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Wieler drängt Ministerpräsidenten, RKI-Empfehlungen für Schulen zu beachten – sonst…

Das Robert-Koch-Institut ist eine Bundesbehörde: Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler. Foto: Andrea Schnartendorff / RKI, Wikimedia Commons

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BERLIN. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Prof. Lothar Wieler, hat auf einer aktuellen Pressekonferenz das Corona-Geschehen in Schulen und Kitas als „kontrollierbar“ bezeichnet – unter der Voraussetzung, dass die Empfehlungen des RKI eingehalten würden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn die Ministerpräsidentin beim Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der kommenden Woche nicht auf das vom Bund vorgeschlagene Modell des Wechselunterrichts einschwenken, droht den Landesregierungen die Kontrolle über das Infektionsgeschehen vollends zu entgleiten.

„Wir betrachten das Geschehen intensiv“, sagte Wieler. Das Robert-Koch-Institut registriere auch Ausbrüche in Schulen und Kitas, 475 bislang in Schulen und über 100 in Kitas. „Natürlich kann in Schulen und Kitas auch eine Infektion weitergegeben werden. Das ist klar.“ Deutlich werde zwar, dass das Infektionsgeschehen bei Kindern unter zwölf Jahren ruhiger verlaufe als in anderen Altersgruppen, „dass hier nicht die Kinder eher hinterherlaufen“ – bei Schülern ab einem Alter von 13, 14 stiegen dann aber die Inzidenzwerte. Gleichwohl betonte Wieler: „Wir können das managen.“ Voraussetzung sei allerdings, dass in den Schulen bestimmte Hygieneregeln eingehalten werden.

Wieler zu Schulen: “Es gibt Empfehlungen, von denen wissen wir, dass sie funktionieren”

„Wir haben uns entschieden in der Gesellschaft, und ich finde das eine sehr richtige Entscheidung, dass wir Schulen und Kitas aufrecht erhalten wollen, und wir haben vom Robert-Koch-Institut entsprechende Empfehlungen gegeben, die es ermöglichen, dass die Schulen und die Kitas aufbleiben“, sagte Wieler. „Und wenn das eingehalten wird, dann sehen wir auch, dass das Geschehen in Schulen auch kontrolliert werden kann. Die Message, die ich hier schicke, ist die: Es gibt Empfehlungen, von denen wissen wir, dass sie funktionieren, und wenn sie umgesetzt werden, dann kann man das Geschehen in Schulen auch kontrollieren.“

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Hintergrund: Das RKI empfiehlt ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner für alle Schulen des betroffenen Gebiets eine generelle Maskenpflicht im Unterricht (also auch in Grundschulen) sowie eine Verkleinerung der Lerngruppen, damit die Abstandsregel in den Klassenräumen eingehalten werden kann (News4teachers berichtet ausführlich über die Empfehlungen des RKI für den Schulbetrieb – hier geht es hin). Kein Bundesland beachtet bislang diese Empfehlungen. Kanzlerin Merkel hatte beim Bund-Länder-Gipfel Anfang der Woche darauf gedrängt, sie einzuhalten. Die Entscheidung darüber ist auf kommende Woche vertagt.

„Aber“, so schränkte Wieler ein, „es gehört natürlich auch dazu, dass dann wiederum im Schulumfeld und im Privatumfeld dann auch zusätzlich die Maßnahmen eingehalten werden, über die wir die ganze Zeit sprechen: mögliche Kontaktreduzierung, Abstand halten usw. Denn das Infektionsgeschehen findet ja auch außerhalb der Schule statt und darf nur so wenig wie möglich hineingetragen werden. Da geht’s um den Weg zur Schule, da geht’s um die privaten Kontakte.“

“Wir können das kontrollieren, wenn wir die schlauen Konzepte, die viele Schulen entwickelt haben, auch umsetzen”

Wieler betonte mit Blick auf die Ministerpräsidenten: „Das Entscheidende: Wir können das kontrollieren, wenn wir die schlauen Konzepte, die viele Schulen entwickelt haben, auch umsetzen. Dann haben wir das in der Hand, das Schulgeschehen zu kontrollieren.“ Wieler spielte damit offenbar auf Modelle für Wechselunterricht an – wie das der Stadt Solingen, der das Schulministerium NRW den Unterricht in Schichten vergangene Woche verbieten ließ.

Diese Tabelle veröffentlichte das Robert-Koch-Institut am 17. November – zu erkennen ist: Schon in der Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen liegt der Inzidenzwert mittlerweile bei über 100. Hier geht es zur Quelle.

Auch zur Sorge, dass Kinder womöglich weniger getestet würden und deshalb viele Infektionen nicht erkannt würden, äußerte sich Wieler: „Wir haben uns angeschaut, wie stark werden denn die Altersgruppen überhaupt getestet und wir stellen über die letzten Wochen und Monate nicht fest, dass die Kinder jetzt plötzlich weniger getestet werden. Das Testverhalten hat sich nicht geändert, insofern gibt es keinen Beleg dafür, dass hier zu wenig getestet würde und dadurch zu wenig erkannt würde.“ News4teachers

Die Aussagen Wielers zum Thema Schule finden sich in der Aufzeichnung der Pressekonferenz (Video oben) etwa ab Minute 40:30.

Streit um Schulen auf dem Bund-Länder-Gipfel: Die Geduld der Kanzlerin mit den Kultusministern ist am Ende – eine Analyse

 

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