schulleitungsqualifikationen (4 Module?) und das Assessment Center Eignungsfeststellungsverfahren (Prüfung aus 6 Modulen, je zwischen 30 und 120 Minuten) durchläuft sowie nach Amtsantritt weitere Seminare über das Schuljahr hinweg.

        • Ach, noch zu deinen beiden anderen Punkten, 2 ist hier ähnlich, es gibt ein Leitungsdeputat, das zwischen Rektor und Konrektor geteilt wird. Die Klassenleitung ist nicht unüblich. Die Konrektorenstellen gibt es eigentlich an jeder GS, sind aber nur sehr selten besetzt, so dass es letzlich doch der SL macht. Wenn sie besetzt wären, würden die Konrektorstellen mit A13 und Zulage besoldet.

    • Grundschule und A14? Zumindest in Baden-Wü unvorstellbar…“normale“ Schulleiterstellen an Grundschulen sind mit A12+Zulage bzw. A13 ausgeschrieben und das nicht erst seit gestern. Warum wird hier nicht gegengesteuert? Warum sollte man diesen Posten bei dem sehr geringen Mehrgehalt, aber der großen zusätzlichen Mehrarbeit anstreben?

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