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Vorbild Bayern? Auch andere Länder erwägen jetzt, Schulbetrieb einzuschränken – Merkel macht Druck auf Verschärfungen

Ein Bundesland nach dem anderen kippt. Foto: Shutterstock

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BERLIN. Nachdem die bayerische Staatsregierung eine Verschärfung der Corona-Regeln im Freistaat beschlossen hat – unter anderem wird Wechsel- und Distanzunterricht an den Schulen eingeführt –, mehren sich die Anzeichen, dass der Schulbetrieb auch in anderen Bundesländern eingeschränkt wird. „Wir sprechen in der Regierung darüber, was es noch für Möglichkeiten gibt. Wir werden da sicherlich im Laufe dieser Woche auch noch weitere Entscheidungen treffen“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Man werde auch über Maßnahmen im Schul- und Kindergartenbereich sprechen müssen, unterstrich er. Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) fordert längere Weihnachtsferien.

Ist Bayern der erste Stein? Foto: Shutterstock

Die sächsische Landesregierung will über weitere Verschärfungen der Corona-Regeln im Freistaat beraten, so kündigte Kretschmer an. Es müsse „nachgesteuert werden in den Hotspots, in den Regionen, in denen die Zahl zu hoch ist, in denen die Kontaktnachverfolgung nicht mehr möglich ist.“

Kretschmer appellierte an die Eigenverantwortung der Menschen. Die meisten Bürger hielten sich an die Regeln und nähmen sich zurück. Ein Teil lehne die Maßnahmen aber ab. So entstehe ein Infektionsgeschehen, das sehr gefährlich sei und am Ende unschuldige Menschen in Mitleidenschaft ziehe. „Die Zahlen haben sich anders entwickelt, als es notwendig ist“, betonte Kretschmer. Deshalb müsse man handeln, um die medizinische Versorgung zu sichern. Laut Kretschmer sollen die Maßnahmen für alle Bürger kalkulierbar sein und mit einem entsprechenden Vorlauf verkündet werden. Geplant sind unter laut MDR unter anderem strengere Regeln in Schulen und Kindergärten.

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Beim letzten Bund-Länder-Gipfel war Merkels Vorstoß, Wechselunterricht in der Fläche einzuführen, zurückgewiesen worden

Der saarländische Regierungschef Tobias Hans forderte rasch eine zusätzliche Konferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU). Er plädiere “dafür, kurzfristig, am besten im Laufe der kommenden Woche, in der Runde der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin erneut zusammenzukommen, um uns mit der aktuellen Lage zu befassen”, sagte Hans dem “Spiegel“.

Im Saarland werde der Ministerrat, so Hans, an diesem Dienstag „eine kritische Bilanz über die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen und Entwicklungen ziehen“. Dabei werde auch entschieden werden, „ob gegebenenfalls härtere Einschränkungen nötig sind und welche Erleichterungen über Weihnachten und Silvester möglich sind“, sagte er in Saarbrücken.

Die Kanzlerin stieß ins gleich Horn. Gegenwärtig werde ihr zu viel über Glühweinstände gesprochen und zu wenig über die Krankenschwestern und Pflegekräfte, sagte Merkel am Montag nach Angaben von Teilnehmern in einer Video-Sitzung der Unionsfraktion. Mit den bisherigen Maßnahmen komme man von den auf einem viel zu hohen Niveau stagnierenden Infektionszahlen nicht herunter. Das heiße, man werde den Winter nicht ohne zusätzliche Maßnahmen durchstehen können. Was wo zu tun sei, müsse noch vor Weihnachten entschieden werden.

Man dürfe nicht auf das Prinzip Hoffnung setzen, dass die seit einigen Tagen wieder steigenden Zahlen heruntergehen würden, sagte Merkel demnach. In den nächsten Tagen werde es Beratungen mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder geben. Akzeptanz würden die Maßnahmen immer dann finden, wenn Bund und Länder gemeinsam entscheiden würden. Bislang ist eine neue Ministerpräsidentenkonferenz für den 4. Januar geplant. Merkel war beim letzten Bund-Länder-Gipfel mit ihrem Vorstoß gescheitert, den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für den Schulbetrieb zu folgen – und Wechselunterricht einzuführen.

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach fordert längere Schulferien “bis weit ins neue Jahr hinein”

Angesichts der sehr hohen Corona-Infektionszahlen fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach deutschlandweit schärfere Beschränkungen und eine Schließung von Geschäften nach Weihnachten. „Wir brauchen eine neue Ministerpräsidentenkonferenz schon in der kommenden Woche“, forderte der Epidemiologe gegenüber dem Berliner „Tagesspiel“. Nötig seien „vorgezogene und längere Schulferien bis weit ins neue Jahr und ein Schließen der Geschäfte zumindest nach Weihnachten“.

Er bekräftigte seine Warnungen vor einem Silvesterfest mit Lockerungen der bisherigen Beschränkungen und sagte dem „Tagesspiegel“ mit Blick auf die geforderten Maßnahmen: „Sonst haben wir Ende Januar noch einmal zusätzliche 25.000 Tote.“

Söder: “Wir reduzieren die Anzahl der Schüler im Präsenzunterricht um ein Drittel”

In den bayerischen Schulen sind nach dem gestrigen Kabinettsbeschluss in München alle Schüler ab der achten Klasse (mit Ausnahme der Abschlussklassen) von den Neuerungen betroffen (News4teachers berichtet aktuell ausführlich über die Beschlüsse der bayerischen Staatsregierung). Sie müssen ab Mittwoch in den Wechselunterricht, in Hotspots muss gar die ganze Klasse in den Distanzunterricht wechseln. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält, nachdem in der vergangenen Woche bereits eine Verschiebung des Abiturs angekündigt worden war, auch eine Verschiebung anderer Abschlussprüfungen für möglich. Man müsse schauen, dass auf Dauer alles angepasst werde, sagte er mit Blick auf den Wechsel- und Distanzunterricht. Das gelte etwa für Schulaufgaben und Leistungsnachweise, die nachgeholt werden müssten, aber auch für den zeitlichen Ablauf von Prüfungen im kommenden Jahr.

Im Januar werde man sehen, wie das weitere Verfahren sein werde. Söder dankte den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrkräften und Schulleitungen. Sie müssten in kurzer Zeit immer wieder umorganisieren. «Aber ich bin der festen Überzeugung, dass das richtig ist. Wir reduzieren die Anzahl der Schüler im Unterricht insgesamt um ein Drittel.» News4teachers / mit Material der dpa

Philologen: Wechselunterricht nur für einige Schüler sorgt für organisatorische Probleme

 

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