Expertin zum Dudenstreit: Das generische Maskulinum ist vergleichsweise neu

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KÖLN. Der Versuch des Duden, sich an die Spitze der Bewegung zu einer gendergerechteren Sprache zu setzen, hat eine breite Diskussion ausgelöst. Die Kölner Sprachwissenschaftlerin Kirsten Schindler erläutert Hintergründe und Probleme in der aktuellen Diskussionskultur zum Thema Gendern, respektvolle und zielführende Sprache.

Gendersensible Sprache setzt sich immer mehr durch. Genderstern, Gendergap oder Gender-Doppelpunkt – aktuell gibt es viele Varianten geschlechtergerechter Sprache. Der Online-Duden hat inzwischen zum Beispiel den Begriff Gästin aufgenommen und damit nicht nur Lob, sondern auch Kritik auf sich gezogen. Die außerplanmäßige Professorin Kirsten Schindler von der Universität zu Köln nimmt Stellung zur aktuellen Diskussion um gendergerechte Sprache.

Sprache ist nichts Festgefügtes. Die Diskussion um inkludierende Sprache ist mit dem Duden vorstoß sicherlich noch nicht beendet. Foto: cocoparisienne / Pixabay (P. L.)

Professorin Dr. Kirsten Schindler: „Die Diskussion um die Frage, ob und wie sich in der Sprache das Geschlecht von Personen abbildet, ist nicht neu. Vergleichsweise neu ist aber, dass nach vielen Jahrzehnten der Bemühungen um eine – auch sprachlich – stärkere Sichtbarmachung von Frauen in den letzten Jahren vermehrt Anstrengungen unternommen wurden, Formen zu finden, um auch Menschen zu adressieren, die sich nicht einem der beiden Geschlechter Mann oder Frau zuordnen lassen oder wollen. Spätestens mit der Veränderung des Personenstandsgesetzes (ratifiziert 2018) und der Möglichkeit, neben männlich und weiblich noch die Form divers ins Geburtenregister einzutragen, hat die Diskussion an Relevanz zugenommen. Der Wunsch, alle Menschen so zu adressieren, dass sie sich angesprochen fühlen, entspringt dabei ganz grundsätzlich der Haltung einer respektvollen und zielführenden Kommunikation.

Kontrovers ist aber sicher die Frage, welche Form bzw. Formen dafür in besonderer Weise geeignet ist bzw. sind. Der Rat für deutsche Rechtschreibung setzt sich in seiner 2017 eingerichteten Arbeitsgruppe intensiv für forschungsbasierte Empfehlungen ein, die neben sprachsystematischen Überlegungen auch Fragen der Nutzungsart und Frequenz bestimmter Formen (zum Beispiel Beidnennungen, Genderstern und andere) berücksichtigen. Neben grundlegenden Kriterien, die zum Beispiel Verständlichkeit und Lesbarkeit, Rechtssicherheit und Eindeutigkeit betreffen, geht es in diesen Empfehlungen auch um orthografische Fragen sowie stilistische und grammatisch-syntaktische Strategien; Letztere sind insbesondere für das Schreiben von behördlichen Texten, die Kommunikation in öffentlichen Räumen, Pressetexte etc. von Bedeutung – sie betreffen grundsätzlich nicht das private Sprechen und Schreiben. Finale Entscheidungen für einzelne (und damit zugleich gegen andere) dieser Sprachformen sind bislang nicht getroffen bzw. noch nicht im Amtlichen Regelwerk festgelegt worden. Dieses Abwarten ist verständlich, schafft aber auch Unsicherheit.

Der Vorstoß des Dudens, sogenannte generische Formen besonders das generische Maskulinum ganz grundsätzlich infrage zu stellen, geht über die bisherigen Empfehlungen hinaus. Bislang stellt die generische Verwendung von maskulinen Substantiven, die Personen bezeichnen, eine durchaus noch übliche, wenn auch kritisierte Möglichkeit dar. Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Der Ausdruck „Lehrer“ könnte dann einen männlichen Lehrer, eine weibliche Lehrerin oder eine Lehrkraft bezeichnen, bei der das Geschlecht entweder nicht bekannt, nicht der Zweigeschlechtlichkeit zuzuordnen oder irrelevant ist. „Lehrer“ in seiner generischen Verwendung soll dann auf die Kategorie (also zum Beispiel die Rolle einer Lehrkraft im Unterricht) verweisen. Schwierig am generischen Maskulinum ist seine Mehrfachbedeutung, das heißt die sprachliche Information, ob „Lehrer“ nun generisch oder geschlechtsspezifisch verwendet wird (also nur männliche Lehrkräfte meint), ist unklar. Das generische Maskulinum ist aus sprachhistorischer Perspektive übrigens ebenfalls vergleichsweise ‚neu‘ und wird in der oben beschriebenen Nutzung erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet. In älteren Grammatiken finden sich vor allem geschlechtsspezifische Benennungen. Dabei spielten auch gesellschaftliche Bedingungen eine Rolle. Viele der ausschließlich männlichen Berufsbezeichnungen zeigen, dass Frauen gar nicht die Möglichkeit hatten, diese Berufe auszuüben; etwas, das sich ja glücklicherweise geändert hat.

„Gästin“, wie vom Duden vorgeschlagen wäre dann das weibliche Pendant zu dem nur noch ausschließlich männliche Besucher bezeichnenden „Gast“. Damit wird einerseits die weibliche Form gestärkt und das generische Maskulinum abgelehnt, zugleich werden zwei Formen vorgeschlagen, die die Zweigeschlechtlichkeit betonen. Die Ableitung Gästin ist dabei durchaus nicht neu. Der entsprechende Eintrag im Grimm‘schen Wörterbuch etwa verweist auf eine Verwendung, die mindestens ins 19. Jahrhundert zurückweist. Gästin war und wird bislang nicht häufig verwendet und erscheint den meisten vermutlich ungewohnt und irritierend. Andersherum: Bei „Gast“ ist die generische Verwendung momentan noch so etabliert, dass eine ausschließlich männliche Lesart eher unwahrscheinlich ist.

Der Vorschlag „Gästin“ erscheint daher noch nicht gänzlich überzeugend, zudem macht der Vorschlag auf ein Problem aufmerksam, das die Debatte um geschlechtergerechte Sprache zurzeit stark bestimmt. Neben Einzelnen, die geschlechtergerechte Sprache weiterentwickeln und systematisch nutzen, diese Nutzung aber auch von anderen einfordern, stehen andere, die solchen – teils sehr gravierenden – Änderungen in der Sprache gegenüber skeptisch sind. Trotz jeweils wichtiger Argumente lässt sich eine oftmals ungute Diskussion wahrnehmen, der einerseits Sexismus, andererseits „Genderwahn“ unterstellt wird. Damit wird die wichtige Debatte um eine inkludierende Sprache, das gemeinsame Finden und Diskutieren dafür geeigneter Formen teils überdeckt.“ (pm)

Der Duden vertritt ab sofort geschlechtergerechte Sprache: Ein Mieter ist männlich

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27 KOMMENTARE

  1. „Dabei spielten auch gesellschaftliche Bedingungen eine Rolle. Viele der ausschließlich männlichen Berufsbezeichnungen zeigen, dass Frauen gar nicht die Möglichkeit hatten, diese Berufe auszuüben; etwas, das sich ja glücklicherweise geändert hat.“

    Das gilt aber beim Beispiel Hebamme und Krankenschwester in die andere Richtung genauso. Die Berufsbezeichnung Krankenbruder als logische Bezeichnung für das männliche Pendant habe ich noch nie gehört.

    • Ja, richtig. Interessanterweise werden „typische“ Frauenberufe und deren Bezeichnung für Männer dann neu benannt, in Ihrem Beispiel:
      Hebamme = Entbindungspfleger
      Krankenschwester = Gesundheits- und Krankenpfleger (für beide)

      oder auch
      Kindergärtnerin = Erzieher…

  2. Kann ich bitte eine neue deutsche Sprache haben? Mit ausschließlich neutralen Bezeichnungen für alles. Bitte. Es ist nicht mehr zum Aushalten. Die deutsche Sprache war einmal ganz wunderbar. Die Möglichkeiten, sich ausdrücken beinahe unbegrenzt.
    Aber so habe ich kaum mehr Lust ewas zu schreiben.

    Wenn in der Fachliteratur A.Schmidt angegeben wird muss ich zwangsläufig sagen: „…Der/Die Autor*In…“ da ich aus dem Abgekürzten Vornamen kein Geschlecht ableiten kann bzw. ich selbst bei. Anne Schmidt nicht wüsste, ob sie sich dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlt.

    Gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung – ja! Aber wir haben offenbar einen falschen Kurs gesetzt.

  3. „Das generische Maskulinum wird … erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet.“
    Das bin ich aber skeptisch. Ein recht altes Dokument in deutscher Sprache ist die Bibel. Heißt es nicht immer: „König der Juden“, „Jünger“, „Pharisäer“ usw.? Oder erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts?
    Eine neue „Bibel in gerechter Sprache“ allerdings spricht tatsächlich (kein Witz) von „Jüngerinnen und Jüngern, Pharisäerinnen und Pharisäern“ usw. Und ob man nun immer „Jüdinnen und Juden“ zu sagen hat, ist auch eine Frage. Überhaupt würde das ja für alle Nationen gelten, also „Chinesinnen und Chinesen, Russinnen und Russen, Araberinnen (?) und Araber, Französinnen und Franzosen, Niederländerinnen und Niederländer“ usw. Nur bei den „Deutschen“ weiß ich nicht weiter, gibt es „Deutschinnen“ ? Demnächst vermutlich schon, wenn das so weitergeht, Gästinnen haben wir ja schon. Innerhalb Deutschlands haben wir dann die „Preußinnen und Preußen, die Schwäbinnen und Schwaben“ sowie die „Bayerinnen (?) und Bayern“. Mal sehen, was Herr Söder dazu meint.

  4. Ich bin gegen das Gendern, auch weil es polarisiert, und vermeide es, wo immer es geht und benutze das generisches Maskulin. Beispiel Skandinavien: vor einigen Jahrzehnten gab es in der finnischen Sprache getrennte Formen, z.B. opettaja und opettajatar für Lehrer und Lehrerin. Die weibliche Form ist inzwischen vollkommen veraltet. Opettaja ist absolut geschlechtsneutral und wenn ich Unterschiede betonen will, muss ich das Geschlecht vorsetzen: miesopettaja bzw. naisopettaja, (Mannlehrer bzw.Fraulehrer). In Schweden hat man für die Präpositionen han (er) und hon ( sie) eine gemeinsame neutrale Form gefunden: hen. „Sier“ wäre doch ein schönes geschlechtsneutrales Wort.

  5. Ich fand die bisherige Ausdrucksweise sehr gut. Mit dem generischen Maskulinum sind doch alle angesprochen (es bezieht auch Kinder und Diverse ein). Wenn schon Gleichberechtigung, dann für alle. Die neuen Formen tun das jedenfalls nicht. Außerdem, haben wir Frauen ein solch schlechtes Selbstbewußtsein, dass wir das nötig haben, ständig benannt zu werden? Im Übrigen finde ich, dass gleichberechtigte Behandlung in unserer Gesellschaft zu erst woanders passieren muss. Das fängt z.B. bei der Bezahlung für gleiche Arbeit an. Ich als Frau fühle mich durch das generische Maskulinum jedenfalls nicht dikriminiert. Die neue Nennungsform finde ich albern. Wo hören wir dann auf? Das mach alles extrem kompliziert. Unsere Gesellschaft hat doch größere Probleme, als diese.

  6. Da auch Alltagsgegenstände nicht geschlechtsneutral sind, sollte es dann auch Staubsaugerinnen und Staubsauger, Fotokopiererinnen und Fotokopierer heißen. Bussinnen und Busse, Holzleiminnen und Holzleim sollten selbstverständlich in die gendergerechte Sprache aufgenommen werden. Oder etwa nicht? Höre ich im Hintergrund die männerdominierten Stimminnen aufbegehren? Da kommt mir glatt die Wütin!

  7. Dann müssen sich aber sprechende Personen bzw Personinnen auch richtig ausdrücken . Nicht wie oft gehört Lehrerin und Lehrer der xy Schule.
    Muss es nicht heißen Lehrerinnen und Lehrer?

  8. Ich würde vorschlagen, wir wechseln komplett ins Englische. Wird ja sowieso immer mehr gemacht.
    My teacher was ill.
    She will be back tomorrow
    Und gut ist.

  9. Mir kommt dieses Gendersprechzeug vor wie ein Versuch, auf Teufelkommraus etwas Neues zu etablieren. Mit einer Brechstange soll die gewachsene deutsche Sprache verunstaltet werden , anstatt erstmal in der Gesellschaft Ordnung zu schaffen! Da wäre nämlich genug zu tun!
    Ich lasse mir nichts aufzwingen, erst recht nicht diese Verunstaltung meiner Sprache. Wie viele Deutsche halten das denn für sinnvoll? Eine demokratische Minderheit?
    Dann soll diese doch vor sich hin gendern, mich und die Mehrheit aber damit in Ruhe lassen.

  10. Jetzt trau ich mir zu Frauen auch Arschloch zu sagen, ach ja Arsch&innenloch.
    Typisch Bartträger&innen oder ?

  11. Irgendwie ergibt das ganze manchmal auch gar keinen Sinn. Ärzt/innen z. B. Der männliche Part dieses Beispiels ist doch kein Ärzt? Ebenso bei Expert/innen. Ist der Mann jetzt ein Expert? Da gibt es doch noch einige Beispiele. Ich hatte bisher gar kein Problem mit den Ausdrucksweisen. Ich finde das alles total übertrieben. Vielleicht ist das aber auch ein Generationsproblem.

  12. Jägerschnitzel, Beifahrersitz, Schreinerwerkstatt, Führerschein, Ärztehaus, Fußgängerüberweg, usw. usw. Muss dann logischerweise auch gegendert werden?
    So ein Quatsch. Die Menschheit hat wahrlich andere Sorgen.

  13. Ich bin kein Sprachwissenschaftler*in.
    Aber gibt es das generische Maskulinum nicht in allen Sprachen, die grammatikalische Geschlechter kennen?

  14. ‚Der Vorstoß des Dudens, sogenannte generische Formen besonders das generische Maskulinum ganz grundsätzlich infrage zu stellen,“

    Nein der Duden hat da eine riesen Diskriminierung angefangen…

    Schüler als Lernende z.B, zu bezeichnen ist genauso Falsch, da auch der Lehrer etwas lernt und Erfahrung dazugewinnt.

    Einfach so eine unnötige Vergewaltigung der Sprache… Aber wir müssen beschäftigt werden, denn der Deutsche regt sich sehr gerne auf. Das liegt in seiner Natur. Und das muß aber gesteuert werden. Damit wir uns nicht über Dinge aufregen, die wirklich Systemverändernd sein könnten.

    Erst durch dieses Gendern wird den Leuten ein Zusammenhang zwischen Grammatik und wirklichem Geschlecht suggeriert und das ist Diskriminierung

    Zur Gender-Sprache („gerecht“ ist daran nichts):

    „Ableitungen auf ·er wie Geschäftsführer gehören ins Standard­genus und können nur dann aus­schließ­lich Männer bezeichnen, wenn der Mann im Lexem steckt: der Herr, der Vater. An Geschäftsführer ist dagegen nichts männlich.

    Der Ausdruck des Bürgers be­zeich­net geschlechtsindifferent alle Menschen, die Bürger sind, Bürgerin nur weibliche.“

    Für das natürliche Geschlecht interessiert sich unsere Grammatik nämlich überhaupt nicht.

    – Das ist Kapitalismus: Teile und herrsche, Dividende et Impera. –
    Es reicht nicht mehr, das Standardgenus für alle zu benutzen, nein, das muss man teilen und spalten.
    (Was diese Erkenntnis doppelt paradox erscheinen lässt)

    „Ein alter Trick, um Arme gegen noch Ärmere auszuspielen.“ Oder umgekehrt in diesem Fall.

    Es reicht ja schon, dass sich vermutlich jetzt viele diskriminiert fühlen wenn nur das Standardgenus (z.B. „Sehr geehrte Bürger…“) benutzt wird.

    Das finde ich traurig, aber dieses Gefühl ist ja erst entstanden durch diese spalterische Genderideologie

  15. Die Dudenredaktion setzt sich sachlich mit der Entwicklung unserer Sprache auseinander.
    Ganz im Gegensatz zu vielen Kommentaren hier.
    Dass nun ausgerechnet wieder das Wort „Gästin“ als Beispiel herhalten muss, ist wirklich schade. Die Redaktion von n4t bevorzugt ja ebenfalls das generische Makulinum. Es sei, wie hier (https://www.news4teachers.de/uber-uns/) behauptet wird, „in der deutschen Sprache üblich“.

  16. Ich werde bei diesem ,, verunstalten ,, unsere eigentlich schönen deutschen Sprache nicht mitmachen. Reicht schon die Verstümmelung unserer Rechtschreibung.
    Wenn manche Frauen dadurch ein vermindertes Selbstwertgefühl haben ist das Schade, mehr aber auch nicht. Eine gleichberechtigte Entlohnung für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit erscheint mir viel wichtiger. Und warum soll sich in letzter Zeit die Gesamtheit dem Wunschdenken einer Minderheit beugen? Siehe männlich weiblich divers. Habe kein Problem und meine das auch nicht böse, aber wenn ich als Arzthelferin nur an die Kosten für z.B. neue Formulare denke …wegen eines zusätzlichen Kästchen zum ankreuzen, kann ich nur den Kopf schütteln. Man muss sich ja schließlich auch für eine Anrede entscheiden oder gibt es noch eine Alternative zu Herr oder Frau? Nicht alles ,,Neue,, ist automatisch besser.

  17. Wenn ich im Radio oder Fernsehen einen Beitrag höre, in dem fleißig gegendert wird, dann höre ich noch die Millisekunde Sprachpause. In wenigen Jahren wird die sich aber so abgeschliffen haben, daß es nur noch Politikerinnen, Sportlerinnen, Handwerkerinnen usw. usf. geben wird. Schlußendlich haben wir dann das generische Maskulinum durch das generische Femininum ersetzt. Ist das dann gerechter?
    Im übrigen bleiben bei dieser neuen Sprachform die Nichtbinären komplett außen vor.

  18. Der Duden hatte immer die Funktion, aufzuschrieben, wie die Deutschen sprechen. Neue Wörter wurden eingefügt, andere gelöscht, wenn sie niemand mehr nutzte. Falsche Nutzung von „scheinbar“ und „anscheinend“ wurden ebenso wenig kritisiert, wie bei „zeitgleich“ und „gleichzeitig“. Die Deutschen sprachen eben so und genau das wurde dokumentiert. Offenbar hat es sich der Duden nun zur Aufgabe gemacht, den Deutschen ihre Sprache vorzugeben.
    Ich habe die Dudenredaktion gebeten, dann auch konsequent zu sein und niemanden zu vergessen. Ein Mieter, der jetzt ja immer männlich ist und eine Mieterin, die immer weiblich ist, schließt die Gruppe der Diversen aus. Das geht natürlich nicht.
    Nächstes Problem: In der deutschen Sprache gibt es Wortstämme, die durch weitere Buchstaben eine genauere Bedeutung erhalten. „Ich mache“ wird durch ein zugefügtes „t“ zu „ich machte“. Die zugefügte Information ist, dass die Tat in der Vergangenheit lag und abgeschlossen ist. Genauso kann man Mieter zu Mieterin verfeinern und aus der Gruppe aller Mieter (m,f,d) nur die mit dem „f“ filtern. Dann fehlen aber die Wörter für „m“ und „d“. Also braucht es im Duden den Mieterer, der aus der Gruppe der Mieter, die männlichen filtert.
    Oder der Wortstamm ist „Miet“ und es gibt dann Mieter (m) und Mietin (f).
    Die Redaktion hat sich nicht gemeldet. Ich bin mir sicher, dass da auch keine Antwort mehr kommt.

  19. Der Duden muss sich außerdem noch dringend um ein weiteres Problem kümmern, das durch die Gästin entsteht. Die Wortstämme „D“ und „W“ werden durch die Endungen „-er“, „-ie“ und „-as“ zu den Artikeln „der“ und dem passenden Fragewort „wer“, „die“ und „wie“ sowie „das“ und „was“.
    Leider kommt man mit dem weiblichen Fragewort „wie“ aber nicht zur Antwort „die Gästin“. Ergo muss es hier auch eine passende weibliche (Kunst-)form geben. Wie wäre es mit „Derin“ und „Werin“?
    Werin ist dem Haus? Derin Gästin! Passt perfekt zu: Wer ist dem Haus? Der Gast!
    Klingt doppelt-plus-ungut? Lassen wir es doch Frau Gerster_in im Heute-Journal vom Teleprompter vorlesen und wir gewöhnen uns schnell dran.

  20. Gut, als Hofnarr entscheid ich dies: In geraden Jahren benutzen wir weibliche Formen, in ungeraden die männlichen und in Schaltjahren Neutrumsformen:

    2022 Sehr geehrte Damen, …
    2023 Sehr geehrte Herren, …
    2024 Sehr geehrtes Menschliches, …

  21. Seltsam: Wir erkennen an, dass das Geschlecht eines jeden Menschen privat ist, ebenso wie seine Sexualität und seine Vorlieben. Warum damit hausieren gehen? Warum wollen um Himmels willen sich einige unbedingt erst übersehen fühlen, dann darüber beschweren und dann darauf bestehen, dass man wegen ihnen die Sprache für ALLE verändert? Eines Tages werden sich die selbsternanntinnen Expertinnen für selbst herausgepickte Theminnen und deren übereifrige Verfolgung und Energieverschwendung sehr schäminnen und sich frageninn: Was war nur los mit mit damals? – Man könnte sich darauf einigen, den Skeptikerinnen klar zu machen, die (männliche) Kurzform schliesst alle ein: Diverse, Männer, Frauen und Kinder.

  22. Bei der uns überall vorgeführten Gendersprache kann man sich nicht wohl fühlen; kein Wunder, dass die Mehrheit der Bevölkerung es ablehnt. Nicht nur, weil es derart Beifall heischend geschieht (man denke dabei an Petra Gerster, eine der Moderatorinnen der heute- Sendung, die es vor ihrem Eintritt in ihren Ruhestand geradezu demonstrativ anwendete) – sondern, weil beim Verwenden der Form xxx und xxxinnen die weiblichen Geschöpfe doppelt erwähnt werden. Wozu soll das gut sein? Schlimmstenfalls ruft man misogyne Nebenwirkungen hervor.

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