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“Schulleitungen und Lehrkräfte sind fassungslos über ihren Dienstherrn, die Landesregierung”

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DÜSSELDORF. Der Vorgang ist beispiellos: Am Donnerstagnachmittag kündigt das NRW-Schulministerium in einer offiziellen Schulmail an alle 5.500 Schulen im Land an, die Grundschulen ab dem 11. Mai auch für die Klassen 1 bis 3 zu öffnen. Zwei Stunden später kommt ebenfalls per Schulmail eine “Klarstellung” – ohne Entschuldigung -, der zufolge das doch nicht gilt. Der Hintergrund: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zwischenzeitlich zurückgepfiffen (hier berichtet News4teachers ausführlich über das Geschehen). Wie groß die Verärgerung in der Lehrerschaft des Landes über die Landesregierung mittlerweile ist, zeigt eindrucksvoll ein offener Brief des VBE-Landesvorsitzenden Stefan Behlau an Laschet und Gebauer. Wir dokumentieren das Schreiben.

Da war noch eitel Sonnenschein: Yvonne Gebauer erhält ihre Ernennungsurkunde zur NRW-Schulministerin von Ministerpräsident Armin Laschet. Foto: Land NRW/R. Sondermann

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Laschet, sehr geehrte Frau Ministerin Gebauer,

nicht erst, aber besonders seit der 17. Schulmail des Ministeriums für Schule und Bildung am Donnerstag, 30.04.2020, herrscht eine große Unruhe und Empörung unter den Schulleitungen und Lehrkräften in NRW. Daran hat auch die angebliche Klarstellung zu dieser Schulmail noch am selben Tag nichts geändert.

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Schulleitungen und Lehrkräfte sind in großem Maße tief verärgert und fassungslos über ihren Dienstherrn, die Landesregierung, durch die sie sich in keiner Weise in ihrem Aufgabenfeld verstanden und vertreten fühlen. Sowohl die Inhalte der Schulmail als auch die öffentlichen Äußerungen machten mehr als deutlich, dass die Kommunikation innerhalb der Landesregierung stark gestört scheint.

Keine Wertschätzung gegenüber Schulleitungen und Lehrkräften

Zum wiederholten Male erfuhren Schulleitungen und Lehrkräfte wichtige Informationen zuerst über die öffentlichen Medien. Zusätzlich zeigt sich in erschreckender Weise, dass nicht alle Verantwortlichen in der Landesregierung und dem Ministerium über den aktuellen Schulalltag informiert sind und anscheinend nicht annähernd wissen, was Schulleitungen und Lehrkräfte in diesen schwierigen Zeiten für die Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und damit für unsere Gesellschaft leisten. Gesellschaftlich verantwortliches Handeln und Wertschätzung gegenüber Schulleitungen und Lehrkräften sieht anders aus!

Seit Beginn der Pandemie hat der VBE angeboten, seine Expertise in die Gespräche und Beratungen über Wiedereröffnungsszenarien einzubringen. Der VBE hat mit seinem Denkanstoß zur Wiedereröffnung der Schulen bereits vor Ostern einen konstruktiv-kritischen Diskussionsbeitrag geliefert. Doch Gespräche und Beratungen blieben aus. Jetzt haben erstmalig Gespräche stattgefunden. Gespräche und Beratungen, die wichtig sind, die Rückkopplungen erlauben, zur Reflektion animieren und hilfreich bei einer gelingenden Kommunikation sein können und sollen. Es ist gut, diese Gespräche zu führen, es ist auch gut, dass der Austausch stattfindet.

Aber dieser Austausch benötigt auch Zeit. Er darf nicht missbraucht werden, um weitere Schritte zu legitimieren. Der VBE verwehrt sich ausdrücklich gegen die Äußerung in der 17. Schulmail, diese sei inhaltlich mit uns abgestimmt und würde von uns mitgetragen. Diese Art der Instrumentalisierung unseres Verbandes weisen wir ausdrücklich zurück und fordern eine Richtigstellung gegenüber den Schulen.

Der VBE setzt sich dafür ein, dass es zu einer schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen kommt, die tragfähig ist. Im Sinne dieser Tragfähigkeit hat der VBE bisher im dynamischen Prozess folgende Forderungen konkret formuliert:

Der VBE hat mehrfach darauf hingewiesen, dass es eine Mammutaufgabe ist, in der aktuellen Zeit eine Schule zu organisieren. Bereits die Durchführung von Distanzunterricht und Notbetreuung ist für viele Schulen eine große Herausforderung, der sich die Schulleitungen und die Kollegien mit viel Einsatz und Engagement gestellt haben und jeden Tag stellen.

Schulleitungen und Lehrkräfte unterstützen – nicht vor den Kopf stoßen

Es ist Aufgabe der Landesregierung, Schulleitungen und Lehrkräfte bei diesen Aufgaben deutlich zu unterstützen und sie nicht durch fehlende Kommunikationsfähigkeiten im Kabinett vor den Kopf zu stoßen. Grenzen der Ermöglichung müssen auch deutlich aufgezeigt werden, wenn es zum Beispiel um Fragen der OGS bei den Grundschulen geht oder um die Durchführung von Prüfungen an den weiterführenden Schulen. Schule ist mehr als die Summe der Leistungsbewertungen und Prüfungen und auch mehr als ein Betreuungsort für Kinder und Jugendliche.

Darüber hinaus ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass alle weiteren Schulformen – insbesondere die Förderschulen – bis zum heutigen Tag noch keine weitergehenden Informationen und Sicherheit über Art und Umfang des zu gestaltenden Unterrichts erhalten haben. Es gilt in den nächsten Tagen im ständigen Austausch, klare und transparente Fahrpläne für die Schulen zu entwickeln, die zunächst bis zu den Sommerferien gelten. Fahrpläne, die alle Schulformen berücksichtigen.

Darüber hinaus gilt es schon jetzt, in Gespräche einzutreten, die mögliche Szenarien des kommenden Schuljahres vorbereiten. Der VBE erklärt ausdrücklich seine Bereitschaft für diese Gespräche. Die Zeit für die Gespräche und Beratungen müssen wir uns alle nehmen. Wichtiger als die Schnelligkeit bei der Wiederaufnahme des Schulbetriebs ist seine Tragfähigkeit. Die Zeit der Unklarheiten, der Eitelkeiten, der kurzfristigen Information und der Alleingänge muss ein Ende finden. Jetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Hier berichtet News4teachers ausführlich über das Hin und Her von Gebauer und Laschet.

Herr Lindner, treten Sie als Schul- und Kita-Minister von Nordrhein-Westfalen zurück!

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