BERLIN. Schulen, das beteuern die Kultusminister in Deutschland seit Monaten, sind keine Treiber der Pandemie. Offenbar stimmt das aber gar nicht. Immer mehr Virologen melden sich zu Wort, die den Schulen – genauer: den weiterführenden Schulen – eine zentrale Rolle im Infektionsgeschehen zuschreiben. Aktuell sagt der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, Prof. Alexander S. Kekulé: An weiterführenden Schulen gebe es schwerste Ausbrüche. Jugendliche Schüler seien „ganz starke Treiber der Pandemie. Das ist ohne Wenn und Aber erwiesen.“ Auch die prominenten Virologen Prof. Christian Drosten und Prof. Sandra Ciesek haben sich zum Thema Schule wieder öffentlich geäußert.

Sind die Schulen Treiber der Pandemie? „Da muss man nach Altersklassen unterscheiden“, so antwortet Kekulé in einem Interview mit dem Sender Phoenix. „Für den Virologen ist es überraschend, muss ich ehrlich sagen, dass wir bei den Kitas und bei den Grundschulen, also so im Alter bis zu zehn, zwölf Jahren, da sehen wir ganz wenige Ausbrüche, und zwar weltweit, das ist nicht nur in Deutschland so. Da zerbrechen sich alle den Kopf, weil wir genau wissen, dass diese Kinder trotzdem genauso ansteckend sind, also genauso leicht angesteckt werden können wie die Erwachsenen. Aber offensichtlich geben sie das Virus aus irgendwelchen Gründen nicht so leicht weiter. Da geht die Virologie von der Epidemiologie ein bisschen auseinander.“
Kekulé plädiert für Wechselunterricht in den weiterführenden Schulen – sofort
Weiter sagt der Wissenschaftler: „Aber bei den älteren Schülern, also bei uns Gymnasium, weiterführende Schule, da ist es ganz klar, da sehen wir das Gleiche auf der ganzen Welt, dass es schwerste Ausbrüche gibt. Die Jugendlichen, ich sag mal so 15, 16, 17 Jahre alt, sind ganz starke Treiber der Pandemie. Das ist ohne Wenn und Aber erwiesen. Deshalb müsste man darauf ein größeres Augenmerk legen.“ Kekulé plädiert dafür, in den weiterführenden Schulen umgehend auf Wechselunterricht umzustellen, um die Abstandsregel in den Klassenräumen einführen zu können. Auch das Robert-Koch-Institut empfiehlt, in Risikogebieten ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfizierten innerhalb von einer Woche auf 100.000 Einwohner die Schulen in den Wechselunterricht zu nehmen. Kein Bundesland hält sich daran.
#coronanachgehakt: Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren „sind ganz starke Treiber der #Pandemie“, sagt der Virologe Prof. @AlexanderKekule. Weiterführende Schulen sollten “sofort in den Wechselunterricht gehen“.
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Aber was ist mit der Behauptung von Kinderärzten, Kinder seien von Corona kaum betroffen? „Schulen sind keine Infektionstreiber – Entwarnung“ – „Corona-Gefahr an Schulen wird überschätzt“ – „Infektionsrisiko auf SARS-CoV-2 in Kitas und Schulen gering“: So lauteten Schlagzeilen im Vorfeld des jüngsten Bund-Länder-Gipfels, der über den Schulbetrieb entscheiden sollte (und dann tatsächlich die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts verwarf). Anlass der Berichterstattung: Die Süddeutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hatte mit einer Datensammlung, die angeblich belegen soll, dass es nur relativ wenige infizierte Kinder gibt, massiv Stimmung gegen Einschränkungen beim Schulbetrieb gemacht. Eine Dunkelziffer von infizierten Kindern halten die Kinderärzte aufgrund der erhobenen Stichprobe für unwahrscheinlich.
News4teachers hat die Veröffentlichung und die Interpretation der Daten bereits kritisch analysiert. Nun legte Prof. Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, nach – und zerlegte in einem aktuellen NDR-Podcast die vermeintlichen Befunde mit wenigen Sätzen. „Da heißt es: Kinder sind nur wenig betroffen, es gibt keine Dunkelziffer. 0,53 Prozent der untersuchten Kinder waren positiv”, so führte er aus. „Dann sind das 530 auf 100.000. Das müsste man herunterbrechen auf 24 Wochen, den Beobachtungszeitraum. Wir rechnen hier einfach grob. Das wären dann im gesamten Beobachtungszeitraum, im Prinzip das ganze Sommerhalbjahr, 22 auf 100.000 pro Woche. Bei der deutschen Bevölkerungsinzidenz liegen wir aber deutlich darunter. So hätten wir eine erhebliche Dunkelziffer bei Kindern mit dieser Studie nachgewiesen – im Gegensatz zu dem, was in den Pressemitteilungen verkündet wird.“
Drosten sagte weiter: „Im Moment ist das in den Schulen so: Jeder weiß das aus dem eigenen Umfeld, aus dem Bekanntenkreis, es gibt Fälle in Schulen und die werden mehr.“
“‚Kinder stecken keine Lehrer an, das sind immer nur die Lehrer‘ – das ist Quatsch”
Seine Kollegin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität, die im Wechsel mit Drosten im NDR-Podcast auftritt, hatte in der Folge zuvor bereits in eine ähnliche Kerbe geschlagen. „Schulen spielen eine Rolle, klar“, sagte sie. „Was wir wissen, ist: Kinder können natürlich eine Infektion bekommen. Sie können daran auch schwer erkranken und sie können das Virus weitergeben, auch an Lehrer und Mitschüler. Eine Aussage, wie ich sie in der letzten Woche gehört habe: ‚Kinder stecken keine Lehrer an, das sind immer nur die Lehrer‘ (auch diese These wird von Kinderärzten vertreten – News4teachers berichtete darüber), die ist Quatsch. Das muss man klar sagen.“
Auch Ciesek betonte, dass die Bedeutung von Kitas und Schulen in der Pandemie vom Alter der dort betreuten Kinder abhängt. „Kleine Kinder haben überall in Europa einfach eine niedrigere Inzidenz im Vergleich zu anderen Altersgruppen, das zieht sich wirklich durch ganz Europa“, sagte sie. Andererseits: Jugendliche und junge Erwachsene hätten eine weit überdurchschnittliche Ansteckungsquote. „Mit jedem Lebensjahr steigt die Inzidenz bei Kindern“, sagte Ciesek.
Sie äußerte ihr Unverständnis darüber, dass die Politik auf diese Erkenntnisse nicht reagiert – und die Bundesländer weiterhin praktisch uneingeschränkt am Präsenzunterricht für alle Altersgruppen festhalten. So sei es keine gute Idee, das Kurs-System in den Schulen aufrechtzuerhalten. „Warum gibt es keine festen Lerngruppen von Kindern?“, fragte Ciesek. Die Bundesländer setzen auf „Kohorten“, also meist ganze Jahrgänge, in denen sich die Schüler untereinander mischen. Ciesek: „Man sollte genau schauen, wann macht hybrides Lernen Sinn. Das können Pädagogen deutlich besser beurteilen als ich. Ich verstehe aber nicht, dass damit nicht mal langsam angefangen wird. (…) Der Winter ist noch lang. Da passiert im Moment einfach zu wenig.“
Die Behauptung, Schulen sind keine Treiber der Pandemie, “ist nicht mehr haltbar”
Die bisherige Haltung der Kultusminister, dass Schulen generell keine Treiber der Pandemie seien, sei „nicht mehr haltbar“, hatte unlängst auch der Direktor des virologischen Universitätsinstituts in Düsseldorf, Prof. Dr. Jörg Timm, festgestellt. Kleinere Kinder steckten sich zwar seltener mit dem Virus an, könnten es aber weitergeben. Kinder ab zwölf seien „genauso ansteckungsfähig wie Erwachsene.“ Timm: „Daher spielen Schulkinder definitiv eine Rolle.“ News4teachers
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Schulen sind sicher? Wie wäre es mal mit der Wahrheit, Kultusminister?
Für die Kinder ist der Distanz Unterricht nicht gut. Fehlende soziale Kontakte., kein gezieltes Nachfragen bei Verständnis Schwierigkeiten des Lehrstoffes, fehlende technische Möglichkeiten für den Distanz Unterricht usw. Es genügt wenn man ab einem Inzidenz Wert von ca.200 zu Hause bleibt. Ihr tut den Kindern keinen Gefallen sie zu Hause zu lassen.
Tiger, so ist es!
Ihr zwei wisst ja Bescheid.
Oder schreibt Oka mit sich selbst?
Verharmlosen könnt ihr gut.
Schwurbelt doch wo anders.
Und in wie vielen Landkreisen und kreisfreien Städten sind den diese 200 im Oktober und November sowie jetzt auch zu Beginn des Dezembers über mehrere Wochen “gerissen” worden?
Seit dem späten September schreibeine größere Zahl von Gesundheitsämtern trotz zusätzlichem Personal aus anderen verwaltungsbereichen und Amtshilfe durch die BW Überlastungsanzeigen und gibt an bei ca. 80% der positiv getesteten Infektionsfälle die Kontaktketten nicht nachvollziehen zu können?
Aber wie Ihr Nick ja schon andeutet, kraftvoll gesprungen und als Bettvorleger gelandet.
@ Tiger:
Das haben wir versucht, es wurde uns verboten! Die Inzidenz von 200 steht nur auf dem Papier – passieren tut nix (auch jetzt nicht, bei 230 in der Stadt).
Ich bin ebenfalls für Präsenzunterricht, aber in kleinen Gruppen. Das durften wir 1 1/2 Wochen erfahren. Allein das größere Gefühl von größerer Sicherheit trug massiv dazu bei, eine positivere Stimmung zu verbreiten. Jetzt ist wieder alles beim Alten und man hört täglich: Schüler xy ist in Quarantäne, weil der Vater positiv ist – und Schüler xy war eben noch in meinem Unterricht. Ein tolles Gefühl, wenn man es wagt, an sich selbst und seine eigene Familie zu denken! Und daran, dass mit dem Schüler noch 29 andere für 90 Minuten im Raum waren. Das tägliche Gefühl, heute mal wieder (ja, leider waren die meisten von uns bereits mehrfach in Quarantäne, auch wenn viele zum Glück nicht ernsthaft krank waren – aber allein 2 Wochen nicht rauszudürfen und das als Berufsrisiko auch für den Rest der Familie zu verkaufen, finde ich schon beeindruckend unfassbar) in der Quarantänetombola zu sein oder sich gar anzustecken. Danke – für das ständige Gefühl in vorderster Front dabei zu sein, wenn der Virus verteilt wird!
Lieber Tiger,
der fehlende Sozialkontakt fängt in der Familie an.
Wer spielt Gesellschaftsspiele – ja, auf dem Brett, man sitzt sich gegenüber, sieht die Mimik und Gestik, kann sich unterhalten und spielerisch was lernen … – mit seinen Kindern?
Was spielen die meisten? Womit spielen die meisten? Genau. Konsole, Playstation, Spiele ab 18. Das ist Distanz. Selbstgewählt, weil sie fast nichts Anderes mehr kennen. Die Kinder sind innerhalb der Familie isoliert. Deswegen kommen sie ja auch schon so unsozialisiert in die Schule. Es reicht -und zum Glück spreche ich nicht alle Eltern an – nicht, sie mit digitalem Müll vollzustopfen, damit sie nicht stören. Oder weg sind. Bis sie süchtig sind…. Meine Güte.
Und jetzt jammern, sie bräuchten die sozialen Kontakte. (Das sehe ich im Grunde auch so, ich finde es nur schlimm, dass Schule oder KiTa die einzigen Kontaktmöglichkeiten zu sein scheinen – jetzt bei Corona, klar. Doch vorher hat sich kaum jemand darum gekümmert, ob Kontakte fehlen. Und zu der eigenen Familie fehlen sie besonders. Das weiß jeder, der im Schuldienst ist.) Machen Sie den Anfang und spielen Sie mit Ihren Kindern analog. Das ist der Kontakt, der benötigt wird.
Damit stelle mit meiner Aussage keineswegs in Abrede, dass jetzt während Corona die Peergroups fehlen. Die sind ab einem gewissen Alter ohnehin wichtiger als die Eltern.
So richtig, Riesenzwerg!
Wenn Kinder als Störfaktor möglichst ab Tag 1 fremdbetreut, erzogen und bespaßt werden und Eltern kein wichtigeres Ziel haben, als Verantwortung abzuwälzen auf Lehrer und Erzieher, was ist dann mit den sozialen Kontakten zu den wichtigsten Bezugspersonen?!
Gemeinsam spielen, lesen, die Welt entdecken ist doch in vielen Familien nicht Elternsache.
Verantwortung für die eigenen Kinder sollten Eltern gerne übernehmen und sich zuständig fühlen! Gerade jetzt!!!
Mich stört in Bezug auf Schulen der Ausdruck “Treiber der Pandemie”.
Es hört sich für den Normalbürger und Nicht-Pädagogen meines Erachtens nach so an, als wären das die Extremsituationen, sprich: Z.B. Schulen sind die Orte, die die das Infektionsgeschehen EXTREM in die Höhe treiben.
Das kann sich der Nicht-Schulinterne vermutlich eher nicht vorstellen, da es ja laut KM sooo dermaßen ausgeklügelte “Hygienekonzepte” gibt.
Also wird in der Normalbevölkerung vermutet, dass die Aussage: “Treiber der Pandemie” in Bezug auf Schulen übertrieben ist und somit auch das dortige Infektionsgeschehen übertrieben wird.
Das würde ich ggf. sogar unterschreiben.
Für mich wird durch diese überdramatisierende Wortwahl jedoch die Tatsache VERWISCHT, dass Schulen jedweder Couleur aber AUF ALLE FÄLLE die Pandemie fröhlich am Laufen halten, ohne ein “Treiber” im extremen Sinne zu sein.
Ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken.
Doch, die Schulen sind Massenveranstaltungen, bei denen eine Vielzahl von Personen über mehrere Altersgruppen hinweg einen intensiven sozialen Austausch pflegen ohne entsprechenden Abstand halten zu können und über viele Stunden des Tages im Unterricht nicht einmal trotz des fehlenden Abstandes in geschlossen Räumen keine Mske tagen müssen bzw. mussten. Hinzu kommt dass der Kohortenbegriff auf möglichst große Gruppen ausgeweitet worden ist, um einen Regelbetrieb mit den bestehenden notwendigen Differenzierungen, die ja mit Blick auf die Abschlüsse erfolgen und zwingend notwendig sind, durchführen zu können.
Hinzu kommt ja noch, dass sie Geschwisterkinder aus unterschiedlichen Alterskohorten innerhalb des Schulbetriebes außerhalb des Unterrichtes und im privaten Bereich einschließlich des Schulweges nicht trennen können.
Schulen sind also ideale Orte, um ein Virus auf eine Vielzahl von Personen und deren Umfeld außerhalb der Schule übertragen zu können. Schulen haben dabei die gleiche Funktion wie Verteilerzentren der Post im Postverkehr. Poststücke aus einer Region sammeln, bündeln, sortieren und umverteilen.
Der Begriff “Treiber der Pandemie” ist aus meiner Sicht richtig gewählt, vor allem weil eben die “Infektionsherde” in dieser Pandemie nicht lokalisiert werden können und andere mögliche “Treiber” ja infolge der Beschränkungen (Lockdown in Gastro-Bereich, bei Sport- und Kulturveranstaltungen sowie im Handel und anderen Teilen des öffentlichen Lebens einschließlich einer großen Zahl von Behörden und sonstigen Dienstleistern) ausgeschlossen werden können.
Brandbeschleuniger müssen ja nicht unbedingt leicht entflammbare Stoffe sein, es können ja auch die geöffneten Fenster sein, die die Sauerstoffzufuhr ermöglichen. So gesehen sind Schulen mit Sicherheit keine Hemmnisse – aka “Stopper der Pandemie”, die wesentlich zur Eindämmung der Pandemie beitragen.
@Dickebank:
Vielen Dank zunächst für Ihre geduldigen Erklärungen. Ich gebe Ihnen natürlich in allem Recht, was Sie anschaulich angeführt haben (arbeite ja selbst an einer Schule) und würde niemals behaupten wollen, dass Schulen “Pandemiestopper” sind.
Womöglich habe ich mich ungeschickt ausgedrückt; mir ging es eher um die Außenwirkung dieser Wortwahl:
Beispiel: In den Monaten Mai, Juni, Juli fand ich nur bei gezielter Recherche im Internet massenweise Links zu Schul-und Kitaschließungen, vernahm hierzu jedoch nichts hierzu in den ö.-r. Medien.
Trotzdem betonten die KM und auch einige Wissenschaftler damals immer wieder: “Schulen sind nicht Treiber der Pandemie!” Was aufgrund der zurückgehaltenen Informationen für den durchschnittlichen Medienkonsumenten in diesem Zusammenhang glaubwürdig klang.
Gleichzeitig klingt die Formulierung “Treiber der Pandemie” m. E. sehr nach Ausschließlichkeit, also, als wären allein Schulen die Ursache, vor allem, wenn, wie häufig geschehen, das Wort “die” vor “Treiber” gesetzt wird.
Und das, so vermute ich, will der “Normalbürger” nicht wirklich hören.
Ich fände eine differenziertere Formulierung vorteilhafter, die aussagt, dass Schulen zu einem erheblichen Teil am Infektionsgeschehen beteiligt sind.
Also: SCHULEN SIND ERHEBLICH AM INFEKTIONSGESCHEHEN BETEILIGT!
Nun will ich aber auch kein Fass aufmachen; wir haben zzt. genügend andere Probleme, da ist dies ein kleiner Nebenschauplatz.
Ich wollte Ihren Beitrag jedoch ungern unbeantwortet lassen.
Viele Grüße!
Danke für Ihre Reaktion.
In der derzeitigen Debatte über die anhaltende verbreitung der Pandemie stört mich, dass alle Lobbygruppen, die Branchen vertreten, die vom Lock down light betroffen sind, unisono erklären, dass ihre Branche nicht zu den “Treibern der Pandemie” gehören könne, da sie ja vor den Schließungen alle genehmigten Hygienemaßnahen umgesetzt hätten.
Ja, wenn denn alle sich so sehr bemüht haben den Verlauf der Pandemie also das Infektionsgeschen zu stoppen, woher kommen dann die Neuinfektionen, die ja derzeit bundesweit so zwischen 22.000 und 23.000 Neuinfektionen je Tag liegen? Die vorgegebene Antwort, dass diese im privaten Bereich lägen, ist mir zu einfach. Die allermeisten Personen sind ernsthaft bemüht nicht infiziert zu werden. Der größte Teil junger Menschen antwortet, dass er weniger Angst um seiner selbst willen habe, als vielmehr Angst davor habe ältere Familienmitglieder oder vulnerable Personen in seinem umfeld infizieren zu können.
Wenn also das Senken des Kurvenverlaufes mit den bestehenden Maßnahmen nicht klappt, dann müssen für das derzeitige Infektionsgeschehen doch andere Ursachen vorliegen. Und Schule ist derzeit die einzige “Massenveranstaltung” ohne entsprechende Schutzmaßnahmen, wie sie ansonsten bei öffentlichen oder privaten Zusammenkünften gelten. Ob diese Auflagen dann immer eingehalten werden, ist eine andere sache. wenn sie aber in weitem Umfang nicht eingehalten werden, dann lassen sich solche Super-spreading-events auch im Nachhinein identifizieren.
Warum haben die europäischen Nachbarn, die im Zuge der zweiten Welle die schulen geschlossen hielten, den Kurvenverlauf der Neuinfektionen in anderem Maße verändern können als wir hier in Deutschland. Früher sollte am deutschen Wesen die Welt genesen – derzeit tritt eher das Gegenteil ein. Tötlich in ihren jeweiligen Folgen sind übrigens beide Ansätze zu beurteilen.
Als Quelle seriöser und aktueller Informationen kann ich jedem den Drosten-Podcast beim NDR empfehlen. Hier werden jede Woche am Dienstag die neuesten medizinischen Erkenntnisse und Studien sowie Metastudien besprochen, inzwischen abwechselnd mit Herrn Drosten und Frau Ciesek. Dazu kommen seit ein paar Wochen immer wieder Leute aus der Praxis zu aktuellen Themen (wie z.B. Intensivstationen) zu Wort. Dank moderner Technik kann man die 2 Stunden auch in kleinen Portionen zu selbstgewählten Zeiten (z.B. auf YouTube) hören.
Bereits zu Beginn des 2. “Lockdowns” wurde hier eine Metastudie besprochen, die eine große Zahl von Studien aus aller Welt zur Thematik der Infektion von Schülern und das Infektionsgeschehen an Schulen ausgewertet hatte. Diese Metastudie kam zu dem Schluss, dass Schüler/Schulen ca. 25 % des gesamten Infektionsgeschehens ausmachen, somit auch einen großen Anteil an der Gesamtlage haben und die Empfehlungen des RKI dringend einzuhalten wären, was aber seit Wochen ignoriert wird. Selbst wenn Schüler sich außerhalb der Schule infizieren, tragen sie dort doch oft unbemerkt das Virus hinein und verteilen es weiter. Selbst bei gutem Lüften (egal ob per Fenster oder Gerät) gibt ein infizierter Schüler über Stunden hinweg das Virus per Aerosol ab, sofern er eine Maske trägt. (Sonst sind noch mehr und größere virustragende Tröpfchen dabei.) Innerhalb von Stunden verteilen sich diese quer durch den Raum. Da ist es egal, ob jemand direkt daneben oder am andern Ende sitzt. (Ein Raucher in einem Raum führt über Stunden hinweg trotz Lüften zwischendurch zu einem allgemein verrauchten Raum. Der Geruch ist wahrnehmbar, vor allem wenn man den Raum neu betritt. Das Virus verbreitet nur leider keinen Duft, trotzdem ist es da.)
Aus den aktuellen Infektionszahlen nach Alterklassen kann man ablesen, dass sich seit Wochen vor allem 15- bis 19-jährige und 20- bis 29-jährige anstecken, entspricht also Schülern der weiterführenden Schulen und Berufsschulen. (Studenten sind seit März zum größten Teil durchgängig im Fernunterricht.)
Diese Altersgruppe macht in vielen Bundesländern ca. 1/3 der Neunfektionen aus. Gleichteitig kann man oft einen Anstieg mit einer zeitlichen Verzögerung von ca. 2 Wochen in der Altersklasse der 40- bis 59-jährigen sehen. Dies entspricht der Elterngeneration älterer Schüler/junger Erwachsener. Von dort aus wird dann wieder die Infektion in der Arbeitswelt verteilt. Während viele Bürotätigkeiten im Homeoffice erfolgen, können soziale und pflegerische Berufe die Infektion wieder in soziale Einrichtungen tragen. Da auch in Alters-/Pflegeheimen (sei es aus Kostengründen oder Unfähigkeit) die regelmäßige sachgerechte prophylaktische Testung nicht immer erfolgt, können hier von Mitarbeitern unbemerkt Infektionen eingetragen werden, die leider oft erst auffallen, wenn schon ein höherer Anteil der dort lebenden Menschen infiziert ist. Das zeigt sich jetzt seit ein paar Wochen auch in der Altersstatistik, meist mit einer gewissen Verzögerung zu den gestiegenen Zahlen der jüngeren Altersklassen.
Der Kanzlerin sind gerade bei der Schulpolitik die Hände gebunden. Ihre Unzufriedenheit mit den getroffenen Vereinbarungen hatte sie mehrfach öffentlich geäußert, was normalerweise nicht ihre Art ist. Allein die Tatsache, dass sie diese äußert, zeigt, wie dramatisch die Lage ist. Sie als Physikerin kann statistische Abläufe und abzusehende Entwicklungen auf Erkenntnisbasis verstehen. Herr Drosten gehört als einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der Coronaviren zum Beratungsteam der Bundesregierung. Sie bekommt also ihre Erkenntnisse und Empfehlungen aus erster Hand. Dank des Podcasts sind diese Erkenntnisse auch jedem, der sie hören mag, zugänglich. Genau dieses Anliegen der ungekürzten bzw. selektionsfreien Informationsvermittlung verfolgt Herr Drosten mit dem Podcast des NDR in Interviewform, da er schon zu Beginn der Pandemie die Erfahrung machte, dass die Sachlichkeit seiner Erläuterungen unter Verkürzungen und Verzerrungen in der Presse litt.
Eigentlich sollten auch die KMs der einzelnen Länder fähig sein, seinen Ausführungen zu lauschen und daraufhin sinnvoll zu handeln. Im Wahlkampfmodus scheint leider bei einigen Politikern die Profilierungssucht über den menschlichen Sachverstand und den Bevölkerungsschutz zu gehen.
Bravo! Danke!
Isabella sie haben schon verstanden das Frau Merkel nicht viel zu sagen hat.Der Ärger sollte an die Ministerpräsidenten gehen den denen hat Frau Merkel herzlich wenig zu sagen.
@Mondenfee,
eine sehr gute Zusammenfassung, die an alle Bildungspolitiker geschickt werden sollte.
Beispiele aus dem betrieblichen Alltag. In unseren Werken fallen täglich Mitarbeiter aus, die sich infiziert haben. Alle in der Altersgruppe 30-45 mit Kindern. Man müsste blind sein, um den Zusammenhang nicht zu sehen. Noch wirkt es sich nicht auf die Produktion aus, mit weiter steigenden Infektionen werden die KM sehr starken Gegenwind bekommen. Kretschmer in Sachsen rudert bereits zurück. Sich Querdenkern und der AFD anzubiedern, ist nie eine gute Idee. Inzwischen ist selbst das Obere Management für den asiatischen Weg. Man geht von einem harten Lockdown nach Weihnachten aus, sollte es zu keiner eklatanten Senkung der Infektionen kommen. Den Lockdown halte ich bei erneut knapp 500 Toten pro Tag auch für dringend geboten. Langfristig wird das der Wirtschaft weniger schaden. Dieser halbe Lockdown mit offenen Schulen ist ein monatelanges Gewürge mit hohen Todesraten und wirtschaftlicher Schädigung.
So kann es nicht weitergehen.
Kann man sich denn vorstellen, was diese Maßnahmen für Folgen im Hinsicht auf die Bildung, Wirtschaft und Zukunft haben werden?
Es gibt jetzt schon Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, weil ihre Eltern nicht arbeiten können um Risikogruppen, die größtenteils 80 schöne Jahre hinter sich haben, zu schützen…
Diese Kinder, die anscheine das Virus verteilen, sollen ja in Zukunft aufgrund ihrer GUTEN Verdienste ihre/unsere Renten bezahlen können, oder?
Dann wird man sich über die niedrigen Renten beschweren…
In Deutschland ist noch keiner verhungert. Schon gar nicht, wenn gerade erst 300 Euro pro Kind verschenkt wurden. Ich könnte kotzen, wenn ich solch menschenverachtende Kommentare wie ihren lese. Wollen Sie eigentlich alt werden? Warum? Und wenn nicht, in welchem Alter planen Sie abzutreten????
Was schreiben Sie denn da für einen Unsinn? Rechnen Sie mal zurück: Die heute über 80jährigen hatten eine „besonders schöne Kindheit und Jugend“, die verbrachten sie im Bombenhagel, mit Kinderlandverschickung, etc. und das erste Jahrzehnt der Nachkriegsjahre war geprägt von Hunger und Entbehrungen. Und jetzt soll sich diese Generation opfern für die oft hedonistischen Bedürfnisse jüngerer Generationen. Pfui!
@Besorgte Mutter
Liebe @Besorgte Mutter,
“um Risikogruppen, die größtenteils 80 schöne Jahre hinter sich haben”
Sie rechnen Menschenleben (= deren Wert für die Gesellschaft? / = deren Lebensberechtigung?) gegeneinander auf.
Lassen Sie uns mal gemeinsam rechnen:
2020 weniger 80 schöne Jahre … grübelgrübel … sind gleich 1940!
Wenn Sie denken, dass diese Geburtsjahrgänge ausschließlich schöne Jahre hinter sich haben – denken, oder besser phantasieren Sie bitte weiter.
Mitten im Krieg geboren – muss das schön gewesen sein! Aber egal, es war eine Zeit voller lustiger Abenteuer, besser als sämtliche Kinderbücher, – filme und Videospiele zusammen. Dauerte aber eben nur noch 5 Jahre – dann war diese herrliche Zeit mit Abenteuern, u.U. vielen überraschenden “Reisen” durchs Land (So schön, man hat ständig neue Leute und Freunde kennengelernt!) und vollen Kinderbäuchen schon vorbei.
Hat nicht schon am 9.5.1945 über Nacht noch mehr Luxus Einzug gehalten?
Hatten dann nicht viele Kinder das große Glück (???) ihre “besorgte Mutter” ganz für sich alleine haben zu können? (“Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg …” Informieren Sie sich!!! https://www.alterundtrauma.de/mediathek/lesen/maikaefer-flieg-dein-vater-ist-im-krieg.html)
Bestimmt haben die Kinder damals diese schöne Zeit kaum ertragen, so gut müssen Sie es gehabt haben! Die meisten haben noch heute sehr schöne und lebendige Erinnerungen an diese Zeit, so dass Sie diese tollen Erlebnisse in ihren Herzen verschlossen halten – sind bestimmt nicht (???) traumatisiert bis heute – die alten Egozentriker wollen halt die schönen Erinnerungen nicht mit den jungen Generationen teilen!
Und dann fressen die Alten ja auch immer so viel, was das alles kostet! (Sie sagten ja: “Es gibt jetzt schon Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, weil ihre Eltern nicht arbeiten können um Risikogruppen, die größtenteils 80 schöne Jahre hinter sich haben, zu schützen…”)
BIS HIERHIN müssen Sie die IRONIE schon selber herausfinden! (Zur Sicherheit: Ich denke, dass gerade die älteren Leute unseren Dank verdienen, denn sie haben dafür gesorgt, dass dieses Land wieder aufgebaut werden konnte und sie haben dafür gesorgt, dass wir alle (!) – auch Sie, @Besorgte Mutter – unser Leben so leben konnten, wie wir es bis Frühjahr 2020 gewohnt waren. Keiner der “Alten” in Heimen oder noch in eigenen Wohnungen hat sich den Virus gebastelt, um uns herauszufordern oder zu ärgern!)
Wäre aber schon mächtig geil, wenn die alten unnützen Fresser endlich auf halbwegs natürliche Weise abtreten?
Vielleicht kann man auch noch etwas erben?
Aus Altenheimen könnte man was für jüngere Leute machen?
Sie schreiben auch: “Diese Kinder, die anscheine das Virus verteilen, sollen ja in Zukunft aufgrund ihrer GUTEN Verdienste ihre/unsere Renten bezahlen können, oder?
Dann wird man sich über die niedrigen Renten beschweren…”
@Besorgte Mutter, die heutigen Kinder werden ja in Zukunft wohl kaum IHRE Rente bezahlen – denn es wäre doch extrem scheinheilig, wenn Sie (!) später das haben wollen, was Sie anderen Leuten aufgrund deren Alters heute nicht uneingeschränkt zugestehen wollen: Das Recht auf Leben und nicht nur finanzielle Fürsorge im Zuge eines Generationenvertrages, in denen die alten auf jede erdenkliche Weise genug “eingezahlt” haben.
Jeder Mensch hat Eltern/Großeltern – je nachdem wie alt Sie selbst sind – fragen Sie doch einmal nach, ob die nicht gerne noch ein wenig leben möchten.
Sollten Ihre Eltern/Großeltern nicht mehr leben, tut mir das zunächst einmal leid. Aber dann müssten Sie die Problematik auch noch aus einer weiteren Perspektive ergründen können.
Versuchen Sie Ihren engen (und moralisch abscheulichen) Horizont über Ihre eigenen Bedürfnisse heraus zu erweitern!
…und wenn dann, nach 2 – 3 Wochen Weihnachtsferien (je nach Bundesland) die “Zahlen” sinken (also, weil die Schulen “zu” und der ÖPNV deshalb und durch Urlaub o. ä. stark reduziert waren), klopfen sich alle KMs und MPs wohlwollend auf die Schulter und verkünden vollmundig, dass der Lockdown – Light hervorragend gewirkt habe… Dass SIE demnach alles richtig gemacht haben! Und wir alle müssen uns dann auch wieder (oder immer noch) dieses selbstgefällige Grinsen der KMs auf Fotos in den Medien anguckien. Pfui!
Folge davon: Alles kann super weiterlaufen wie bisher, denn die Schulen sind ja sicher.
Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen BALD merken, dass es wohl “läuft”, aber leider halt rückwärts.
@mama51
Liebe @mama51,
Sie schreiben ganz treffend “wenn dann” die Zahlen nach den Weihnachtsferien sinken.
Ich fürchte aber, dass die Zahlen eher steigen werden, weil durch die Lockerungen über die Weihnachtsferien der Virus noch stärker auf Wanderschaft durch Familien und Bekanntenkreise gehen wird …
🙁
Ich glaube auch, dass sich viele ältere Menschen am Weihnachtsfest mit der Familie anstecken werden…Und im Januar heißt es dann wieder… Krankenhäuser voll, wir müssen alles dicht machen, egal was es koste…
es dreht sich Alles um die Weihnachtszeit, anstatt einfach mal zu akzeptieren, dass es dieses Jahr anders werden muss.
Ehrlich gesagt, sehe ich es nicht ein, dass das ganze Land darunter leiden muss, damit Oma & Opa einen schönen Abend haben
@Ella
Ehrlich gesagt sollten Sie sich schämen für Ihre (hoffentlich nur unüberlegte) Aussage:
“…damit Oma und Opa einen schönen Abend haben.”
Ich sehe es nicht ein, dass unsere Zukunft von Menschen wie Ihnen abhängen soll.
Und jetzt?
@Ella
Ich glaube nicht, dass Oma und Opa nicht in der Lage wären zu verzichten.
Oma und Opa sind – vermutlich – aus Erfahrung manchmal vernünftiger als manche Menschen der mittleren Altersgruppen. (Wenn Teenies “noch nicht” so vernünftig sind, so ist das der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung in jeder Hinsicht – also der “Reife” zuzurechnen. Außerdem hätte ich früher auch nicht verstanden, warum ein Virus je nach Ort – in/außerhalb Schulen – und Tageszeit unterschiedlich aktiv oder gefährlich sein soll. Niemand versteht das, es ist auch Schwachsinn!)
Mit dem Argument “Weihnachtszauber auch dieses Jahr” sollten vielleicht nicht gerade Oma und Opa besänftigt werden? (s.o.: mittlere Altersgruppen)
Fehlen ein paar belastbare Zahlen in dem Artikel. Die liefert z.B. das RKI:
Infektionen durch Schulen: 0,3%;
Infektionen durch “Wohnstätten” 61% (24% davon Ansteckungen in Altersheimen, die dortigen Infektionen haben überdurchschnittlich einen schweren Verlauf und stellen den mit Abstand größten Teil der Todesfälle).
Soviel zu „Jugendliche Schüler sind ganz starke Treiber der Pandemie“.
Schulen und Kitas bleiben weiter geöffnet,
unsere Kinder sind diesem machtlos ausgesetzt,weil Politiker nur eins im Kopf haben
Bildung,Bildung,Bildung…
Hier wird mit der Gesundheit und dem Leben der Kinder entschieden.
Restaurant usw. schliessen,im Einzelhandel wurden weitere Anordnungen gemacht.
In der Schule sitzen 15-30 Kinder in einem 60 Quadratmeter kleinem Klassenraum,die Kinder sitzen ohne Mindestabstand nebeneinander,an zwei Schulen die ich kenne sind mehrere Corona Fälle aufgetreten und es sind immer mehr
Dazu gekommen!!!
Bildung ja aber nicht auf den Rücken unserer Kinder,die Schulen und Kitas müssen auch geschlossen werden und wieder Homeschooling gemacht werden.
Liebe (r) M.S.P.
Ich sage es nicht gern – aber Bildung hat noch kaum einen “Bildungs”minister interessiert. Wir sollen das jetzt bloß glauben (lernen), weil es so oft gesagt wird.
Glauben Sie, wir hätten die Zustände an den Schulen, die wir seit Jahren anjammern, anprangern und beklagen, wenn Bildung wirklich wichtig wäre? Nein, wir werden einfach nur nicht gehört und ernst genommen. Das kommt bekannt vor, was?
Seit Jahren geht das Lernniveau den Bach runter, seit Jahren. Aber es spielt wohl für niemanden eine Rolle, solange die Noten stimmen. Das Wissen scheint nicht wichtig zu sein. Warum sind häufig Lehrstellen nicht besetzbar? Es fehlt an den Grundlagen.
Eigentlich kann man – so sehen Sie das sicher auch – auf die Forderung nach Bildung, Bildung, Bildung seitens unserer lieben KuMis nur noch “ach was” sagen.
So richtig, Riesenzwerg!
Wenn Kinder als Störfaktor möglichst ab Tag 1 fremdbetreut, erzogen und bespaßt werden und Eltern kein wichtigeres Ziel haben, als Verantwortung abzuwälzen auf Lehrer und Erzieher, was ist dann mit den sozialen Kontakten zu den wichtigsten Bezugspersonen?!
Gemeinsam spielen, lesen, die Welt entdecken ist doch in vielen Familien nicht Elternsache.
Verantwortung für die eigenen Kinder sollten Eltern gerne übernehmen und sich zuständig fühlen! Gerade jetzt!!!
Haben Sie denn Kinder? Meine 3 möchten und müssen sozial Kontakte haben und wollen ganz sicher nicht von mir bespasst werden, zumindest nicht auf lange Sicht. Denn das macht alle mürbe uns depressiv, Kinder wir Eltern. Ich möchte nicht nochmal im Homeoffice arbeiten und meine Kinder beschulen. Mal ganz ehrlich, da sind deutsche Schulen noch nicht gut aufgestellt in Hybrid oder fern Unterricht, wir sind weit zurückgeblieben im Neandertal.
Liebe Mar,
das kommt auch ein wenig auf das Alter an. Teenager sind eher weniger bespaßbar von ihren – peinlichen – Eltern. Bei den kleinen klappt es noch gut.
Es ist klar, dass das eine Herausforderung ist, der Sie sich als Familie stellen müssen. Doch dass sie alle davon depressiv werden, macht mich traurig.
Was sagen Sie zu “alleinerziehende Mutter, Vollzeitlehrkraft mit zwei Teenagern im lustigsten Alter” im Homeoffice inkl. der schulischen Betreuung der eigenen und etwa 150 “Fremd”kindern, sprich Schülern?
Nun dürfen wir – neben allen anderen Aufgaben – nach einem youtube-Kurzlehrgang uns und die Schüler auf Corona testen. Ich bin gespannt, was noch alles auf die faulen Lehrer abgeschoben wird. Jetzt kommt für uns noch die Gefahr einer Anzeige wegen Körperverletzung hinzu, falls die Testumgebung weh tut. Oder eine, weil wir das Stäbchen nicht Hochgenuss in die Nase stecken und es deswegen zu falschen Testergebnissen kommt.
@Mimi: Haben Sie denn Kinder? Ich lege noch mal eine Schippe oben drauf. Ich habe zu Hause einen behinderten Sohn mit Autismus. Das heißt Betreuung 24/7, also rund um die Uhr. Ja und Verantwortung ist hier im Dauertakt. Ich möchte nicht auch nochmal mein zu Hause beschulen.
Es waren jeden Tag Ausraster angesagt bei max. 20 bis 30 Minuten Aufgaben machen. Entlastung durch den Familienentlastenden Dienst gab es im Frühjahr nicht, um einfach mal durchzuschnaufen. Die Schulschließungen brachten zu Hause nur noch herausforderndes Verhalten. Das Sozialkontakte, die hat mein Sohn in der Schule. Er besucht eine Mini-Klasse mit 7 Mitschülern (Förderschule). Und dann kommen Sie Eltern haben kein wichtigeres Ziel als Verantwortung an Lehrer oder Erzieher abzuwälzen. Dann betreuen Sie mal ein behindertes Kind. Willkommen in der Realität.
@Mar
Die Frage was man möchte ist jetzt Luxus.
Ich kann es nicht ertragen, dass weiter unnötig Menschenleben verschwendet werden.
Und : Ja, ich habe Kinder und ich weiß wie sich Verlust anfühlt.
Ich gönne das keinem.
Fragen Sie sich doch mal, ob es vielleicht doch die bessere Alternative ist, ein paar Wochen Home-Office und Kinder zu ertragen, bevor Sie den Rest Ihres Lebens auf eines Ihrer Kinder oder ein anderes Familienmitglied verzichten müssen.
DAS macht ganz sicher depressiv.
@Jedimeisterin
Ich kenne die von Ihnen beschriebene Problematik aus dem Familienkreis und möchte nicht verallgemeinern.
Natürlich ist es eine besondere Situation, die nicht mit anderen Familien vergleichbar ist. Eltern mit solchen Kindern mit erhöhtem Betreuungsbedarf meine ich auch hier nicht. Sie verdienen großen Respekt und brauchen Unterstützung.
Trotzdem finde ich, dass viele Eltern es sich zu einfach machen, wenn sie die Verantwortung für ihre Kinder immer anderen überlassen.
Ich pflege übrigens zu Hause meine 89-jährige schwer pflegebedürftige Mutter, dafür habe ich mich in meinem Beruf freistellen lassen.
Mein Teeniesohn wird von mir zuhause beschult.
Ich kenne also auch Konflikte,
Ausraster verkneife ich mir, ich versuche, alles miteinander zu arrangieren. Das fällt mir oft schwer.
Übrigens ist das behinderte Kind aus meiner Familie vor einiger Zeit verstorbenen und ich möchte allen Familien diese Erfahrung ersparen.
Deshalb regt mich der verantwortungslose Umgang mit Menschen in der Schule so sehr auf.
Das Problem mit den viel zu großen Klassen und den dadurch nicht einhaltbaren Abständen der eng nebeneinander sitzenden Schüler besteht nicht nur in Bezug auf Corona:
Es kommt in den letzten Jahren immer häufiger zu Tuberkulose-Fällen in Schulen – und zwar Offene TB und multiresistente TB!
Jährlich sterben weltweit ca.1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose.
Es lohnt sich die Häufung von TB an Schulen in den letzten Jahren mal zu recherchieren.
Da bekommt man das kalte Grausen als Lehrer.
Bevor man diese Altersgruppe als Treiber an den Pranger stellt sollte man vielleicht erst einmal etwas an der Raumsituation ändern, damit nicht wie bei meinem Sohn in Klassenstufe 9 insgesamt 27 Kinder plus Lehrer plus Betreuungsperson auf 42qm zusammengepfercht werden und das auch noch an runden Tischen, an denen sich immer 7 Schüler gegenübersitzen.
Keiner stellt doch Schüler (einer bestimmten Altersgruppe) “an den Pranger”.
Aber “Treiber” ist hier tatsächlich ein ganz unglücklicher Begriff, der nur unter epidemiologischer Sichtweise Sinn macht.
Dann müsste es aber korrekterweise heißen: “ÄLTERE Schüler und Lehrer sind EIN Treiber der Pandemie”.
Die Raumsituation in den Schulen ist dafür die Hauptursache.
Schüler und Lehrer werden so in eine hochgradig infektionsgefährliche Situation über Stunden täglich gezwungen.
Das ständige Lüften, mit dem Vierkant an den Fenstern rumfummelnd, weil sich die meisten Fenster anders nicht öffnen lassen, das ständige Schüler-einzeln-nacheinander-auf-die-Toilette-gehen-Lassen, weil sie in der Pause nicht dürfen, behindern neben den üblichen Unterrichtsstörungen den Unterricht massiv.
Die Masken sitzen bei vielen Schülern so schlecht, dass sie ständig von der Nase rutschen.
Und auf den engen Gängen durchs Gebäude in Richtung Schulhof laufen die Schüler nicht nur eng an eng, sondern auch noch flott, so dass noch mehr Aerosole entstehen und ausgetauscht werden.