Schülerrat: Lehrer und Schüler brauchen direkten Kontakt – keine Videokonferenzen

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HANNOVER. Die Corona-Pandemie hat die Schulen im Griff: Mit Online-Unterricht und Hausaufgaben via Internet sind mehrere Wochen im sogenannten Homeschooling für die niedersächsischen Schüler vergangen. Wie aber geht es nach den Sommerferien weiter? Geht es nach dem Landesschülerrat, dann kehren Schülerinnen und Schüler so schnell wie möglich in ihre Klassen zurück. Florian Reetz, Vorsitzender des niedersächsischen Landesschülerrats, meint: Direkter Kontakt von Schülern und Lehrern muss sein.

Videokonferenzen können Präsenzunterricht nicht vollständig ersetzen. Foto: Shutterstock

Wie geht es den Schülern in Niedersachsen nach Monaten im Homeschooling?

Reetz: Man könnte denken, dass die Schüler jetzt tatsächlich Entspannung erfahren haben dadurch, dass Schule nicht so möglich war, wie sie war – und die Ferien nicht verdient sind. Wir sehen das allerdings ganz anders. Die Zeiten waren wahnsinnig anstrengend und voller Ungewissheit, totaler psychischer Druck und schwer für alle Schüler, so dass sie die Ferien, die jetzt kommen, auch verdient haben. Sie sollten tatsächlich mal von der gesamten Zeit Abstand nehmen und sich auf das nächste Schuljahr freuen – in der Hoffnung, dass weiter gelockert wird und die Schule ansatzweise so stattfinden kann, wie wir sie kannten und mochten.

Was sind die Forderungen des Schülerrats für das neue Schuljahr?

Reetz: Wir brauchen auf jeden Fall wieder den direkten Kontakt von Lehrern und Schülern, aber auch von Schülern und Schülern, weil wir sehr gut miteinander lernen. Unterricht findet in der Schule statt, Unterricht findet nicht zu Hause mit Videokonferenzen statt. Damit kann das Lernen auch nur in der Schule stattfinden, weil das momentan noch der elementarste Teil von Schule ist und da jeder Schüler eben lernt und lernen kann.

Was sollte aus der Corona-Zeit aus Sicht des Schülerrats beibehalten werden?

Reetz: Digital kann man mit Apps ganz andere Sachen lernen, beispielsweise Vokabeln. Und das ist etwas, was man in den Regelunterricht einbauen kann. Das steigert den Lernerfolg und das Lernvergnügen. Die generelle Digitalisierung von Schule ist etwas, was man mitnehmen kann, was wir uns auch weiterhin wünschen würden, beispielsweise Abiturprüfungen am Computer. Kleinere Klassen tun dem Unterricht sehr gut. Man kann besser auf Schüler eingehen. Natürlich braucht man dafür mehr Lehrer und auch mehr Räume. Aber das ist etwas, was wirklich erfolgreich ist. Einige Schulen haben in der Corona-Zeit den Unterricht um 9.00 Uhr begonnen – und nach den Berichten der Lehrer sind die Schüler erfolgreicher gewesen.

Was war besonders schlecht während der Corona-Zeit?

Reetz: Die Vergleichbarkeit – das Kultusministerium hat fürs nächste Schuljahr Themen gekürzt in den Anforderungen. Und da gibt es Ungleichheiten, weil einige Schulen die gekürzten Themen schon hatten, andere Schulen nicht. Aber es werden dieselben Abiturprüfungen geschrieben. Das heißt, die Vergleichbarkeit ist durch Corona an Schulen so gut wie nicht mehr gegeben. Und das ganz besonders Schwierige daran ist, dass jetzt einige Schüler tatsächlich Unterricht hatten, wie sie es kannten. Die anderen hatten einmal eine Videokonferenz und danach nie wieder. Und andere Schüler hatten überhaupt keine Videokonferenz, weil sie keinen Zugang dazu hatten.

ZUR PERSON: Florian Reetz ist Landesschülerratsvorsitzender in Niedersachsen. Er ist 17 Jahre alt und besucht die 12. Klasse der Gesamtschule IGS Heidberg in Braunschweig. Interview: Hilal Oezcan, dpa

Wie Fernunterricht als Videokonferenz klappt – und welche Rolle die Eltern dabei spielen: Ein Lehrer berichtet aus seiner Praxis

 

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2 KOMMENTARE

  1. Das einzige, wovon laut dem Schülerrat Abstand genommen werden soll, ist das Schuljahr. Kein Wort zu Schülern, die Risikogruppen angehören oder Angehörige haben. Kein Wort zu Hygienevorschriften und abstandsgeboten. Divise: Nur nicht zu unangenehmen Themen positionieren. Ich sagte es ja in einem anderen Beitrag bereits: Den Pflichten entziehen und auf Rechte pochen. q.e.d.

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